Armkompression umfasst Armstrümpfe, Handschuhe und Fingerversorgungen, die bei Lymphödem des Arms eingesetzt werden. Häufigste Ursache ist das sekundäre Lymphödem nach Brustkrebsoperation mit Lymphknotenentfernung. Die Versorgung erfolgt meist in Flachstrick-Maßanfertigung und wird über PG 17 abgerechnet.
Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 17Typen von Armkompression im Überblick
Armkompression werden nach ihrer Wirkungsweise unterschieden. Entscheidend für die Auswahl sind Indikation, Heilungsphase und das gewünschte Aktivitätsniveau.
| Typ | Wirkung | Typische Indikation | HMV-Untergruppe |
|---|---|---|---|
| Armstrumpf mit Schulterkappe Flachgestrickter Kompressionsstrumpf vom Handgelenk bis über die Schulter, mit Schulterkappe für sicheren Halt. Meist CCL 2. | Vollständige Kompression des gesamten Arms inklusive Schulterbereich, verhindert Ödemverlagerung nach proximal | Ausgeprägtes Arm-Lymphödem mit Schulter-/Achselbeteiligung, Zustand nach axillärer Lymphknotenentfernung | 17.04.01 |
| Armstrumpf ohne Schulterkappe Flachgestrickter Kompressionsstrumpf vom Handgelenk bis zum Oberarm, Halt über Silikonhaftrand am Oberarm. | Kompression des Unter- und Oberarms ohne Schulterfixierung — bei moderatem Lymphödem ohne Schulterbeteiligung | Arm-Lymphödem Stadium I–II ohne Schulterbeteiligung, postoperative Kompression | 17.04.01 |
| Kompressionshandschuh Flachgestrickter Handschuh mit Kompression für Handrücken und Finger, als Faust- oder Fingerhandschuh erhältlich. | Verhindert Ödemverlagerung in die Hand bei Armkompression, reduziert Handschwellung und erhält die Fingerbeweglichkeit | Hand-Lymphödem, Ödemneigung der Hand bei Arm-Lymphödem, Zustand nach Handverletzung mit Lymphabflussstörung | 17.04.02 |
| Fingerversorgung (Fingerlinge) Einzelne Kompressionsüberzüge für betroffene Finger in Flachstrick-Maßanfertigung. | Gezielte Kompression einzelner geschwollener Finger, verhindert Ödemverlagerung in die Fingerkuppen | Fingerlymphödem, Dactylödem, ausgeprägtes Handrückenödem mit Fingerbeteiligung | 17.04.02 |
| Armstrumpf mit Handteil Kombinierte Versorgung: Armstrumpf mit integriertem Handschuh in einem Stück, nahtloser Übergang am Handgelenk. | Lückenlose Kompression von den Fingern bis zum Oberarm/Schulter ohne Druckunterbrechung am Handgelenk | Ausgeprägtes Arm- und Handlymphödem, wenn separater Handschuh am Handgelenk einschnürt | 17.04.01 |
Auszug. Vollständige Einordnung inkl. Herstellerartikel im GKV-Hilfsmittelverzeichnis.
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Aufbau und Wirkprinzip — Armkompression
Armkompression: Mehrere funktionale Elemente erzeugen zusammen Kompression und Entstauung.
Flachstrick-Maßanfertigung
Armkompression wird fast ausschließlich in Flachstrick-Maßanfertigung hergestellt. Bis zu 20 Messpunkte an Arm und Hand gewährleisten eine exakte Passform bei oft asymmetrischer Schwellung.
Schulterkappe und Befestigung
Bei ausgeprägtem Lymphödem sichert eine Schulterkappe den Sitz des Armstrumpfs. Sie verteilt den Zug über die Schulter und verhindert ein Abrutschen — entscheidend für ganztägigen, sicheren Halt.
Handschuh-Integration
Bei Hand- und Fingerbeteiligung wird der Handschuh entweder separat oder als integrierter Handteil gefertigt. Integrierte Versorgungen vermeiden Druckstellen am Handgelenk durch überlappende Ränder.
Hautfreundliche Materialien
Hochwertige Mikrofasern und Baumwollinnenflächen schonen die oft empfindliche Haut nach Bestrahlung oder Lymphdrainage. Antibakterielle Ausstattung reduziert das Erysipel-Risiko.
Ziel: Kompression und venöser Rückfluss
Häufige Indikationen
Die folgenden Diagnosen führen in der Praxis am häufigsten zu einer Verordnung. Die Auswahl des Versorgungstyps hängt von Schweregrad, Heilungsphase und Aktivitätsniveau ab.
-
Sekundäres Arm-Lymphödem nach Brustkrebs-OPHäufigste Indikation: Lymphödem des Arms nach Mastektomie oder brusterhaltender OP mit axillärer Lymphknotenentfernung und/oder Bestrahlung.
-
Primäres Arm-LymphödemAngeborene Fehlbildung des Lymphsystems mit Schwellung des Arms — seltener als sekundäre Formen.
