Praxiswissen · Kompression

Rezeptprüfung Kompression PG 17 — häufige Fehler vermeiden

Ein unvollständiges Rezept ist der häufigste Grund für abgelehnte Abrechnungen bei Kompressionsversorgungen. Dieser Leitfaden zeigt, welche Pflichtangaben ein Rezept für PG 17 enthalten muss — und wie Sanitätshäuser Fehler erkennen, bevor die Versorgung beginnt.

Zielgruppe: Leistungserbringer im Sanitätshaus PG: PG 17 · Kompression Lesezeit: ca. 7 Minuten Stand: Mai 2026
Kurzantwort

Ein gültiges Rezept für Kompressionsstrümpfe muss folgende Pflichtangaben enthalten: Diagnose mit ICD-10-Code, Kompressionsklasse (CCL 1–4), Versorgungslänge (AD, AG oder AT), Strickart (Rund- oder Flachstrick) und Zehenform (offene oder geschlossene Spitze). Fehlt eine dieser Angaben, sollte vor Versorgungsbeginn eine Rücksprache mit dem verordnenden Arzt erfolgen.

Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 17
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Pflichtangaben auf dem Rezept — Schritt für Schritt prüfen

  1. 1

    1. Diagnose mit ICD-10-Code

    Die Diagnose ist die medizinische Begründung für die Verordnung. Ohne ICD-10-Code kann die Krankenkasse die medizinische Notwendigkeit nicht prüfen. Häufige Codes: I83 (Varizen der unteren Extremitäten), I87.2 (venöse Insuffizienz), I89.0 (Lymphödem). Achten Sie darauf, dass der Code zur verordneten Kompressionsklasse passt.

    Pflicht nach § 7 Abs. 1 HilfsM-RL
  2. 2

    2. Kompressionsklasse (CCL)

    Die Kompressionsklasse bestimmt den Anpressdruck und damit die Wirksamkeit der Versorgung. Es gibt vier Klassen: CCL 1 (leicht, 18–21 mmHg), CCL 2 (mittel, 23–32 mmHg), CCL 3 (kräftig, 34–46 mmHg) und CCL 4 (sehr kräftig, >49 mmHg). Die CCL muss explizit auf dem Rezept stehen — eine allgemeine Verordnung von 'Kompressionsstrümpfen' ohne CCL-Angabe ist nicht ausreichend.

    CCL-Angabe in römischen Ziffern (I–IV) oder arabisch (1–4)
  3. 3

    3. Versorgungslänge

    Die Länge der Kompressionsversorgung muss klar angegeben sein: AD (Unterschenkel/Wadenlänge), AG (Oberschenkellänge) oder AT (Strumpfhose). Die Länge bestimmt die HMV-Nummer und den Abrechnungsbetrag. Bei fehlender Angabe darf das Sanitätshaus die Länge nicht eigenmächtig festlegen.

    AD = Unterschenkel, AG = Oberschenkel, AT = Strumpfhose
  4. 4

    4. Strickart: Rundstrick oder Flachstrick

    Die Strickart ist medizinisch und abrechnungstechnisch relevant. Rundstrick (nahtlos, maschinell gefertigt) ist die Standardversorgung bei unkomplizierten Venenerkrankungen. Flachstrick (mit Naht, oft Maßanfertigung) wird bei Lymphödemen, Lipödemen und komplexen Körperformen verordnet. Wenn die Strickart auf dem Rezept fehlt, muss beim Arzt nachgefragt werden — die Zuordnung hat erhebliche Preisunterschiede.

    Flachstrick erfordert i. d. R. Kostenvoranschlag
  5. 5

    5. Zehenform: offen oder geschlossen

    Die Zehenform (offene Spitze / geschlossene Spitze) muss auf dem Rezept vermerkt sein. Offene Spitze erleichtert die Fußpflege und Kontrolle der Zehendurchblutung, geschlossene Spitze bietet vollständige Kompression bis zu den Zehen. In der Praxis wird offene Spitze häufiger verordnet.

    Medizinische Indikation entscheidet
  6. 6

    6. Menge und Seitenangabe

    Das Rezept muss die Menge (1 Paar = 2 Stück, oder Einzelstrumpf bei einseitiger Versorgung) und die Seitenangabe (rechts, links, beidseitig) enthalten. Bei beidseitiger Versorgung wird in der Regel ein Paar verordnet. Die Erstverordnung umfasst üblicherweise 2 Paar (zur Wechselversorgung) — dies muss jedoch explizit auf dem Rezept stehen.

    2 Paar bei Erstverordnung = Wechselversorgung
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Häufige Fehler vermeiden

  • 1

    Fehlende Kompressionsklasse auf dem Rezept

    Niemals eine CCL eigenständig zuordnen. Rezept an den Arzt zurückgeben mit der Bitte um Ergänzung der CCL. Ohne CCL-Angabe ist die Versorgung nicht abrechnungsfähig. Dokumentieren Sie den Rücklauf mit Datum.

