Produktart-Guide · Orthesen

Knieorthesen im Sanitätshaus — Ratgeber & Übersicht

Überblick über Typen, Indikationen, den Versorgungsweg und die Abrechnung von Knieorthesen im deutschen Hilfsmittelmarkt — strukturiert für Patienten und Fachpersonal im Sanitätshaus.

Produktgruppe: PG 23 · Orthesen/Schienen Lesezeit: ca. 9 Minuten Stand: Mai 2026 Zielgruppe: Fachpersonal & Patient:innen
Kurzantwort

Eine Knieorthese ist ein äußerlich getragenes Hilfsmittel, das das Kniegelenk stabilisiert, entlastet oder führt — je nach Bauart rein passiv (Bandage/Soft-Orthese) bis aktiv beweglich mit Gelenk und einstellbarem Bewegungsradius (rigide Orthese).

Verordnet wird sie per Muster-16-Rezept unter einer 7-stelligen HMV-Nummer der Produktgruppe 23.04. Die Versorgung erfolgt im Sanitätshaus nach individueller Anmessung; die Krankenkasse übernimmt die Kosten abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung (5 – 10 €).

Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis, PG 23 · § 139 SGB V · Stand 04/2026
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Typen von Knieorthesen im Überblick

Knieorthesen werden nach ihrer Wirkungsweise unterschieden. Entscheidend für die Auswahl sind Indikation, Heilungsphase und das gewünschte Aktivitätsniveau.

TypWirkungTypische IndikationHMV-Untergruppe
Weichorthese / Bandage
Elastischer Gestrick-Schaft
Kompression & propriozeptive Stimulation; leichte Führung ohne Bewegungseinschränkung.Reizzustände, leichte Arthrose, postoperative Nachsorge23.04.01
Führungsorthese
Seitliche Schienen + Klettverschlüsse
Medio-lateral führend, begrenzt Rotation; erlaubt vollen Bewegungsradius.Leichte Bandinstabilität, Knorpelschäden23.04.02
Stabilisierende Orthese
Rigider Rahmen, polyzentrisches Gelenk
Volle Kontrolle von Flexion/Extension, Rotation begrenzt; ROM einstellbar.Kreuzbandruptur, MCL/LCL-Läsionen, postoperativ23.04.03
Entlastungsorthese
3-Punkt-Prinzip mit Valgus/Varus-Hebel
Gezielte Entlastung des medialen oder lateralen Gelenkspalts.Unikompartimentelle Gonarthrose23.04.04
Immobilisationsorthese
Starre Schiene (0° / 20°)
Vollständige Ruhigstellung in fixer Position.Direkt postoperativ, Patellafraktur23.04.05

Auszug. Vollständige Einordnung inkl. Herstellerartikel im GKV-Hilfsmittelverzeichnis.

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Aufbau und Wirkprinzip — Knieorthese

Knieorthesen: Mehrere funktionale Elemente erzeugen zusammen Führung und Schutz.

Oberschaft & Unterschaft

Aus thermoplastischem Kunststoff oder Carbon, körpernah angeformt. Verteilt den Halt auf eine große Fläche.

Polyzentrisches Gelenk

Bildet die natürliche Roll-Gleit-Bewegung des Knies nach. Über Anschläge in 10°-Schritten einstellbar.

ROM-Begrenzer (Range of Motion)

Mechanische Stifte limitieren Flexion und Extension — z. B. 0° / 30° / 90° postoperativ.

Gurt- und Polstersystem

Vier bis sechs Gurte mit Antirutsch-Beschichtung fixieren die Orthese ohne zu schnüren; Polster aus hautverträglichem Schaum.

Ziel: Stabilisierung ohne Muskelabbau

Eine korrekt angepasste Orthese verteilt Kräfte über Muskulatur und Knochen — nicht über Weichteile. Drückt die Schiene punktuell, muss die Anpassung korrigiert werden.

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Häufige Indikationen

Die folgenden Diagnosen führen in der Praxis am häufigsten zu einer Verordnung. Die Auswahl des Orthesentyps hängt von Schweregrad, Heilungsphase und Aktivitätsniveau ab.

  • Vordere KreuzbandrupturKonservativ oder postoperativ · stabilisierende Orthese
  • Hintere KreuzbandrupturPTS-Orthese mit Tibiastütze
  • Mediale GonarthroseValgisierende Entlastungsorthese
  • Laterale GonarthroseVarisierende Entlastungsorthese
  • MeniskusläsionFührungsorthese, ggf. ROM-limitiert
  • Patella-InstabilitätPatella-führende Orthese mit Pelotte
  • Postoperativ (TEP, ACT, HTO)Immobilisations- oder ROM-Orthese
  • Kollateralband-LäsionMedio-lateral stabilisierende Orthese
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Versorgungsweg — von Rezept bis Anpassung

Der typische Weg vom ärztlichen Befund bis zur fertig angepassten Knieorthese dauert in Deutschland zwischen 3 und 14 Tagen.

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    Diagnose und Verordnung

    Orthopäd:in oder Unfallchirurg:in stellt die Indikation und verordnet die Knieorthese per Muster-16-Rezept mit 7-stelliger HMV-Nummer, Diagnose (ICD-10) und optional individuellen Maßangaben.

