Produktart-Guide · Rollatoren

Rollatoren im Sanitätshaus — Ratgeber & Übersicht

Standard-Rollatoren, Leichtgewicht-Modelle und Outdoor-Varianten — Überblick über Typen, Aufbau, Indikationen, Versorgungsweg und Abrechnung von Rollatoren.

Produktgruppe: PG 10 · Gehhilfen Lesezeit: ca. 8 Minuten Stand: Mai 2026 Zielgruppe: Fachpersonal & Patient:innen
Kurzantwort

Rollatoren sind fahrbare Gehhilfen mit vier Rädern, Bremssystem und integrierter Sitzfläche. Sie bieten sichere Mobilität bei Gangstörungen, Sturzgefährdung und altersbedingten Einschränkungen und werden über PG 10 des Hilfsmittelverzeichnisses verordnet.

Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 10
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Typen von Rollatoren im Überblick

Rollatoren werden nach ihrer Wirkungsweise unterschieden. Entscheidend für die Auswahl sind Indikation, Heilungsphase und das gewünschte Aktivitätsniveau.

TypWirkungTypische IndikationHMV-Untergruppe
Standard-Rollator
Klassischer Rollator mit Stahlrahmen, vier Rädern, Feststellbremse und klappbarer Sitzfläche. Robust und preisgünstig.
Stabile Gehhilfe mit Sitz- und Abstellmöglichkeit für alltägliche WegeAllgemeine Gangstörungen, altersbedingte Mobilitätseinschränkung10.50.04
Leichtgewicht-Rollator
Rollator mit Aluminium- oder Carbonrahmen, Gewicht unter 7 kg. Leicht zu manövrieren und zu transportieren.
Erleichterte Handhabung, geringere Kraftanforderung beim Schieben und AnhebenReduzierte Armkraft, Arthrose, Einsatz im öffentlichen Nahverkehr10.50.04
Indoor-Rollator
Schmalerer Rollator mit kleinen, wendigen Rädern, optimiert für enge Räume und Türdurchgänge.
Hohe Wendigkeit in der Wohnung, geringes Gewicht, schmale AbmessungenMobilitätseinschränkung in der häuslichen Umgebung, kleine Wohnungen10.50.04
Outdoor-Rollator
Robuster Rollator mit großen, luftbereiften Rädern und verstärktem Rahmen für unebene Untergründe.
Stabile Fortbewegung auf Kopfsteinpflaster, Schotter und WaldwegenAktive Patient:innen mit Außenmobilität auf unebenem Gelände10.50.04
Faltbarer Reise-Rollator
Kompakt faltbarer Rollator mit Schnellfaltsystem, passend für Kofferraum und Flugzeug.
Maximale Mobilität unterwegs, einfacher Transport, geringes PackmaßReiseaktive Patient:innen, Nutzung in öffentlichen Verkehrsmitteln10.50.04

Auszug. Vollständige Einordnung inkl. Herstellerartikel im GKV-Hilfsmittelverzeichnis.

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Aufbau und Wirkprinzip — Rollator

Rollatoren bestehen aus mehreren funktionalen Elementen, die zusammen Stabilität und Mobilität gewährleisten.

Rahmen & Gestell

Leichtmetall- oder Stahlrahmen mit höhenverstellbaren Griffen. Entscheidet über Gewicht, Stabilität und maximale Belastbarkeit (80–180 kg je nach Modell).

Bremssystem (Feststellbremse)

Handbremsen an beiden Griffen mit Feststellfunktion zum sicheren Abstellen. Ergonomische Bremshebel ermöglichen auch bei eingeschränkter Handkraft eine sichere Bedienung.

Sitzfläche & Rückengurt

Integrierte Sitzfläche mit Rückengurt oder Rückenlehne für Pausen unterwegs. Wichtig für Patient:innen mit eingeschränkter Gehstrecke.

Räder & Bereifung

Je nach Einsatzbereich PU-Bereifung (pannensicher, Indoor/Stadtgebrauch) oder Luftbereifung (komfortabel, Outdoor). Durchmesser zwischen 15 und 25 cm.

Ziel: Sichere Mobilität im Alltag

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Häufige Indikationen

Die folgenden Diagnosen führen in der Praxis am häufigsten zu einer Verordnung. Die Auswahl des Versorgungstyps hängt von Schweregrad, Heilungsphase und Aktivitätsniveau ab.

  • GangstörungenUnsicherer, verlangsamter Gang mit erhöhtem Sturzrisiko — häufigste Indikation für Rollatoren.
  • Arthrose (Hüfte/Knie)Degenerative Gelenkerkrankung mit Belastungsschmerz und eingeschränkter Gehstrecke.
  • SturzgefährdungErhöhtes Sturzrisiko durch Gleichgewichtsdefizite, Muskelschwäche oder Medikamentennebenwirkungen.
  • Neurologische ErkrankungenParkinson, Multiple Sklerose oder Schlaganfallfolgen mit beeinträchtigter Gehfähigkeit und Gleichgewicht.
  • Postoperative MobilisationWiederherstellung der Gehfähigkeit nach Hüft- oder Kniegelenks-OP, wenn Unterarmgehstützen nicht ausreichen.
  • Altersbedingte MobilitätseinschränkungAllgemeiner Kräfteverfall (Sarkopenie) und nachlassende Kondition im höheren Lebensalter.
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Versorgungsweg — von Rezept bis Anpassung

Der typische Weg vom ärztlichen Befund bis zur fertig angepassten Rollator dauert in Deutschland zwischen 3 und 14 Tagen.

