Indikations-Match · Elektromobile

Herzinsuffizienz – welches Elektromobil passt?

Bei Herzinsuffizienz sitzt, greift und lenkt der Nutzer sicher – er kommt nur nicht mehr an. Damit ist das Elektromobil hier die passende Versorgungsform, während es bei den meisten neurologischen Indikationen die falsche ist. Der Beratungsfehler liegt nicht bei der Produktwahl, sondern in der Begründung: Wer Herzinsuffizienz wie eine Gehunfähigkeit beschreibt, bekommt eine Ablehnung, weil der Kunde vor der Tür des Sanitätshauses noch dreißig Meter geht.

ICD-10: I50.13 (Linksherzinsuffizienz mit Beschwerden bei leichter Belastung, NYHA III) · in Ruhe I50.14 · nicht näher bezeichnet I50.9 PG: PG 18 · Rollstühle & Mobilität Lesezeit: ca. 9 Minuten Stand: August 2026
Kurzantwort

Bei Herzinsuffizienz mit Belastungsdyspnoe nach wenigen Metern und voll erhaltener Sitz-, Transfer- und Lenkfähigkeit ist das Elektromobil (HMV 18.51.05) die tragfähige Versorgung: dreirädrig für enge Wege und Aufzüge, vierrädrig für unebene Strecken, in verstärkter Ausführung bei hohem Körpergewicht. Es ersetzt keine Gehfähigkeit - es erweitert den Aktionsradius und verhindert die Belastungsspitzen, die eine Dekompensation auslösen. Eine erhaltene Restgehfähigkeit im Nahbereich ist deshalb ausdrücklich erwünscht und für sich genommen kein Ablehnungsgrund. Ist das freie Sitzen, der Transfer, das Lenken oder die Gefahreneinschätzung nicht sicher gegeben, ist stattdessen ein Elektrorollstuhl (18.50.04) das richtige Hilfsmittel. Bis 6 km/h ist das Gerät fahrerlaubnisfrei und gilt verkehrsrechtlich als Fußgänger. Das Gerät bleibt Eigentum der Krankenkasse; Zuzahlung: 10 % (mind. 5, max. 10 €).

Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 18.51.05
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Die Diagnose — kurz erklärt

Herzinsuffizienz ist eine Belastungserkrankung, keine Lähmung: Kraft, Rumpfkontrolle und Steuerungsvermögen bleiben erhalten, aber die Pumpleistung deckt den Sauerstoffbedarf unter Belastung nicht mehr. Die ICD-10-GM kodiert das an der fünften Stelle nach dem NYHA-Stadium - I50.12 für Beschwerden bei stärkerer, I50.13 für Beschwerden bei leichter Belastung, I50.14 für Beschwerden in Ruhe. Diese Stelle ist für den Antrag mehr als Kodierdetail, weil sie die Belastungsgrenze bereits im Code trägt: Ein Rezept mit I50.9 verschenkt genau die Information, auf die die Kasse schaut. Herzinsuffizienz gehört zu den häufigsten Ursachen für Krankenhausaufenthalte in Deutschland, und ein erheblicher Teil dieser Aufenthalte ist eine Dekompensation nach wiederholter Überlastung - daraus folgt eine ungewohnte Versorgungslogik: Das Hilfsmittel soll nicht das Gehen ersetzen, sondern die Spitzen kappen.

ICD-10
I50.13 / I50.14
fünfte Stelle kodiert das NYHA-Stadium
Einordnung
NYHA III
Beschwerden bei leichter Belastung - das typische Versorgungsstadium
Therapieziel
Belastungsspitzen vermeiden
Nahbereich erschließen, ohne den Kreislauf zu dekompensieren
Besonderheit
Gehfähigkeit bleibt
Restgehfähigkeit ist therapeutisch gewollt, nicht antragsschädlich
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Passende Rollstuhlversorgung

Die Auswahl richtet sich nach der Therapie-Phase. In jeder Phase gibt es Kassen-übliche Rollstuhltypen mit definierter Wirkung und Tragezeit.

