Beim venösen Ulcus cruris ist Kompression die Basistherapie. In der Entstauungsphase werden Mehrkomponentenverbände (zwei oder mehr Lagen) eingesetzt. Nach Ödemreduktion folgt ein zweiteiliges Ulcus-Strumpfsystem: Unterziehstrumpf für die Nacht plus Kompressionsstrumpf CCL 3 für den Tag.
Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 17Die Diagnose — kurz erklärt
Das Ulcus cruris venosum (offenes Bein) ist eine chronische Wunde am Unterschenkel, die durch fortgeschrittene venöse Insuffizienz entsteht. Es ist die schwerste Komplikation der CVI und betrifft vor allem die Innenknöchelregion. Ohne adäquate Kompression heilen venöse Ulzerationen nicht. Die Kompressionstherapie verbessert den venösen Rückfluss, reduziert das Ödem und schafft die Voraussetzung für die Wundheilung.
Passende Kompressionsversorgung
Die Auswahl richtet sich nach der Therapie-Phase. In jeder Phase gibt es Kassen-übliche Versorgungstypen mit definierter Wirkung und Tragezeit.
| Phase | Versorgungstyp | Wirkung | Tragezeit |
|---|---|---|---|
| Entstauung | Mehrkomponentenverband (2–4 Lagen) | Rasche Ödemreduktion, hoher Arbeitsdruck bei Bewegung, stabiler Ruhedruck. Wundauflage unter dem Verband. | Kontinuierlich, Wechsel alle 2–3 Tage |
| Wundheilung | Ulcus-Strumpfsystem (zweiteilig) | Unterziehstrumpf fixiert die Wundauflage und kann nachts getragen werden. Überstrumpf CCL 3 liefert therapeutische Kompression tagsüber. | Unterstrumpf: 24 h, Überstrumpf: tagsüber |
| Rezidivprophylaxe | Rundstrick CCL 2–3 AG | Dauerhafte Kompression nach Abheilung, um erneute Ulzeration zu verhindern. Lebenslang erforderlich. | Ganztags, täglich, dauerhaft |
Versorgungswahl bleibt ärztliche Entscheidung
Die Tabelle zeigt typische Versorgungsmuster. Die konkrete Auswahl trifft die behandelnde Ärzt:in in Abstimmung mit der Operateurin oder Physiotherapeut:in.
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Versorgungsweg — von Diagnose bis Kompressionsversorgung
- 1
Ärztliche Diagnose
Phlebologe sichert die venöse Ursache per Duplexsonographie und schließt eine arterielle Beteiligung aus (ABI-Messung).
Entscheidend vor Kompression - 2
Entstauung starten
Mehrkomponentenverband anlegen, Wundversorgung einleiten. Bei ambulanter Versorgung: häusliche Pflege oder Wundambulanz.
Verbandswechsel alle 2–3 Tage - 3
Umstellung auf Ulcus-System
Nach Ödemreduktion: Maßnehmen für Ulcus-Strumpfsystem im Sanitätshaus. Unterstrumpf und Überstrumpf anpassen.
Nach 1–4 Wochen Entstauung - 4
Wundheilung begleiten
Regelmäßige Wundkontrolle und Verbandswechsel unter dem Ulcus-System. Kompression konsequent fortführen.
Bis Abheilung (8–26 Wochen) - 5
Rezidivprophylaxe
Nach Abheilung: Umstellung auf medizinische Kompressionsstrümpfe CCL 2–3. Lebenslange Kompression, regelmäßige Kontrolle.
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Tipps für Patient:innen
Kompression niemals weglassen
Ohne Kompression heilt ein venöses Ulcus nicht. Selbst bei guter Wundversorgung ist die Kompression die entscheidende Therapie.
ABI vor Kompression
Vor Beginn einer Kompressionstherapie muss eine arterielle Durchblutungsstörung (pAVK) ausgeschlossen werden. Bei einem ABI unter 0,8 ist Kompression kontraindiziert.
Wundversorgung unter Kompression
Feuchte Wundversorgung unter dem Verband oder Unterziehstrumpf. Moderne Wundauflagen ermöglichen Verbandswechsel ohne Entfernen der Kompression.
Rezidivrate senken
Ohne dauerhafte Kompression nach Abheilung beträgt die Rezidivrate bis zu 70 %. Lebenslange Kompression senkt sie auf unter 30 %.
Häufige Fragen
Was ist ein Mehrkomponentenverband?
Ein Mehrkomponentenverband besteht aus 2–4 Lagen verschiedener Materialien (Polsterung, Kurzzugbinde, kohäsive Binde). Er erzeugt einen hohen Arbeitsdruck bei Bewegung und einen niedrigen Ruhedruck im Liegen, was die Verträglichkeit verbessert.
Wie funktioniert ein Ulcus-Strumpfsystem?
Es besteht aus zwei Teilen: Ein dünner Unterziehstrumpf fixiert die Wundauflage und kann auch nachts getragen werden. Darüber wird tagsüber ein Kompressionsstrumpf CCL 3 gezogen, der den therapeutischen Druck liefert.
Wie lange dauert die Heilung eines Ulcus cruris?
Mit konsequenter Kompressionstherapie heilen die meisten venösen Ulzerationen innerhalb von 8–26 Wochen. Ohne Kompression können sie monate- oder jahrelang offen bleiben.
Bezahlt die Krankenkasse die Ulcus-Versorgung?
Ja, Mehrkomponentenverbände, Ulcus-Strumpfsysteme und die anschließende Kompressionsversorgung werden bei ärztlicher Verordnung von der GKV übernommen. Zuzahlung nach gesetzlicher Regelung.
Muss ich nach Abheilung weiter Kompression tragen?
Ja, lebenslang. Ohne dauerhafte Kompression beträgt die Rezidivrate bis zu 70 %. Die Kompression verhindert, dass sich erneut ein Ulcus bildet.