Kompressionsverbände sind die erste Stufe der Kompressionstherapie und kommen vor allem in der Entstauungsphase (KPE Phase I) bei Lymphödem, bei akutem Ulcus cruris und in der Thrombose-Akuttherapie zum Einsatz. Sie werden über PG 17 verordnet und im Sanitätshaus oder durch geschultes Fachpersonal angelegt.
Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 17Typen von Kompressionsverbände im Überblick
Kompressionsverbände werden nach ihrer Wirkungsweise unterschieden. Entscheidend für die Auswahl sind Indikation, Heilungsphase und das gewünschte Aktivitätsniveau.
| Typ | Wirkung | Typische Indikation | HMV-Untergruppe |
|---|---|---|---|
| Kurzzugbinde Wenig dehnbare, textilelastische Kompressionsbinde (Dehnbarkeit < 70 %) für den phlebologischen und lymphologischen Kompressionsverband. | Hoher Arbeitsdruck bei Bewegung, niedriger Ruhedruck — optimal für die Entstauungstherapie, auch nachts tragbar | Lymphödem-Entstauung (KPE Phase I), Ulcus cruris venosum, akute TVT | 17.01.01 |
| Polster- und Unterwickelmaterial Schaumstoffpolster, Wattebinden und Schlauchverbände als Unterlage unter dem Kompressionsverband. | Schutz von Knochenvorsprüngen, gleichmäßige Druckverteilung, Hautschutz unter dem Verband | Als Bestandteil jedes Kompressionsverbands, obligatorisch bei Kurzzug- und Langzugverbänden | 17.01.01 |
| Mehrkomponentensystem (z. B. Profore) Fertig konfektioniertes System aus 3–4 Lagen (Polster, Kurzzug, Langzug, kohäsive Fixierbinde) für einen standardisierten Kompressionsverband. | Reproduzierbar gleichmäßiger Druck (ca. 40 mmHg) ohne Wickeltechnik-Erfahrung, reduziert Anlegefehler | Ulcus cruris venosum, initiale Entstauung, ambulante Pflege ohne Bandagierung-Expertise | 17.01.02 |
| Zinkleimverband Starrer, nicht dehnbarer Verband aus zinkoxidhaltigen Binden, der nach dem Anlegen aushärtet. | Maximaler Arbeitsdruck durch starre Hülle — erzeugt bei Muskelkontraktion sehr hohe Druckspitzen und fördert die Entstauung | Schwere venöse Ulzera, therapieresistente Ödeme, als Wechselverband über 1–2 Wochen | 17.01.03 |
| Adaptiver Kompressionsverband (Velcro/Wrap) Verstellbarer Kompressionsverband mit Klettverschlüssen, den Patient:innen selbst anlegen und nachjustieren können. | Selbständiges Nachspannen bei Ödemreduktion, konstanter Kompressionsdruck ohne tägliches Neuwickeln | Übergang von Bandagierung zu Strumpf, mobilitätseingeschränkte Patient:innen, Selbstmanagement bei chronischem Ödem | 17.01.04 |
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Aufbau und Wirkprinzip — Kompressionsverband
Kompressionsverbände: Mehrere funktionale Elemente erzeugen zusammen Kompression und Entstauung.
Mehrlagiger Verbandaufbau
Ein fachgerechter Kompressionsverband besteht aus mehreren Schichten: Hautschutz (Schlauchverband), Polsterung (Watte/Schaumstoff), Kompressionsbinden (Kurzzug) und Fixierung — jede Schicht erfüllt eine spezifische Funktion.
Druckverlauf und Wickeltechnik
Der Verband wird mit definiertem Zug und 50 % Überlappung von distal nach proximal gewickelt. Der Druck nimmt von der Ferse aufwärts ab — dies erfordert Übung und Schulung.
Polsterung und Pelotten
Schaumstoff-Pelotten (z. B. Komprex) werden gezielt in Hohlräume (hinter dem Knöchel, Schienbein) eingelegt, um den Druck gleichmäßig zu verteilen und die Entstauung schwer zugänglicher Bereiche zu verbessern.
Selbstmanagement mit Velcro-Wraps
Adaptive Verbände mit Klettverschlüssen ermöglichen es Patient:innen, den Verband selbständig anzulegen und bei Ödemreduktion nachzuspannen — ein wichtiger Schritt zu mehr Unabhängigkeit in der Kompressionstherapie.
Ziel: Kompression und venöser Rückfluss
Häufige Indikationen
Die folgenden Diagnosen führen in der Praxis am häufigsten zu einer Verordnung. Die Auswahl des Versorgungstyps hängt von Schweregrad, Heilungsphase und Aktivitätsniveau ab.
-
Lymphödem-Entstauung (KPE Phase I)Intensive Entstauungsphase mit täglicher Lymphdrainage und Kompressionsbandagierung über 2–4 Wochen — Standardtherapie vor der Flachstrick-Versorgung.
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Ulcus cruris venosumOffenes Beingeschwür durch chronisch-venöse Insuffizienz — Kompressionsverbände sind die Basistherapie für die Wundheilung.