-
Lymphödem nach Melanom-OPSekundäres Lymphödem nach Entfernung von Sentinel-Lymphknoten oder axillärer/inguinaler Lymphknotendissektion bei Hautkrebs.
-
Zustand nach Erysipel (Wundrose)Wiederholte Erysipel-Infektionen schädigen das Lymphsystem und können ein sekundäres Lymphödem am Arm auslösen oder verschlimmern.
-
Posttraumatisches Arm-LymphödemLymphödem nach Verletzung, Verbrennung oder operativem Eingriff am Arm mit Schädigung der Lymphbahnen.
Versorgungsweg — von Rezept bis Anpassung
Der typische Weg vom ärztlichen Befund bis zur fertig angepassten Armkompression dauert in Deutschland zwischen 3 und 14 Tagen.
- 1
Ärztliche Diagnose
Lymphologe, Onkologe oder Dermatologe diagnostiziert das Arm-Lymphödem und bestimmt das Stadium (I–III nach ISL).
1 Termin - 2
Entstauungstherapie (KPE Phase I)
Manuelle Lymphdrainage und Kompressionsbandagierung des Arms über 2–4 Wochen, bis das Ödem maximal reduziert ist.
2 – 4 Wochen - 3
Rezept ausstellen
Verordnung per Muster-16-Rezept: Armstrumpf, Kompressionsklasse, ggf. mit/ohne Schulterkappe, ggf. Handschuh/Fingerlinge als Zusatzversorgung.
HMV-Nummer angeben - 4
Sanitätshaus — Maßnehmen
Detailliertes Maßnehmen an bis zu 20 Punkten (Umfänge und Längen von Schulter bis Fingerkuppe). Morgens nach Lymphdrainage für bestmögliche Ergebnisse.
30 – 45 Minuten - 5
Fertigung, Anprobe & Nachkontrolle
Individuelle Fertigung beim Hersteller, Anprobe mit Funktions- und Sitzkontrolle. Nachkontrolle nach 2–4 Wochen, insbesondere Greiffähigkeit bei Handschuhversorgung.
10 – 15 Werktage
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Abrechnung und Kosten
Grundlage jeder Abrechnung ist der Vertrag zwischen Leistungserbringer und Krankenkasse. Die folgenden Werte sind Orientierungswerte — verbindliche Preise ergeben sich aus den Kassenverträgen.
| Versorgungstyp | HMV-Nr. (Beispiel) | Richtwert GKV | Zuzahlung | Genehmigungspflicht |
|---|---|---|---|---|
| Armstrumpf Flachstrick Maßanfertigung | 17.04.01.1 | 200 – 400 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) | Nein (Regelversorgung) |
| Armstrumpf mit Schulterkappe Maß | 17.04.01.2 | 250 – 480 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) | Nein (Regelversorgung) |
| Kompressionshandschuh Maßanfertigung | 17.04.02.1 | 80 – 160 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) | Nein (Regelversorgung) |
| Fingerversorgung (Fingerlinge) | 17.04.02.2 | 30 – 60 € pro Finger | In Gesamtzuzahlung enthalten | Nein (Regelversorgung) |
Hinweis zur Zuzahlungsbefreiung
Versicherte unter 18 Jahren, chronisch Kranke mit Befreiungsbescheid sowie Personen mit überschrittener Belastungsgrenze sind von der Zuzahlung befreit. Den Nachweis erbringt die Krankenkasse.
Häufige Fragen
Bekomme ich nach Brustkrebs automatisch einen Armstrumpf?
Nicht automatisch — nur wenn ein Lymphödem diagnostiziert wird. Nicht jede Brustkrebs-OP führt zu einem Lymphödem. Die Kompressionsversorgung wird verordnet, wenn eine Schwellung auftritt und die Entstauungstherapie abgeschlossen ist.
Brauche ich zum Armstrumpf immer einen Handschuh?
Wenn die Hand anschwillt oder die Kompression des Armstrumpfs die Flüssigkeit in die Hand verlagert, ist ein Handschuh wichtig. Der Arzt und das Sanitätshaus beraten, ob ein separater Handschuh oder ein integriertes Handteil sinnvoll ist.
Kann ich mit Armkompression normal arbeiten?
Ja, die Versorgung ist so konzipiert, dass die Arm- und Fingerbeweglichkeit erhalten bleibt. Bei Computerarbeit sind Fingerhandschuhe mit freien Fingerkuppen möglich. Schwere körperliche Arbeit sollte mit dem Arzt besprochen werden.
Wie pflege ich Armkompression richtig?
Tägliches Waschen bei 30–40 °C mit Feinwaschmittel, nicht schleudern, liegend trocknen. Keinen Weichspüler verwenden — dieser zerstört die Elasthan-Fasern und reduziert die Kompression.
Übernimmt die Kasse die Kosten vollständig?
Ja, Armkompression bei Lymphödem ist Kassenleistung. Es fällt nur die gesetzliche Zuzahlung an (max. 10 € pro Versorgung). Auch Handschuhe und Fingerlinge werden als Zusatzversorgung übernommen.