Kompressionsstrümpfe werden morgens direkt nach dem Aufstehen angezogen, solange das Bein noch nicht angeschwollen ist. Den Strumpf bis zur Ferse auf links umstülpen, den Fuß einführen, die Ferse exakt in der Fersenkappe positionieren und das Gestrick dann portionsweise nach oben verteilen — niemals an der Oberkante hochziehen. Falten anschließend glattstreichen. Bei schwacher Handkraft oder eingeschränkter Beweglichkeit gibt es Anziehhilfen auf Rezept.
Quelle: Anziehhilfen sind als Hilfsmittel in PG 17 gelistet (GKV-Hilfsmittelverzeichnis)Kompressionsstrumpf anziehen — Schritt für Schritt
Die Technik ist bei Rund- und Flachstrick gleich. Anfangs dauert es fünf bis zehn Minuten, mit Übung deutlich weniger.
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Morgens anziehen
Direkt nach dem Aufstehen anziehen, solange das Bein noch nicht angeschwollen ist. Im Tagesverlauf nimmt der Beinumfang zu — dann passt der Strumpf schlechter und der Druckverlauf stimmt nicht mehr.
Vor dem ersten längeren Stehen oder Sitzen - 2
Haut und Hände vorbereiten
Die Haut muss trocken und fettfrei sein — Cremes und Öle lassen das Gestrick rutschen und greifen die Elastanfasern an. Deshalb abends eincremen, nicht morgens. Fingernägel kurz halten, Ringe ablegen. Gummi-Griffhandschuhe erleichtern das Fassen erheblich und schützen gleichzeitig das Material.
Griffhandschuhe sind ebenfalls verordnungsfähig - 3
Strumpf bis zur Ferse umstülpen
Mit der Hand in den Strumpf greifen, die Fersenkappe von innen fassen und den Strumpf bis dorthin auf links ziehen. So entsteht ein kurzer, fester Ring, der sich leicht über den Fuß streifen lässt — statt eines langen Schlauchs, den man mühsam hochziehen müsste.
Der wichtigste Handgriff der ganzen Anleitung - 4
Fuß einführen, Ferse exakt setzen
Den Fuß in den umgestülpten Teil schieben und die Ferse genau in der Fersenkappe positionieren. Sitzt die Ferse zu hoch oder zu tief, verschiebt sich der gesamte Druckverlauf über das ganze Bein — der Strumpf verliert seine Wirkung.
Vor dem Hochstreifen kontrollieren - 5
Gestrick portionsweise verteilen
Den Strumpf abschnittsweise über Fuß, Knöchel und Wade streifen und das Gestrick dabei gleichmäßig verteilen. Immer flächig mit der ganzen Hand arbeiten, niemals an der Oberkante ziehen — das überdehnt das Gestrick und zerstört den definierten Druckverlauf.
Verteilen statt ziehen - 6
Falten glattstreichen, Sitz prüfen
Zum Schluss alle Falten glattstreichen und prüfen, dass der Abschlussbund flach anliegt und nicht einrollt. Falten und eingerollte Ränder erzeugen Druckspitzen, die einschnüren und die Haut schädigen können. Der Strumpf darf spürbar fest sitzen, aber nicht schmerzen oder Taubheitsgefühle auslösen.
Bei Schmerzen oder Taubheit den Sitz erneut prüfen lassen
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Die häufigsten Fehler beim Anziehen
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Am oberen Rand hochgezogen
Der Strumpf wird wie eine Socke am Bund nach oben gerissen. Das überdehnt das Gestrick punktuell, der Kompressionsdruck stimmt danach nicht mehr — und das Material verschleißt vorzeitig.
Gestrick flächig und portionsweise vom Fuß aufwärts verteilen. - 2
Erst im Tagesverlauf angezogen
Wird der Strumpf erst mittags oder abends angelegt, ist das Bein bereits angeschwollen. Das Anziehen wird schwerer, der Sitz schlechter, und die Ödemreduktion des Vormittags ist verschenkt.
Fester Platz am Bett, Anziehen vor dem ersten Aufstehen. - 3
Ferse sitzt nicht in der Fersenkappe
Eine verrutschte Ferse verschiebt den gesamten Druckverlauf über Knöchel und Wade. Der Strumpf sieht angezogen aus, wirkt aber nicht wie verordnet.
Ferse setzen und kontrollieren, bevor der Rest hochgestreift wird. - 4
Falten und eingerollter Abschlussbund
Falten erzeugen lokale Druckspitzen, ein eingerollter Bund schnürt ein. Beides kann zu Druckstellen und bei empfindlicher Haut zu Läsionen führen.
