Indikations-Match · Standardrollstühle

Hüft-TEP – welcher Rollstuhl passt?

Nach einem Hüftgelenkersatz ist der Rollstuhl kein Dauerhilfsmittel, sondern eine befristete Brücke – und er wirkt anders als sonst: Statt tief und kantelbar muss er hoch und flach sein, damit die Hüfte nicht über den erlaubten Winkel gebeugt wird. Wer hier die Standardkonfiguration ausliefert, setzt das Implantat genau der Bewegung aus, die es nicht verträgt.

ICD-10: Z96.64 (Vorhandensein einer Hüftgelenkprothese) · Grunderkrankung meist M16.- (Koxarthrose) PG: PG 18 · Rollstühle & Mobilität Lesezeit: ca. 7 Minuten Stand: August 2026
Kurzantwort

Nach einer Hüft-TEP ist ein Rollstuhl nicht die Regel: Die meisten Patienten werden am OP-Tag mobilisiert und mit Gehstützen versorgt. Ein Rollstuhl kommt bei längeren Strecken, Mehrfacherkrankung oder verzögerter Mobilisation dazu - meist als befristete Versorgung über 6 bis 12 Wochen aus dem Wiedereinsatz. Entscheidend ist die Konfiguration: Sitzhöhe anheben, damit der Hüftwinkel bei dorsalem Zugang unter 90 Grad Beugung bleibt, Fußstützen entsprechend verlängern und auf Sitzkantelung nach hinten verzichten. Die Zuzahlung beträgt 10 % des Abgabepreises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro.

Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 18.50.02
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Die Diagnose — kurz erklärt

In Deutschland werden jährlich über 200.000 Hüftendoprothesen implantiert. Der Status wird unter Z96.64 kodiert, die zugrunde liegende Koxarthrose unter M16.-. Für die Hilfsmittelversorgung ist der operative Zugangsweg wichtiger als die Diagnose: Beim dorsalen Zugang gilt die bekannte Regel - Hüftbeugung nicht über 90 Grad, keine Innenrotation, keine Adduktion über die Körpermitte. Beim anterolateralen Zugang liegen die Grenzen anders, dort werden vor allem Streckung und Außenrotation vermieden. Wer diese Angabe nicht im Entlassbrief nachliest, konfiguriert den Rollstuhl gegen die Bewegungsvorgabe des Operateurs.

ICD-10
Z96.64
Vorhandensein einer Hüftgelenkprothese
Häufigkeit
über 200.000/Jahr
Hüftendoprothesen in Deutschland
Therapieziel
Luxationsschutz
Winkelgrenzen des jeweiligen Zugangswegs einhalten
Besonderheit
6-12 Wochen
befristeter Bedarf, meist Wiedereinsatzgerät
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Passende Rollstuhlversorgung

Die Auswahl richtet sich nach der Therapie-Phase. In jeder Phase gibt es Kassen-übliche Rollstuhltypen mit definierter Wirkung und Tragezeit.

PhaseRollstuhltypWirkungTragezeit
Frühphase (Woche 1-6, dorsaler Zugang)Standardrollstuhl mit angehobener Sitzhöhe 52-55 cm (18.50.02.0)Der höhere Sitz öffnet den Hüftwinkel und hält die Beugung unter 90 Grad. Fußstützen müssen mitverlängert werden, sonst hängen die Beine und das Becken kippt nach hinten.Nutzung nur für Strecken, dazwischen Gehtraining mit Gehstützen
Frühphase mit BeugehemmungSitzkeil mit Neigung nach vorn plus verlängerte BeinstützeDie nach vorn abfallende Sitzfläche verringert die Hüftbeugung zusätzlich um mehrere Grad. Gegenprüfen: Rutscht das Becken nach vorn, entsteht Scherbelastung am Kreuzbein.Bei jeder Sitzphase, Sitzdauer auf 45-60 Min. begrenzen
Spätphase (Woche 6-12)Leichtgewicht-Standardrollstuhl (18.50.02.2), Sitzhöhe schrittweise auf NormalmaßMit steigender Belastbarkeit wird der Eigenantrieb wichtiger als die Winkelbegrenzung. Geringes Gewicht erleichtert Verladen und Selbstfahren beim beginnenden Alltagsradius.Abnehmende Nutzung, parallel Rollator aus PG 10
Rückgabe bzw. Umversorgung (ab Woche 12)Rückgabe in den Wiedereinsatz oder Dauerversorgung nach BefundNach ärztlicher Freigabe entfällt der Bedarf in der Regel. Bleibt er bestehen, ist die Ursache nicht die TEP, sondern eine zweite Erkrankung - dann neu begründen statt verlängern.Kontrolltermin beim Operateur nach 6 und 12 Wochen

Rollstuhlwahl bleibt ärztliche Entscheidung

Die Tabelle zeigt typische Versorgungsmuster. Die konkrete Auswahl trifft die behandelnde Ärzt:in in Abstimmung mit der Operateurin oder Physiotherapeut:in.

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Versorgungsweg — von Diagnose bis Rollstuhl

  1. 1

    Verordnung noch in der Klinik klären

    Rezept nach Muster 16 mit Z96.64 und - das ist der entscheidende Zusatz - der Angabe des Zugangswegs und der Bewegungslimits. Fehlt diese Angabe, im Entlassbrief nachlesen oder im Sozialdienst nachfragen. Ohne sie ist die Sitzhöhe eine Schätzung.

    Zeitpunkt: vor Entlassung
  2. 2

    Bedarf ehrlich prüfen statt automatisch versorgen

    Bei planmäßigem Verlauf reicht meist eine Gehhilfe aus PG 10. Ein Rollstuhl ist begründbar bei Mehrfacherkrankung, Teilbelastungsauflage, Wundheilungsstörung, Revisionseingriff oder Wohnverhältnissen mit langen Wegen. Genau das gehört als Satz in die Dokumentation.