PhaseRollstuhltypWirkungTragezeit
NYHA II - Nahbereich mit Pausen noch zu schaffenKein Elektromobil. Rollator aus PG 10, Sitzgelegenheit auf dem Weg, GehtrainingIn diesem Stadium ist der Nahbereich erschlossen und ein Elektromobil nicht begründbar - der Antrag würde abgelehnt und blockiert den späteren, tragfähigen Antrag durch eine dokumentierte Vorgeschichte. Sagen Sie das offen; es ist die ehrlichere Beratung.Rollator ganztägig, Belastung nach Trainingsplan
NYHA III - Dyspnoe nach wenigen Metern, Sitzen und Lenken sicherDreirädriges Elektromobil (18.51.05.0) für enge Wege, vierrädriges (18.51.05.1) für unebenen UntergrundDer Weg zu Arzt, Apotheke und Einkauf wird ohne Belastungsspitze zurückgelegt. Dreirädrig heißt kleinerer Wendekreis, aber früher erreichte Kippgrenze in Querneigung - bei Kopfsteinpflaster oder abgesenkten Bordsteinen deshalb vierrädrig wählen.Anlassbezogen für Wegstrecken, Akku täglich laden
Zusätzlich hohes Körpergewicht oder ausgeprägte ÖdemeVierrädriges Elektromobil in verstärkter Ausführung (18.51.05.2)Höhere zulässige Belastung, breiterer Sitz, mehr Drehmoment an Rampen. Rechnen Sie die Zuladung mit Reserve: Wassereinlagerung kann das Gewicht binnen Tagen um mehrere Kilogramm verändern, und das zulässige Gesamtgewicht ist eine Grenze, kein Richtwert.Ganzjährig, Rampen- und Hebebühnentragfähigkeit vorab prüfen
Kraftminderung der Arme, Schulter- oder HandgelenksbeschwerdenVierrädriges Elektromobil mit indirekter Lenkung (18.51.05.3)Reduzierte Lenkkraft und kürzerer Lenkweg. Häufig der Fall bei begleitender Arthrose oder Kachexie mit Kraftverlust - hier ist die Ausführung mit indirekter Lenkung die passende Antwort und nicht der Umschwenk auf den Elektrorollstuhl.Wie Standardausführung, Lenkerposition nach Erprobung fixieren
NYHA IV, unsicheres freies Sitzen, Sitzzeit über mehrere StundenElektrorollstuhl für Innen- und Außenbereich mit Sitzkantelung (18.50.04)Hier ist das Elektromobil die falsche Form: Es hat keine anpassbare Sitzeinheit, keine Kantelung und keine Druckverteilung, und der Aufstieg im Stand ist nicht mehr verlässlich. Die Kantelung erlaubt zusätzlich die Ruhepause im Gerät statt im Bett.Ganztägig, Kantelung mehrfach täglich für 10-20 Min.

Rollstuhlwahl bleibt ärztliche Entscheidung

Die Tabelle zeigt typische Versorgungsmuster. Die konkrete Auswahl trifft die behandelnde Ärzt:in in Abstimmung mit der Operateurin oder Physiotherapeut:in.

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Versorgungsweg — von Diagnose bis Rollstuhl

  1. 1

    Verordnung mit NYHA-Stadium statt mit I50.9

    Rezept nach Muster 16 mit Diagnose, ICD-10-Code an der fünften Stelle kodiert und Bezeichnung des Hilfsmittels. Dazu zwei Angaben, die fast immer fehlen: die verbleibende Gehstrecke in Metern bis zum Auftreten der Dyspnoe und die konkreten Zielwege im Nahbereich mit Entfernung - Hausarzt 400 m, Apotheke 250 m, Supermarkt 600 m. Ohne Meter im Rezept bleibt die Belastungsgrenze eine Behauptung.

    Zeitaufwand: 15 Min.
  2. 2

    Belastungsgrenze messen lassen, nicht beschreiben

    Belastbar sind objektivierte Werte: 6-Minuten-Gehtest mit zurückgelegter Strecke und Abbruchgrund, Ergebnis der Spiroergometrie falls vorhanden, Ejektionsfraktion, NT-proBNP-Verlauf, dokumentierte Dekompensationen der letzten zwölf Monate mit Krankenhausaufenthalten. Diese Kombination trägt einen Antrag, den eine Formulierung wie 'nur wenige Meter gehfähig' nicht trägt.