Glattstreichen; den Bund nie umschlagen, um ihn zu kürzen. - 5
Morgens eingecremt
Fett- und ölhaltige Pflegeprodukte machen die Haut rutschig, das Gestrick greift nicht — und die Elastanfasern werden angegriffen.
Abends nach dem Ausziehen eincremen, morgens auf trockene Haut anziehen.
Welche Anziehhilfe bei welcher Einschränkung
| Einschränkung | Geeignete Hilfe | Wie sie wirkt |
|---|---|---|
| Eingeschränkte Handkraft (z. B. Arthrose) | Gestell-Anziehhilfe | Der Strumpf wird über ein Metallgestell gespannt. Die Person steigt hinein und zieht ihn am Gestell hoch — ohne festen Griff. |
| Eingeschränkte Beweglichkeit (Hüfte, Knie, Adipositas) | Gleiter / Gleitsocke | Eine Gleitfolie senkt die Reibung auf der Haut. Der Strumpf gleitet leichter über das Bein, es muss weniger gebückt werden. |
| Strumpf mit offener Fußspitze | Gleiter für offene Spitze | Wird über den Fuß gestülpt, der Strumpf gleitet darüber, anschließend wird der Gleiter vorn herausgezogen. |
| Allgemein schwacher Griff | Gummi-Griffhandschuhe | Noppen erhöhen die Griffigkeit und schützen das Gestrick vor Fingernägeln. |
| Anziehen auch mit Hilfe nicht möglich | Häusliche Krankenpflege | Ein Pflegedienst übernimmt das tägliche An- und Ausziehen — auf ärztliche Verordnung. |
Anziehhilfen sind als Hilfsmittel in PG 17 gelistet und über Muster 16 verordnungsfähig — auch ergänzend zum Strumpf-Rezept. Es gilt die gesetzliche Zuzahlung.
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Praxistipp
Im Beratungsgespräch lohnt es sich, das Anziehen einmal gemeinsam durchzugehen statt es nur zu erklären. Die meisten Abbrüche passieren in den ersten zwei Wochen — und fast immer, weil die Umstülp-Technik nicht bekannt ist und stattdessen am Bund gezogen wird.
Zum Nachschauen für Patient:innen eignet sich die Anziehanleitung des Herstellers medi: Anziehen eines medizinischen Kompressionsstrumpfes (4:25 Min., YouTube).
Bei der Nachkontrolle nach zwei bis vier Wochen gezielt fragen, wie angezogen wird — nicht nur ob. Wer berichtet, es sei „schwer hochzuziehen", zieht mit hoher Wahrscheinlichkeit am Bund und braucht keine neue Versorgung, sondern fünf Minuten Anleitung.
Häufige Fragen aus der Praxis
Wie zieht man Kompressionsstrümpfe am leichtesten an?
Mit der Umstülp-Technik: in den Strumpf greifen, die Fersenkappe von innen fassen und den Strumpf bis dorthin auf links ziehen. Danach den Fuß einführen, die Ferse setzen und das Gestrick portionsweise nach oben verteilen. Gummi-Griffhandschuhe erleichtern das Fassen zusätzlich.
Wann sollte man Kompressionsstrümpfe anziehen?
Morgens direkt nach dem Aufstehen, bevor das Bein anschwillt. Wer erst später anzieht, verschenkt die Entstauung des Vormittags und tut sich beim Anziehen schwerer.
Bezahlt die Krankenkasse eine Anziehhilfe?
Ja. Anziehhilfen sind als Hilfsmittel in PG 17 gelistet und über Muster 16 verordnungsfähig — auch ergänzend zum Rezept für den Strumpf. Es gilt die gesetzliche Zuzahlung.
Welche Anziehhilfe ist die richtige?
Das hängt von der Einschränkung ab: bei schwacher Handkraft eine Gestell-Anziehhilfe, bei eingeschränkter Beweglichkeit ein Gleiter, bei offener Fußspitze ein Spezialgleiter. Am besten im Sanitätshaus mehrere Modelle testen.
Kann ein Pflegedienst das Anziehen übernehmen?
Ja. Wenn das Anziehen auch mit Hilfsmittel nicht möglich ist, kann der Arzt häusliche Krankenpflege verordnen. Der Pflegedienst kommt dann täglich zum An- und Ausziehen.
Funktionieren Anziehhilfen auch bei Flachstrick?
Ja. Für Flachstrick-Versorgungen gibt es spezielle Anziehhilfen, die mit der höheren Materialstärke und der Naht zurechtkommen.