    Zeitaufwand: 10 Min.
  3. 3

    Wiedereinsatzgerät konfigurieren

    Bei befristetem Bedarf ist das aufgearbeitete Kassengerät der Regelweg. Anpassen: Sitzhöhe anheben (Kissen oder Radposition), Fußstützen verlängern, Seitenteile abnehmbar für den seitlichen Transfer, Kippschutz montieren. Sitzkantelung nach hinten deaktivieren oder nicht ausliefern.

    Dauer: 1-2 Tage
  4. 4

    Transfer üben - über die nicht operierte Seite

    Der Umsetzvorgang ist die kritische Bewegung, nicht das Sitzen. Umsetzen immer über die gesunde Seite, Beine nicht kreuzen, Rumpf nicht über die Knie beugen. Ein abnehmbares Seitenteil auf der Transferseite ist dafür Voraussetzung, kein Zubehör.

    Zeitaufwand: 20 Min.
  5. 5

    Auslieferung, Einweisung, Rückgabetermin fixieren

    Dokumentierte Einweisung mit Unterschrift, dazu Rückgabetermin schriftlich festhalten. Weisen Sie ausdrücklich darauf hin, dass nichts vom Boden aufgehoben wird - genau diese Vorbeugebewegung erzeugt die kritische Hüftbeugung. Greifzange anbieten.

    Zeitaufwand: 20-25 Min.
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Tipps für Patient:innen

Zugangsweg vor der Konfiguration klären

Die 90-Grad-Regel gilt beim dorsalen Zugang. Bei anterolateralem Zugang sind Streckung und Außenrotation die Risikobewegungen. Wer pauschal 'nicht über 90 Grad' berät, liegt bei einem Teil der Patienten schlicht falsch.

Sitzhöhe ohne Fußstütze ist ein halber Fehler

Wird nur ein Kissen aufgelegt, hängen die Unterschenkel, das Becken rutscht nach hinten und der Hüftwinkel wird wieder enger. Sitzhöhe und Unterschenkellänge immer gemeinsam einstellen.

Toilettengang mitdenken

Der kritische Winkel entsteht nicht im Rollstuhl, sondern auf dem WC. Eine Toilettensitzerhöhung aus PG 33 gehört zur Versorgung - Details unter /academy/toilettenhilfen/. Dusch- und Toilettenrollstühle werden dort behandelt, nicht hier.

Rollstuhl befristen, nicht verlängern

Setzen Sie den Rückgabetermin von Anfang an. Bleibt der Bedarf nach 12 Wochen bestehen, liegt eine andere Ursache vor - dann neu bewerten und neu begründen. Ein stillschweigend weiterlaufendes Leihgerät ist bei der nächsten Bestandsprüfung ein Thema.

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Häufige Fragen

Zahlt die Krankenkasse nach Hüft-TEP automatisch einen Rollstuhl?

Nein. Nach planmäßiger Hüft-TEP ist die Gehfähigkeit in der Regel erhalten, die Versorgung erfolgt mit Gehstützen oder Rollator aus PG 10. Ein Rollstuhl wird genehmigt, wenn die Gehstrecke für das Grundbedürfnis Mobilität nicht ausreicht - etwa bei Teilbelastung, Revisionseingriff oder zusätzlicher Erkrankung. Diese Begründung muss auf dem Rezept oder in Ihrer Dokumentation stehen, sonst folgt die Rückfrage.

Wie hoch muss der Rollstuhl nach Hüft-TEP sein?

So hoch, dass die Hüftbeugung im Sitzen unter dem vom Operateur freigegebenen Winkel bleibt - bei dorsalem Zugang unter 90 Grad. Praktisch bedeutet das eine Sitzhöhe von etwa 52 bis 55 cm statt der üblichen 50 cm, oft in Kombination mit einer leicht nach vorn geneigten Sitzfläche. Prüfen Sie den Winkel am sitzenden Patienten, nicht am leeren Rollstuhl.

Ist eine Sitzkantelung nach Hüft-TEP sinnvoll?

In der Frühphase nein. Die Kantelung neigt Sitz und Rücken gemeinsam nach hinten und verstärkt damit die Hüftbeugung - genau die Bewegung, die vermieden werden soll. Wird eine Druckentlastung gebraucht, erfolgt sie über eine Rückenneigung bei gleichbleibendem Sitzwinkel oder über ein Sitzkissen aus PG 11, nicht über die Kantelung.

Wie lange wird der Rollstuhl gebraucht?

Typischerweise 6 bis 12 Wochen, bis der Operateur die Bewegungslimits aufhebt. Weil der Bedarf befristet ist, ist ein aufgearbeitetes Gerät aus dem Wiedereinsatzlager der wirtschaftlich und zeitlich beste Weg - es ist meist binnen zwei Tagen verfügbar und genehmigungsfrei. Der Rollstuhl bleibt Eigentum der Kasse und geht nach der Versorgung zurück.

Fällt bei Rückgabe und erneuter Versorgung zweimal Zuzahlung an?

Die Zuzahlung von 10 % des Abgabepreises - mindestens 5, höchstens 10 Euro - fällt je abgegebenem Hilfsmittel an. Wird derselbe Versorgungsfall nur angepasst oder repariert, entsteht keine zweite Zuzahlung. Wird nach abgeschlossener Rückgabe später erneut versorgt, handelt es sich um eine neue Abgabe. Versicherte unter 18 Jahren und Personen mit anerkannter Belastungsgrenze sind zuzahlungsfrei.

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