    Dauer: 1 Arztbesuch
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    Kostenvoranschlag & Genehmigung

    Das Sanitätshaus prüft die Verordnung, erstellt einen Kostenvoranschlag und reicht ihn bei der zuständigen Krankenkasse ein. Bei genehmigungspflichtigen Orthesen genehmigt die Kasse binnen 3 Wochen (§ 13 Abs. 3a SGB V).

    Dauer: 1 – 21 Tage
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    Anmessung im Sanitätshaus

    Eine Orthopädietechniker:in misst Ober- und Unterschenkelumfang an festgelegten Messpunkten, prüft Beinachse, Bewegungsradius und bestellt oder konfektioniert die passende Orthese.

    Dauer: 30 – 45 Minuten
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    Anprobe & Einweisung

    Finale Anpassung von Schienenlänge und ROM-Einstellung, Kontrolle der Druckpunkte im Sitzen, Stehen und Gehen. Patient:in erhält eine schriftliche Einweisung in Anlegen, Reinigung und Kontraindikationen.

    Dauer: 20 – 30 Minuten
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    Abgabe & Abrechnung

    Abgabe gegen Unterschrift auf Empfangsbestätigung. Das Sanitätshaus rechnet die Leistung direkt mit der Krankenkasse ab; Patient:in zahlt die gesetzliche Zuzahlung (5 – 10 €, max. 10 % des Preises).

    Direktabrechnung über ONE.assist
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    Kontrolltermin

    Ein Nachsorge-Termin nach 2 – 4 Wochen prüft Passform und Tragekomfort. Bei Reizstellen, Druckschmerz oder veränderter Beinmuskulatur wird nachjustiert.

    Optional, aber empfohlen
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Abrechnung und Kosten

Grundlage jeder Abrechnung ist der Vertrag zwischen Leistungserbringer und Krankenkasse. Die folgenden Werte sind Orientierungswerte — verbindliche Preise ergeben sich aus den Kassenverträgen.

OrthesentypHMV-Nr. (Beispiel)Richtwert GKVZuzahlungGenehmigungspflicht
Weichorthese / Bandage23.04.01.000145 – 85 €5 – 10 €Nein
Führungsorthese23.04.02.1104180 – 320 €10 €Teilweise
Stabilisierende Rahmenorthese23.04.03.2210420 – 780 €10 €Ja
Entlastungsorthese (Valgus/Varus)23.04.04.3015650 – 1.250 €10 €Ja
Immobilisationsorthese23.04.05.010895 – 180 €5 – 10 €Nein

Hinweis zur Zuzahlungsbefreiung

Versicherte unter 18 Jahren, chronisch Kranke mit Befreiungsbescheid sowie Personen mit überschrittener Belastungsgrenze sind von der Zuzahlung befreit. Den Nachweis erbringt die Krankenkasse.

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Häufige Fragen

Wie lange trägt man eine Knieorthese am Tag?

Die Tragezeit richtet sich streng nach der ärztlichen Verordnung. Übliche Rahmenbedingungen:

  • Postoperativ: 23 Stunden / Tag, nur zur Körperpflege ablegen.
  • Konservative Therapie: während aller Belastungsphasen und beim Sport.
  • Entlastungsorthese bei Arthrose: stufenweise steigern, Ziel 6 – 8 Stunden täglich.

Beim erstmaligen Tragen langsam beginnen (1 – 2 Stunden) und die Haut auf Druckstellen kontrollieren.

Kann ich die Knieorthese im Alltag unter der Hose tragen?

Ja. Stabilisierende Rahmenorthesen tragen ca. 1,5 – 2 cm auf. Weite Hosen oder spezielle Orthesen-Hosen (z. B. mit Reißverschluss-Zwickel) erleichtern das Anziehen. Bei enger Kleidung empfehlen wir Weichorthesen oder Bandagen.

Wie reinige ich die Knieorthese?

Polster und Textilüberzüge lassen sich bei den meisten Herstellern per Klett lösen und bei 30 °C im Wäschenetz waschen. Die Kunststoff- oder Carbon-Teile werden mit lauwarmem Wasser und milder Seife gereinigt. Keine Weichspüler, keine Bleiche, nicht in den Trockner.

Übernimmt die Krankenkasse die gesamten Kosten?

Bei einer medizinisch notwendigen Verordnung trägt die GKV die Kosten bis zum Vertragspreis. Patient:innen ab 18 Jahren leisten die gesetzliche Zuzahlung von 5 – 10 € (max. 10 % des Preises). Mehrkosten für darüber hinausgehende Zusatzausstattungen (z. B. spezielle Carbon-Varianten) können entstehen — diese müssen schriftlich vereinbart werden.

Welche HMV-Nummer ist die richtige für meine Orthese?

Die HMV-Nummer ist 7- bis 10-stellig und steht auf der Verordnung. Die ersten zwei Stellen (23) bezeichnen die Produktgruppe Orthesen. Die genaue Nummer hängt von Bauart, Indikation und Hersteller ab — Sanitätshäuser ermitteln sie über das GKV-Hilfsmittelverzeichnis oder eine Artikeldatenbank wie ONE.assist.

Was tun bei Druckstellen oder Schmerzen unter der Orthese?

Druckstellen sind ein Zeichen für eine nicht passende Anpassung. Tragen Sie die Orthese zunächst nicht weiter und vereinbaren Sie einen kurzfristigen Termin im Sanitätshaus. Oft genügt eine Nachpolsterung oder eine minimale Korrektur des Gelenk-Winkels.

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