Bei chronisch-venöser Insuffizienz (CVI) richtet sich die Kompressionsversorgung nach dem CEAP-Stadium. In frühen Stadien (C1–C2) genügen Rundstrickstrümpfe der CCL 1–2, ab Stadium C3 wird CCL 2–3 eingesetzt. Bei offenen Ulzerationen (C5–C6) kommt ein Ulcus-Strumpfsystem zum Einsatz.
Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 17Die Diagnose — kurz erklärt
Die chronisch-venöse Insuffizienz (CVI) ist eine fortschreitende Erkrankung des Venensystems der Beine. Durch defekte Venenklappen fließt das Blut zurück und staut sich in den Beinen. Die CEAP-Klassifikation teilt die Erkrankung in Stadien von C0 (keine sichtbaren Zeichen) bis C6 (aktives Ulcus cruris) ein. Typische Symptome sind Schwellungen, Hautveränderungen, Juckreiz und in fortgeschrittenen Stadien offene Wunden am Unterschenkel.
Passende Kompressionsversorgung
Die Auswahl richtet sich nach der Therapie-Phase. In jeder Phase gibt es Kassen-übliche Versorgungstypen mit definierter Wirkung und Tragezeit.
| Phase | Versorgungstyp | Wirkung | Tragezeit |
|---|---|---|---|
| CVI C1–C2 | Rundstrick CCL 1–2 AD oder AG | Gegendruck auf oberflächliche Venen, Reduktion von Besenreisern, Schwellung und Schweregefühl. | Ganztags, täglich |
| CVI C3–C4 | Rundstrick CCL 2–3 AG | Effektive Ödemkontrolle und Verlangsamung der trophischen Hautveränderungen (Stauungsdermatitis, Pigmentierung). | Ganztags, konsequent täglich |
| CVI C5–C6 | CCL 3 AG + Ulcus-Strumpfsystem | Maximale Kompression zur Wundheilung und Rezidivprophylaxe bei abgeheiltem oder aktivem Ulcus cruris. | Ganztags, ggf. auch nachts bei aktivem Ulcus |
Versorgungswahl bleibt ärztliche Entscheidung
Die Tabelle zeigt typische Versorgungsmuster. Die konkrete Auswahl trifft die behandelnde Ärzt:in in Abstimmung mit der Operateurin oder Physiotherapeut:in.
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Versorgungsweg — von Diagnose bis Kompressionsversorgung
- 1
Ärztliche Diagnose
Phlebologe stuft die CVI per Duplexsonographie nach CEAP-Klassifikation ein und bestimmt das Versorgungsziel.
1 Termin - 2
Rezept ausstellen
Verordnung per Muster-16-Rezept mit ICD-10 I87.2, Angabe der Kompressionsklasse und Strumpflänge.
HMV-Nummer angeben - 3
Sanitätshaus aufsuchen
Maßnehmen am entstautem Bein (morgens), Beratung zu Material und Strumpftyp je nach CEAP-Stadium.
30 – 45 Minuten - 4
Fertigung & Anpassung
Strumpf wird nach Maß gefertigt und am Bein kontrolliert. Bei Ulcus-Systemen: zweiteiliges System anpassen.
5 – 10 Werktage - 5
Nachkontrolle
Regelmäßige Kontrolle des Hautzustands und der Strumpfpassform. Anpassung der Kompressionsklasse bei Progression.
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Tipps für Patient:innen
Progression ernst nehmen
CVI ist eine chronische Erkrankung, die ohne Kompression fortschreitet. Konsequentes Tragen verhindert Verschlechterung und Ulzerationen.
Bewegung aktiviert die Muskelpumpe
Gehen, Radfahren und Fußgymnastik unterstützen den venösen Rückfluss. Langes Stehen und Sitzen vermeiden.
Hautpflege ist Pflicht
CVI-Haut ist empfindlich und neigt zu Ekzemen. Tägliche Pflege mit harnstoffhaltiger Lotion schützt vor Hautkomplikationen.
Zwei Paar für den Wechsel
Immer zwei Paar Strümpfe besitzen: ein Paar tragen, ein Paar waschen. So ist die Versorgung lückenlos.
Häufige Fragen
Was bedeuten die CEAP-Stadien bei CVI?
Die CEAP-Klassifikation beschreibt den Schweregrad: C1 = Besenreiser, C2 = Krampfadern, C3 = Ödem, C4 = Hautveränderungen, C5 = abgeheiltes Ulcus, C6 = aktives Ulcus cruris.
Muss ich lebenslang Kompression tragen?
Ja, CVI ist nicht heilbar. Die Kompressionstherapie muss dauerhaft fortgeführt werden, um Symptome zu kontrollieren und Ulzerationen zu verhindern.
Welche Kompressionsklasse bei welchem CVI-Stadium?
C1–C2: meist CCL 1–2. Ab C3 wird CCL 2–3 empfohlen. Bei C5–C6 kommt zusätzlich ein Ulcus-Strumpfsystem (CCL 3) zum Einsatz.
Was tun bei Hautveränderungen am Unterschenkel?
Braunfärbung, Verhärtung oder Ekzem sind Zeichen einer fortgeschrittenen CVI (C4). Kompressionsklasse ggf. erhöhen und Hautpflege intensivieren. Arzt konsultieren.
Kann CVI auch ohne sichtbare Krampfadern auftreten?
Ja, CVI kann durch tiefe Venenschäden entstehen, ohne dass oberflächliche Krampfadern sichtbar sind. Eine Duplexsonographie klärt die Ursache.