In der Schwangerschaft werden Kompressionsstrumpfhosen (AT) mit speziellem Leibteil eingesetzt. Bei prophylaktischer Versorgung genügt CCL 1, bei bestehenden Varizen wird CCL 2 verordnet. Das flexible Leibteil wächst mit dem Bauchumfang mit und übt keinen Druck auf den Bauch aus.
Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 17Die Diagnose — kurz erklärt
Während der Schwangerschaft steigt das Thrombose- und Varizenrisiko erheblich: Hormonelle Veränderungen (Progesteron) weiten die Venenwände, das wachsende Uterusgewicht komprimiert die Beckenvenen und das erhöhte Blutvolumen belastet das Venensystem. Bis zu 30 % aller Schwangeren entwickeln Krampfadern. Kompressionsstrümpfe verbessern den venösen Rückfluss, lindern schwere Beine und beugen Thrombosen und Varizen vor.
Passende Kompressionsversorgung
Die Auswahl richtet sich nach der Therapie-Phase. In jeder Phase gibt es Kassen-übliche Versorgungstypen mit definierter Wirkung und Tragezeit.
| Phase | Versorgungstyp | Wirkung | Tragezeit |
|---|---|---|---|
| Prophylaxe (ohne Varizen) | AT Schwangerschaft CCL 1 | Vorbeugung gegen schwere Beine, Ödeme und Krampfaderbildung. Leichter Kompressionsgrad für gute Verträglichkeit. | Ganztags ab dem 1. Trimester |
| Varikose in der Schwangerschaft | AT Schwangerschaft CCL 2 | Therapeutische Kompression bei bestehenden Krampfadern. Verhindert Progression und lindert Beschwerden. | Ganztags, täglich, bis zur Entbindung |
| Postpartum | CCL 2 AD oder AG (ohne Leibteil) | Kompression nach der Geburt zur Rückbildungsunterstützung und Thromboseprophylaxe im Wochenbett. | 6–8 Wochen postpartum |
Versorgungswahl bleibt ärztliche Entscheidung
Die Tabelle zeigt typische Versorgungsmuster. Die konkrete Auswahl trifft die behandelnde Ärzt:in in Abstimmung mit der Operateurin oder Physiotherapeut:in.
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Versorgungsweg — von Diagnose bis Kompressionsversorgung
- 1
Ärztliche Verordnung
Gynäkologe oder Phlebologe verordnet Kompression bei Varizenrisiko oder bestehenden Krampfadern in der Schwangerschaft.
Im Rahmen der Vorsorge - 2
Rezept ausstellen
Verordnung per Muster-16-Rezept mit ICD-10 O22.0. Angabe: Kompressionsstrumpfhose mit Schwangerschaftsleibteil.
HMV-Nummer angeben - 3
Sanitätshaus aufsuchen
Maßnehmen am Bein (morgens). Beratung zum Schwangerschaftsleibteil und zur Strumpfwahl. Ggf. im Verlauf Neuanpassung.
30 – 45 Minuten - 4
Versorgung & Anpassung
Strumpfhose wird angepasst. Das Leibteil wächst elastisch mit. Bei starker Umfangzunahme ggf. Neuversorgung im 3. Trimester.
3 – 10 Werktage - 5
Nachkontrolle
Passformkontrolle im Verlauf der Schwangerschaft. Nach der Geburt: Entscheidung über Weiterversorgung mit dem Arzt.
2–3 Kontrollen
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Tipps für Patient:innen
Früh beginnen — nicht erst bei Beschwerden
Am besten bereits im 1. Trimester mit der Kompression beginnen. Einmal entstandene Krampfadern bilden sich nach der Schwangerschaft oft nicht vollständig zurück.
Kein Druck auf den Bauch
Das Schwangerschaftsleibteil ist so konstruiert, dass es den Bauch stützt, aber nicht komprimiert. Normale Strumpfhosen ohne Schwangerschaftsleibteil sind nicht geeignet.
Nach der Geburt weitertragen
In den ersten 6–8 Wochen nach der Entbindung bleibt das Thromboserisiko erhöht. Kompression im Wochenbett ist empfohlen.
Beine hochlegen
Regelmäßig die Beine hochlegen und Fußgymnastik machen. Langes Stehen und Sitzen vermeiden, besonders im 3. Trimester.
Häufige Fragen
Ab wann sollte ich in der Schwangerschaft Kompression tragen?
Idealerweise ab dem 1. Trimester, insbesondere bei familiärer Vorbelastung, Übergewicht oder beruflich langem Stehen. Je früher die Kompression beginnt, desto besser die Prävention.
Strumpfhose oder Kniestrumpf in der Schwangerschaft?
Die Leitlinien empfehlen eine Kompressionsstrumpfhose (AT) mit Schwangerschaftsleibteil, da sie das gesamte Bein und den Beckenbereich versorgt. Kniestrümpfe (AD) sind eine Alternative bei leichten Beschwerden nur am Unterschenkel.
Bezahlt die Krankenkasse Kompression in der Schwangerschaft?
Ja, bei ärztlicher Verordnung übernimmt die GKV die Kosten. Die gesetzliche Zuzahlung beträgt 10 %, mindestens 5 Euro und maximal 10 Euro.
Muss ich nach der Entbindung weiter Kompression tragen?
Ja, mindestens 6–8 Wochen im Wochenbett, da das Thromboserisiko noch erhöht ist. Danach entscheidet der Arzt, ob eine Weiterversorgung nötig ist.
Kann die Kompression dem Baby schaden?
Nein, Kompressionsstrumpfhosen mit Schwangerschaftsleibteil sind sicher. Das Leibteil übt keinen Druck auf den Bauch aus und beeinträchtigt weder die Durchblutung der Gebärmutter noch das Baby.