Unterarmgehstützen (umgangssprachlich: Krücken) sind die häufigste Gehhilfe nach Operationen und Verletzungen der unteren Extremität. Sie ermöglichen Teil- und Vollentlastung eines Beines und werden über PG 10 des Hilfsmittelverzeichnisses verordnet.
Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 10Typen von Unterarmgehstützen im Überblick
Unterarmgehstützen werden nach ihrer Wirkungsweise unterschieden. Entscheidend für die Auswahl sind Indikation, Heilungsphase und das gewünschte Aktivitätsniveau.
| Typ | Wirkung | Typische Indikation | HMV-Untergruppe |
|---|---|---|---|
| Standard-Unterarmgehstütze Klassische Aluminium-Gehstütze mit Kunststoff-Manschette und höhenverstellbarem Schaft. Paarweise verordnet. | Vollständige oder teilweise Entlastung eines Beines beim Gehen | Frakturen, postoperative Entlastung, Bänderverletzungen | 10.46.02 |
| Ergonomische Unterarmgehstütze (Softgriff) Gehstütze mit anatomisch geformtem Softgriff und ergonomischer Manschette. Reduziert Druckstellen bei Langzeitnutzung. | Druckentlastung an Hand und Unterarm, verbesserte Griffsicherheit | Langzeit-Nutzung (> 4 Wochen), empfindliche Hände, Rheuma | 10.46.02 |
| Leichtgewicht-Stütze (Carbon) Unterarmgehstütze aus Carbon oder Carbon-Aluminium-Verbund. Gewicht ab 250 g pro Stütze. | Minimales Eigengewicht reduziert Ermüdung bei täglichem Gebrauch | Langfristige Mobilisation, ältere Patient:innen, geringe Armkraft | 10.46.02 |
| Kinder-Unterarmgehstütze Speziell für Kinder und Jugendliche dimensionierte Gehstütze mit farbigem Design und kindgerechter Manschette. | Altersgerechte Entlastung mit korrekter Ergonomie für kleinere Körpergrößen | Frakturen und Verletzungen bei Kindern, postoperativ im Wachstumsalter | 10.46.02 |
Auszug. Vollständige Einordnung inkl. Herstellerartikel im GKV-Hilfsmittelverzeichnis.
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Aufbau und Wirkprinzip — Unterarmgehstützen
Unterarmgehstützen bestehen aus mehreren funktionalen Elementen, die zusammen Stabilität und Mobilität gewährleisten.
Unterarmauflage / Manschette
Anatomisch geformte Kunststoff- oder Softmanschette, die den Unterarm stabilisiert und die Kraft vom Handgelenk auf den Unterarm verteilt. Offene Manschetten ermöglichen schnelles An- und Ablegen.
Griff (ergonomisch/standard)
Standard-Hartplastikgriff oder ergonomischer Softgriff mit Fingerkontur. Anatomische Griffe verteilen den Druck großflächig und beugen Druckstellen an der Handinnenfläche vor.
Höhenverstellung (Schaft + Handgriff)
Zwei unabhängige Verstellmechanismen: Schaftlänge und Griffhöhe. Druckknopf-Rastung ermöglicht stufenweise Anpassung an die Körpergröße (150–200 cm).
Gummipuffer / Eispickel
Austauschbarer Gummipuffer für Rutschhemmung. Optionaler Eispickel-Aufsatz (Spikes) für winterliche Gehsicherheit. Puffer regelmäßig auf Verschleiß prüfen.
Ziel: Sichere Mobilität im Alltag
Häufige Indikationen
Die folgenden Diagnosen führen in der Praxis am häufigsten zu einer Verordnung. Die Auswahl des Versorgungstyps hängt von Schweregrad, Heilungsphase und Aktivitätsniveau ab.
-
Postoperative Entlastung (Hüfte/Knie)Nach Hüft- oder Knie-TEP, Arthroskopie oder Osteosynthese: kontrollierte Teilbelastung über 6–12 Wochen.
-
Frakturen untere ExtremitätOberschenkel-, Unterschenkel- oder Fußfrakturen mit Entlastungsbedarf bis zur knöchernen Konsolidierung.
-
Bänder- und SehnenverletzungenKreuzbandriss, Achillessehnenruptur oder schwere Bänderdehnungen mit vorübergehender Entlastung.
-
Teil- und VollentlastungÄrztlich verordnete Belastungsreduktion (z. B. 20 kg Teilbelastung) — Unterarmgehstützen ermöglichen die dosierte Gewichtsübertragung.
-
Langzeit-MobilisationChronische Erkrankungen oder verzögerte Heilung, die eine dauerhaft eingeschränkte Belastbarkeit eines Beines zur Folge haben.
Versorgungsweg — von Rezept bis Anpassung
Der typische Weg vom ärztlichen Befund bis zur fertig angepassten Unterarmgehstützen dauert in Deutschland zwischen 3 und 14 Tagen.