    Dauer: liegt meist beim Kardiologen bereits vor
  3. 3

    Vier Nutzervoraussetzungen prüfen und dokumentieren

    Sicheres freies Sitzen über die geplante Fahrdauer, selbstständiger Transfer im Stand oder über Drehsitz, Lenkfähigkeit mit beiden Händen, Kognition und Sehvermögen für den Verkehr. Bei Herzinsuffizienz ist der dritte und vierte Punkt der stille Risikofaktor: Zerebrale Minderperfusion und sedierende Begleitmedikation mindern Aufmerksamkeit und Reaktion. Prüfen Sie am Ende einer längeren Fahrprobe erneut, nicht nur am Anfang.

    Zeitaufwand: 45 Min.
  4. 4

    Erprobung auf den realen Wegen - und am Nachmittag

    Die tatsächlichen Alltagsstrecken abfahren: Rampe am Haus, Bordsteine, Ladeneingang, Querneigung, Steigung. Legen Sie den Termin bewusst in den Nachmittag, wenn Ödeme und Erschöpfung am stärksten sind - eine Erprobung um neun Uhr morgens zeigt einen anderen Nutzer. Dabei Abstellplatz und Ladepunkt vor Ort festlegen: trocken, frostfrei, mit erreichbarer Steckdose und ohne Blockade des Fluchtwegs.

    Zeitaufwand: 60-90 Min.
  5. 5

    Genehmigung, Auslieferung, Einweisung

    Elektromobile sind genehmigungspflichtig; rechnen Sie mit einer Prüfung durch den Medizinischen Dienst (MD), besonders wenn parallel schon eine Gehhilfe oder ein Rollstuhl versorgt ist. Im Kostenvoranschlag jedes Zubehörteil einzeln mit Funktionsbegründung führen - Drehsitz, Stockhalter, Spiegel, Beinauflage. Bei Auslieferung Geschwindigkeitsbegrenzung, Sitzhöhe und Lenkerposition einstellen, Laden, Freilauf und Notabschaltung einweisen und mit Unterschrift dokumentieren. Das Gerät ist eine Leihgabe der Kasse und geht später in den Wiedereinsatz.

    Dauer: 3-8 Wochen
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Tipps für Patient:innen

Restgehfähigkeit nicht kleinschreiben, sondern einordnen

Körperliches Training ist Teil der Herzinsuffizienztherapie - eine Versorgung, die das Gehen ersetzt, arbeitet gegen die Behandlung. Verschweigen Sie die Restgehfähigkeit im Antrag nicht, sondern ordnen Sie sie ein: dreißig Meter mit Pause und anschließender Erholungszeit sind keine Erschließung des Nahbereichs. Diese Formulierung hält der Prüfung stand, das Weglassen nicht - der MD sieht die Gehfähigkeit in den Befunden ohnehin.

Dekompensationszeichen sind kein Anpassungsproblem

Wenn bei Auslieferung oder Kontrolltermin eine Gewichtszunahme von zwei bis drei Kilogramm binnen drei Tagen, zunehmende Beinödeme, Atemnot im Liegen oder nächtliches Aufschrecken mit Luftnot berichtet werden, ist das keine Frage der Sitzhöhe. Termin abbrechen, an den behandelnden Arzt verweisen und den Hinweis dokumentieren. Diese Grenze zu kennen gehört zur Beratungskompetenz - sie zu überschreiten ist ein Haftungsrisiko.

Ödeme verändern die Maße über den Tag

Der Unterschenkelumfang schwankt bei Herzinsuffizienz tageszeitlich erheblich. Beinauflage, Trittbrettbreite und Beinfreiheit vor dem Sitz deshalb am geschwollenen Bein bemessen, nicht am morgendlichen. Eine hochgelagerte Zwangsposition der Beine ohne ärztliche Rücksprache ist keine gute Idee: Sie erhöht den venösen Rückfluss zum Herzen. Eine parallel bestehende Kompressionsversorgung läuft getrennt über PG 17 und muss unter das Gerät passen.

Diuretika bestimmen den Wegeplan

Nach der Einnahme ist der Nutzer für Stunden an eine erreichbare Toilette gebunden - Wege und Einweisung darauf abstimmen. Zweiter Punkt: Beim Absteigen droht orthostatische Dysregulation, verstärkt durch Diuretika und Betablocker. Der Transfer aus dem Gerät gehört langsam und mit Festhaltepunkt geübt, nicht im Stehen aus der Fahrt heraus.