-
Akute tiefe BeinvenenthromboseKompressionsverband in der Akutphase zur Schwellungsreduktion und Schmerzlinderung, bevor ein Kompressionsstrumpf angepasst wird.
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Postoperative KompressionNach Venen-OP (Stripping, Laser, Radiofrequenz) oder Liposuktion als initiale Kompressionsversorgung in den ersten Tagen.
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Mischödem (phlebolymphatisch)Kombinierte venöse und lymphatische Insuffizienz mit ausgeprägter Schwellung — Bandagierung als initiale Entstauung vor der definitiven Strumpfversorgung.
Versorgungsweg — von Rezept bis Anpassung
Der typische Weg vom ärztlichen Befund bis zur fertig angepassten Kompressionsverband dauert in Deutschland zwischen 3 und 14 Tagen.
- 1
Ärztliche Diagnose
Phlebologe, Lymphologe oder Hausarzt stellt die Indikation für die Kompressionsverband-Therapie fest.
1 Termin - 2
Rezept ausstellen
Verordnung per Muster-16-Rezept: Art des Verbandmaterials, Menge, ggf. Mehrkomponentensystem namentlich. Bei Velcro-Wraps: spezifische HMV-Nummer.
HMV-Nummer angeben - 3
Sanitätshaus / Fachpersonal
Ausgabe des Verbandmaterials und Einweisung in die Wickeltechnik. Bei Mehrkomponentensystemen: Schulung für Pflegekräfte oder Patient:innen.
15 – 30 Minuten - 4
Anlage durch geschultes Personal
Kurzzugverbände werden durch Lymphtherapeut:innen, geschulte Pflegekräfte oder im Sanitätshaus angelegt. Täglicher Verbandwechsel in der Entstauungsphase.
Täglich in KPE Phase I - 5
Übergang zur Strumpfversorgung
Nach erfolgreicher Entstauung wird auf Kompressionsstrümpfe (Rund- oder Flachstrick) umgestellt. Der Verband dient als Brücke zur dauerhaften Kompression.
Nach 2 – 4 Wochen
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Abrechnung und Kosten
Grundlage jeder Abrechnung ist der Vertrag zwischen Leistungserbringer und Krankenkasse. Die folgenden Werte sind Orientierungswerte — verbindliche Preise ergeben sich aus den Kassenverträgen.
| Versorgungstyp | HMV-Nr. (Beispiel) | Richtwert GKV | Zuzahlung | Genehmigungspflicht |
|---|---|---|---|---|
| Kurzzugbinden-Set (Unterschenkelverband) | 17.01.01.0 | 30 – 60 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) | Nein (Regelversorgung) |
| Mehrkomponentensystem (z. B. Profore) | 17.01.02.0 | 25 – 45 € pro Set | 10 % (mind. 5, max. 10 €) | Nein (Regelversorgung) |
| Zinkleimverband (Set) | 17.01.03.0 | 15 – 30 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) | Nein (Regelversorgung) |
| Adaptiver Kompressionsverband (Velcro-Wrap) | 17.01.04.0 | 120 – 250 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) | Einzelfallprüfung möglich |
Hinweis zur Zuzahlungsbefreiung
Versicherte unter 18 Jahren, chronisch Kranke mit Befreiungsbescheid sowie Personen mit überschrittener Belastungsgrenze sind von der Zuzahlung befreit. Den Nachweis erbringt die Krankenkasse.
Häufige Fragen
Kann ich einen Kompressionsverband selbst anlegen?
Kurzzugverbände erfordern Übung und Schulung — in der Entstauungsphase werden sie meist von Lymphtherapeut:innen angelegt. Mehrkomponentensysteme und Velcro-Wraps sind für die Selbstanwendung konzipiert und einfacher handhabbar.
Wie lange trage ich Kompressionsverbände?
In der Regel 2–4 Wochen während der Entstauungsphase (KPE Phase I). Danach wird auf Kompressionsstrümpfe umgestellt. Bei Ulcus cruris kann die Verbandtherapie bis zur Abheilung des Geschwürs dauern.
Was ist der Unterschied zwischen Kurzzug- und Langzugbinde?
Kurzzugbinden (< 70 % Dehnbarkeit) erzeugen hohen Arbeitsdruck und niedrigen Ruhedruck — ideal für die Kompressionstherapie. Langzugbinden (> 140 % Dehnbarkeit) erzeugen hohen Ruhedruck und werden in Mehrkomponentensystemen als äußere Lage verwendet.
Was ist ein Velcro-Wrap?
Ein adaptiver Kompressionsverband mit Klettverschlüssen, der sich einfach anlegen und bei Ödemreduktion nachjustieren lässt. Ideal als Übergang zwischen Bandagierung und Strumpfversorgung oder für Patient:innen mit eingeschränkter Mobilität.
Übernimmt die Kasse Kompressionsverbände?
Ja, alle Typen (Kurzzugbinden, Mehrkomponentensysteme, Zinkleimverbände) sind Kassenleistung bei medizinischer Indikation. Velcro-Wraps können eine Einzelfallprüfung erfordern, werden aber bei dokumentierter Indikation in der Regel genehmigt.