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    Ärztliche Verordnung

    Hausärzt:in oder Fachärzt:in stellt ein Muster-16-Rezept mit Diagnose, ICD-10-Code und Angabe der PG 10 aus.

    1 Termin
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    Sanitätshaus aufsuchen

    Beratung im Sanitätshaus: Auswahl des passenden Rollator-Typs anhand von Körpergröße, Gewicht, Einsatzbereich und individuellen Anforderungen.

    30 – 45 Minuten
  3. 3

    Kostenvoranschlag & Genehmigung

    Das Sanitätshaus erstellt einen Kostenvoranschlag und reicht diesen bei der Krankenkasse ein. Standard-Rollatoren werden meist ohne Einzelgenehmigung bewilligt.

    3 – 5 Werktage
  4. 4

    Anpassung & Einweisung

    Individuelle Einstellung der Griffhöhe, Bremskraft und ggf. Zubehör. Einweisung in Bedienung, Bremstechnik und sicheres Aufstehen/Hinsetzen.

    30 Minuten
  5. 5

    Nachkontrolle & Service

    Kontrolle nach 2–4 Wochen: Prüfung der Einstellungen, Bremsen und Räder. Regelmäßige Wartung (Bremsen, Bereifung) empfohlen.

    1 Termin jährlich
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Abrechnung und Kosten

Grundlage jeder Abrechnung ist der Vertrag zwischen Leistungserbringer und Krankenkasse. Die folgenden Werte sind Orientierungswerte — verbindliche Preise ergeben sich aus den Kassenverträgen.

VersorgungstypHMV-Nr. (Beispiel)Richtwert GKVZuzahlungGenehmigungspflicht
Standard-Rollator (Kassenmodell)10.50.04.060 – 150 €10 % (mind. 5, max. 10 €)Nein (Regelversorgung)
Leichtgewicht-Rollator10.50.04.1150 – 350 €10 % (mind. 5, max. 10 €) + AufzahlungEinzelfallprüfung bei Aufpreis
Indoor-Rollator (schmal)10.50.04.080 – 180 €10 % (mind. 5, max. 10 €)Nein (Regelversorgung)
Outdoor-Rollator (Sonderausstattung)10.50.04.2200 – 500 €10 % (mind. 5, max. 10 €) + AufzahlungEinzelfallprüfung möglich
Faltbarer Reise-Rollator10.50.04.1180 – 400 €10 % (mind. 5, max. 10 €) + AufzahlungEinzelfallprüfung bei Aufpreis

Hinweis zur Zuzahlungsbefreiung

Versicherte unter 18 Jahren, chronisch Kranke mit Befreiungsbescheid sowie Personen mit überschrittener Belastungsgrenze sind von der Zuzahlung befreit. Den Nachweis erbringt die Krankenkasse.

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Häufige Fragen

Zahlt die Krankenkasse einen Rollator?

Ja, bei ärztlicher Verordnung übernimmt die GKV die Kosten für einen Standard-Rollator (Kassenmodell). Es fällt die gesetzliche Zuzahlung von 10 % (mind. 5 €, max. 10 €) an. Wer ein höherwertiges Modell wählt, zahlt die Differenz als Aufzahlung selbst.

Wie schwer sollte ein Rollator sein?

Standard-Rollatoren wiegen 8–12 kg, Leichtgewicht-Modelle 5–7 kg. Für den Transport im ÖPNV oder Auto empfiehlt sich ein leichtes Modell. Entscheidend ist, dass der Patient den Rollator selbstständig anheben und falten kann.

Kann ich Indoor- und Outdoor-Rollator gleichzeitig bekommen?

Grundsätzlich ja, wenn die medizinische Notwendigkeit nachgewiesen wird. Die Krankenkasse kann eine Zweitversorgung genehmigen, wenn Indoor- und Outdoor-Bedarf deutlich voneinander abweichen. Ärztliche Begründung erforderlich.

Wie stelle ich die richtige Griffhöhe ein?

Aufrecht stehen, Arme locker hängen lassen — die Griffe sollten auf Höhe der Handgelenke sein. Die Ellbogen sind beim Greifen leicht gebeugt (ca. 15–20°). Das Sanitätshaus stellt die Höhe bei der Erstversorgung korrekt ein.

Wie oft muss der Rollator gewartet werden?

Mindestens einmal jährlich sollten Bremsen, Räder und Schraubverbindungen geprüft werden. Das Sanitätshaus bietet in der Regel einen kostenlosen Wartungsservice an. Bei täglicher Nutzung empfiehlt sich eine halbjährliche Kontrolle.

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