- 1
Ärztliche Verordnung
Chirurg:in, Orthopäd:in oder Hausärzt:in stellt ein Muster-16-Rezept mit Diagnose, Belastungsangabe (z. B. 20 kg Teilbelastung) und PG 10 aus.
Oft direkt nach OP - 2
Sanitätshaus / Klinik
Ausgabe direkt im Krankenhaus (Sofortversorgung) oder im Sanitätshaus. Paarweise Versorgung ist der Standard.
Sofort bis 1 Werktag - 3
Kostenvoranschlag
Standard-Unterarmgehstützen sind Regelversorgung ohne Einzelgenehmigung. Bei ergonomischen oder Carbon-Modellen ggf. Aufzahlung.
Entfällt bei Standard - 4
Anpassung & Einweisung
Einstellung von Griffhöhe und Manschette. Einweisung in Gangtechnik: Dreipunktgang (Vollentlastung) oder Vierpunktgang (Teilbelastung).
15 – 20 Minuten - 5
Physiotherapie
Begleitende Physiotherapie zur Gangschulung und Muskelaufbau. Schrittweiser Übergang von Vollentlastung zu Teilbelastung zu Vollbelastung.
Laufend (6 – 12 Wochen) - 6
Rückgabe / Wiedereinsatz
Nach Ausheilung können Standard-Gehstützen an das Sanitätshaus zurückgegeben werden (Wiederaufbereitung). Ergonomische Modelle verbleiben beim Patienten.
Nach Abschluss der Therapie
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Abrechnung und Kosten
Grundlage jeder Abrechnung ist der Vertrag zwischen Leistungserbringer und Krankenkasse. Die folgenden Werte sind Orientierungswerte — verbindliche Preise ergeben sich aus den Kassenverträgen.
| Versorgungstyp | HMV-Nr. (Beispiel) | Richtwert GKV | Zuzahlung | Genehmigungspflicht |
|---|---|---|---|---|
| Standard-Unterarmgehstütze (Paar) | 10.46.02.0 | Leihpauschale 8 – 15 € | Keine (Leihversorgung) | Nein |
| Ergonomische Gehstütze (Softgriff, Paar) | 10.46.02.1 | 40 – 80 € (Aufzahlung) | 10 % — mind. 5 €, max. 10 € | Nein (Regelversorgung) |
| Carbon-Gehstütze (Paar) | 10.46.02.2 | 80 – 160 € (Aufzahlung) | 10 % — mind. 5 €, max. 10 € | Einzelfallprüfung bei Aufpreis |
| Kinder-Unterarmgehstütze (Paar) | 10.46.02.3 | Leihpauschale 8 – 15 € | Keine (unter 18 Jahren befreit) | Nein (Regelversorgung) |
Hinweis zur Zuzahlungsbefreiung
Versicherte unter 18 Jahren, chronisch Kranke mit Befreiungsbescheid sowie Personen mit überschrittener Belastungsgrenze sind von der Zuzahlung befreit. Den Nachweis erbringt die Krankenkasse.
Häufige Fragen
Wie stelle ich Unterarmgehstützen richtig ein?
Aufrecht stehen, Schuh an: Der Griff sollte auf Höhe des Handgelenks sein, die Manschette etwa 2–3 cm unterhalb des Ellenbogens. Der Ellbogen ist beim Greifen leicht gebeugt (ca. 15–20°). Das Sanitätshaus oder die Physiotherapie stellt alles korrekt ein.
Zahlt die Kasse Unterarmgehstützen?
Ja, Standard-Unterarmgehstützen sind Regelversorgung und werden bei ärztlicher Verordnung vollständig von der GKV übernommen. Nur die gesetzliche Zuzahlung (10 %, mind. 5 €, max. 10 €) fällt an. Wer ergonomische Griffe oder Carbon wählt, zahlt die Differenz.
Wie lange brauche ich Unterarmgehstützen nach einer Knie-OP?
Das hängt von der Operation ab. Nach einer Knie-TEP typischerweise 4–6 Wochen mit Teilbelastung, nach Kreuzband-OP bis zu 6 Wochen Teilbelastung. Die behandelnde Ärzt:in legt die Belastungsstufen fest.
Dreipunktgang oder Vierpunktgang — was ist der Unterschied?
Beim Dreipunktgang werden beide Stützen gleichzeitig mit dem verletzten Bein vorgesetzt — für Vollentlastung. Beim Vierpunktgang wird abwechselnd eine Stütze mit dem gegenüberliegenden Bein vorgesetzt — für Teilbelastung und mehr Stabilität.
Kann ich eine einzelne Unterarmgehstütze nutzen?
Ja, bei Teilbelastung kann nach ärztlicher Freigabe auf eine einzelne Stütze (kontralateral zum betroffenen Bein) gewechselt werden. Dies ist oft ein Zwischenschritt beim Übergang zur Vollbelastung.