  • 2

    Strickart nicht angegeben — Rundstrick als Standard angenommen

    Rundstrick darf nicht automatisch angenommen werden. Besonders bei Diagnosen wie Lymphödem (I89.0) oder Lipödem (E88.2) ist Flachstrick medizinisch indiziert. Bei fehlender Strickart-Angabe Rücksprache mit dem Arzt halten — die falsche Zuordnung führt entweder zu medizinisch unzureichender Versorgung oder zu Retaxierung.

  • 3

    Rezept älter als 28 Tage bei Versorgungsbeginn

    Hilfsmittel-Rezepte sind 28 Kalendertage gültig (ab Ausstellungsdatum). Nach Ablauf dieser Frist muss ein neues Rezept ausgestellt werden. Prüfen Sie das Ausstellungsdatum bei Eingang und planen Sie die Versorgung entsprechend — besonders bei Flachstrick-Maßanfertigungen mit längerer Lieferzeit.

  • 4

    ICD-10-Code passt nicht zur verordneten CCL

    Kontrollieren Sie die Plausibilität: CCL 1 bei schwerer CVI (I87.2) ist ungewöhnlich, ebenso CCL 3 bei leichten Varizen (I83.0). Bei Unstimmigkeiten zwischen Diagnose und CCL vor der Versorgung beim Arzt nachfragen — die Kasse kann bei Implausibilität retaxieren.

  • 5

    Mengenangabe unklar — '1 Paar' vs. '2 Stück' verwechselt

    1 Paar = 2 Strümpfe (links + rechts). Bei einseitiger Versorgung muss '1 Stück' plus Seitenangabe auf dem Rezept stehen. Bei beidseitiger Erstversorgung mit Wechselversorgung: '2 Paar' (= 4 Strümpfe). Klare Mengenangabe mit dem Arzt abstimmen, bevor die Versorgung beginnt.

03

Checkliste: Pflichtangaben auf dem Kompressionsrezept

PflichtangabeBeispielHäufiger Fehler
ICD-10-DiagnoseI83.0, I87.2, I89.0, E88.2Fehlend oder unspezifisch
Kompressionsklasse (CCL)CCL 2 (oder II)Nicht angegeben
VersorgungslängeAD, AG oder ATNur 'Kompressionsstrumpf' ohne Länge
StrickartRundstrick oder FlachstrickNicht angegeben, Rundstrick angenommen
ZehenformOffene Spitze / geschlossene SpitzeNicht angegeben
Menge1 Paar, 2 Paar, 1 StückUnklar formuliert
SeitenangabeRechts, links, beidseitigFehlend bei Einzelversorgung
Arzt-Unterschrift und DatumStempel + UnterschriftUnleserlich oder fehlend
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Praxistipp

Rezeptprüfung vor dem Kunden durchführen: Etablieren Sie einen festen Ablauf: Jedes Rezept wird bei Eingang anhand einer Checkliste geprüft — bevor der Kunde vermessen wird. So vermeiden Sie die Situation, dass nach der Vermessung ein unvollständiges Rezept auffällt und der Kunde erneut zum Arzt muss.

Ärzte proaktiv informieren: Viele Rezeptfehler entstehen, weil Ärzte die Pflichtangaben für Kompressionsverordnungen nicht vollständig kennen. Ein kompaktes Informationsblatt für kooperierende Praxen (mit den 7 Pflichtangaben) reduziert die Rücklaufquote erfahrungsgemäß um 40–60 %.

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Häufige Fragen aus der Praxis

Darf das Sanitätshaus fehlende Angaben auf dem Rezept selbst ergänzen?

Nein. Fehlende medizinische Angaben (CCL, Strickart, Länge) dürfen nicht vom Sanitätshaus ergänzt werden. Diese Angaben sind ärztliche Entscheidungen und müssen vom verordnenden Arzt nachgetragen werden. Das Sanitätshaus dokumentiert den Rücklauf und die Nachbesserung.

Wie lange ist ein Rezept für Kompressionsstrümpfe gültig?

Ein Hilfsmittel-Rezept ist 28 Kalendertage ab Ausstellungsdatum gültig. Innerhalb dieser Frist muss die Versorgung begonnen haben (Kontaktaufnahme mit dem Sanitätshaus). Bei Flachstrick-Maßanfertigungen mit längerer Lieferzeit zählt der Tag der Auftragsannahme, nicht der Liefertag.

Was tun, wenn der Arzt nur 'Kompressionsstrümpfe' ohne weitere Angaben verordnet?

Das Rezept ist so nicht versorgungsfähig. Kontaktieren Sie die verordnende Praxis und bitten Sie um Ergänzung: CCL, Länge (AD/AG/AT), Strickart (Rund/Flach), Zehenform (offen/geschlossen) und Menge. Erst nach vollständiger Verordnung kann die Versorgung beginnen.

Kann ein Rezept für Kompressionsstrümpfe auch vom Hausarzt ausgestellt werden?

Ja. Kompressionsstrümpfe können von jedem Vertragsarzt verordnet werden — nicht nur von Phlebologen oder Angiologen. In der Praxis stellen Hausärzte den Großteil der Verordnungen aus. Die fachärztliche Verordnung ist jedoch bei komplexen Versorgungen (Flachstrick, CCL 3–4) empfehlenswert.

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