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Häufige Fragen

Elektromobil oder Elektrorollstuhl bei Herzinsuffizienz?

In der Regel das Elektromobil - und das ist bei kaum einer anderen Indikation so klar. Herzinsuffizienz schränkt die Belastbarkeit ein, nicht die Motorik: Rumpfkontrolle, Armkraft, Transfer und Steuerung bleiben erhalten, also sind alle vier Voraussetzungen des Elektromobils erfüllt. Zum Elektrorollstuhl wechselt man, wenn eines davon wegfällt oder wenn der Nutzer täglich mehrere Stunden im Gerät sitzt: Dann braucht er eine anpassbare Sitzeinheit mit Kantelung und ein Sitzkissen zur Druckverteilung, und beides hat ein Elektromobil nicht. Auch regelmäßige Nutzung des öffentlichen Verkehrs kann für den Elektrorollstuhl sprechen, weil viele Verkehrsbetriebe Elektromobile von der Beförderung ausschließen.

Der Kunde kann noch gehen - lehnt die Kasse dann nicht ab?

Eine erhaltene Restgehfähigkeit ist für sich genommen kein Ablehnungsgrund. Maßgeblich ist das Grundbedürfnis, den Nahbereich der Wohnung zu erschließen - also die Wege zu Arzt, Apotheke und Einkauf. Entscheidend ist, ob diese Wege ohne gesundheitliche Gefährdung und ohne unzumutbare Beschwerden zurückgelegt werden können, nicht ob überhaupt Schritte möglich sind. Der Antrag muss diese Rechnung aufmachen: Gehstrecke bis zur Dyspnoe in Metern, Entfernung der Zielwege in Metern, notwendige Pausen und Erholungszeit. Was dagegen keinen Anspruch begründet, ist der Wunsch nach einem größeren Radius für Freizeit und Ausflüge.

Welche Angaben braucht die Kasse zur Belastungsgrenze?

Vier Dinge, und alle vier lassen sich belegen: das NYHA-Stadium, korrekt an der fünften Stelle des ICD-Codes kodiert; die Gehstrecke in Metern bis zum Auftreten der Belastungsdyspnoe, idealerweise aus einem 6-Minuten-Gehtest mit Abbruchgrund; die Zielwege des Nahbereichs mit Entfernungsangabe; sowie die Dekompensationen der letzten zwölf Monate mit Krankenhausaufenthalten. Der letzte Punkt wird am häufigsten vergessen und wirkt am stärksten, weil er zeigt, was passiert, wenn die Belastungsgrenze überschritten wird.

Braucht der Nutzer Führerschein, Kennzeichen oder Versicherung?

Bis 6 km/h nein: Diese Geräte sind fahrerlaubnisfrei, brauchen kein Versicherungskennzeichen und werden verkehrsrechtlich wie Fußgänger behandelt, also auf dem Gehweg geführt. Über 6 km/h wird ein Versicherungskennzeichen fällig; für eine Kassenversorgung ist die 6-km/h-Variante der Regelfall, weil der Leistungsanspruch die Erschließung des Nahbereichs abdeckt und nicht das schnellere Vorankommen. Eine private Haftpflicht mit Einschluss von Krankenfahrstühlen ist dringend zu empfehlen, aber nicht Pflicht - Standardverträge enthalten diesen Einschluss nicht automatisch. Voraussetzung bleibt immer die Steuerungsfähigkeit; bei Sehstörungen oder Aufmerksamkeitsdefiziten verlangt die Kasse häufig eine dokumentierte Fahrprobe.

Wem gehört das Gerät und was zahlt der Versicherte?

Das Elektromobil bleibt in der Regel Eigentum der Krankenkasse und wird leihweise überlassen; nach Ende der Versorgung geht es in den Wiedereinsatz und wird aufgearbeitet. Der Versicherte trägt die gesetzliche Zuzahlung von 10 % (mind. 5, max. 10 €) je Hilfsmittel nach § 33 SGB V; unter 18 Jahren entfällt sie. Wartung, Instandsetzung und die vertraglich geregelten Prüfungen laufen über den Leistungserbringer und sind für den Versicherten kostenfrei. Aufzahlungen sind nur für echte Mehrausstattung über das Maß des Notwendigen hinaus zulässig - und dann schriftlich, mit Aufklärung über die zuzahlungsfreie Alternative.

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