Nach einer Oberschenkelfraktur kommen stabile Unterarmgehstützen aus Leichtmetall zum Einsatz. Sie ermöglichen die geschützte Teilbelastung des verletzten Beins und begleiten den Belastungsaufbau über mehrere Wochen bis zur vollen Belastbarkeit.
Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 10Die Diagnose — kurz erklärt
Eine Oberschenkelfraktur (Femurfraktur) umfasst Brüche des Oberschenkelknochens — häufig als Schenkelhalsfraktur bei älteren Patient:innen nach Sturz. Nach operativer Versorgung (Osteosynthese oder Prothese) ist eine langfristige Entlastung mit Unterarmgehstützen zwingend notwendig, um die Knochenheilung nicht zu gefährden.
Passende Gehhilfe
Die Auswahl richtet sich nach der Therapie-Phase. In jeder Phase gibt es Kassen-übliche Versorgungstypen mit definierter Wirkung und Tragezeit.
| Phase | Versorgungstyp | Wirkung | Tragezeit |
|---|---|---|---|
| Postoperativ (Woche 1–2) | Unterarmgehstützen, beidseitig | Entlastung des frakturierten Beins, erste Mobilisation unter Anleitung. | Bei jeder Mobilisation |
| Teilbelastung (Woche 2–6) | Unterarmgehstützen, beidseitig | Kontrollierte Belastung mit 15–20 kg, Dreipunktgang unter physiotherapeutischer Kontrolle. | Ganztags bei Mobilität |
| Aufbelastung (Woche 6–12) | Unterarmgehstütze, einseitig (kontralateral) | Schrittweise Belastungssteigerung nach Röntgenkontrolle, Übergang zum freien Gehen. | Bei Gehen, schrittweise reduzieren |
| Vollbelastung (ab Woche 12–16) | Gehstock oder ohne Gehhilfe | Freies Gehen nach radiologisch bestätigter Konsolidierung, Gehstock als Sicherheit. | Nach Bedarf |
Versorgungswahl bleibt ärztliche Entscheidung
Die Tabelle zeigt typische Versorgungsmuster. Die konkrete Auswahl trifft die behandelnde Ärzt:in in Abstimmung mit der Operateurin oder Physiotherapeut:in.
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Versorgungsweg — von Diagnose bis Gehhilfe
- 1
Operative Versorgung
Osteosynthese (Marknagel, DHS) oder Prothese je nach Frakturtyp und Alter. Mobilisation beginnt am Folgetag.
Im Krankenhaus - 2
Rezept bei Entlassung
Entlassungsrezept für Unterarmgehstützen mit ICD-10 S72.0 und Angabe der Belastungsgrenze.
Muster-16-Rezept - 3
Sanitätshaus oder Direktversorgung
Höheneinstellung und Griffanpassung, Einweisung in den Dreipunktgang mit der vorgegebenen Teilbelastung.
15 – 20 Minuten - 4
Rehabilitation
Stationäre oder ambulante Reha mit Gangschule, Kräftigung und schrittweisem Belastungsaufbau.
3 Wochen stationär oder ambulant - 5
Röntgenkontrolle und Freigabe
Regelmäßige Röntgenkontrollen (nach 6 und 12 Wochen) — Belastungssteigerung nur nach Nachweis der Knochenheilung.
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Tipps für Patient:innen
Belastungsgrenze strikt einhalten
Die vom Operateur vorgegebene Teilbelastung (z. B. 15 kg) unbedingt einhalten — eine Personenwaage hilft, das Gewicht zu trainieren.
Thromboseprophylaxe beachten
Thrombosespritzen und Kompressionsstrümpfe konsequent verwenden — die Immobilität nach Femurfraktur erhöht das Thromboserisiko erheblich.
Sturzprävention priorisieren
Stolperfallen zu Hause beseitigen, Haltegriffe installieren und rutschfeste Unterlagen verwenden. Ein erneuter Sturz kann die Heilung massiv gefährden.
Geduld bei der Heilung
Oberschenkelfrakturen brauchen 3–4 Monate bis zur vollen Belastbarkeit. Die Stützen nicht eigenständig weglassen, sondern erst nach ärztlicher Freigabe.
Häufige Fragen
Wie lange brauche ich Unterarmgehstützen nach einer Oberschenkelfraktur?
Je nach Frakturtyp und Versorgung 8–16 Wochen. Die Dauer wird durch regelmäßige Röntgenkontrollen bestimmt — erst bei gesicherter Knochenheilung darf die Belastung gesteigert werden.
Bezahlt die Krankenkasse die Unterarmgehstützen?
Ja, bei ärztlicher Verordnung übernimmt die GKV die Kosten abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung (10 %, mind. 5 €, max. 10 €).
Darf ich nach einer Schenkelhalsfraktur sofort auftreten?
Das hängt von der OP-Methode ab. Nach Prothesenversorgung ist oft eine schmerzadaptierte Vollbelastung möglich, nach Osteosynthese nur Teilbelastung. Der Operateur legt die Belastungsgrenze individuell fest.
Was ist der Unterschied zwischen Schenkelhalsfraktur und Oberschenkelfraktur?
Die Schenkelhalsfraktur (S72.0) betrifft den Übergang zwischen Hüftkopf und Oberschenkelschaft. Sie ist die häufigste Form der Femurfraktur, besonders bei älteren Menschen nach Sturz.
Wann kann ich nach Oberschenkelfraktur wieder normal gehen?
Nach vollständiger Knochenheilung (meist 12–16 Wochen) und ärztlicher Freigabe. Das Gangbild normalisiert sich oft erst nach mehreren Monaten gezielter Physiotherapie.