Rollatoren sind fahrbare Gehhilfen mit vier Rädern, Bremssystem und integrierter Sitzfläche. Sie bieten sichere Mobilität bei Gangstörungen, Sturzgefährdung und altersbedingten Einschränkungen und werden über PG 10 des Hilfsmittelverzeichnisses verordnet.
Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 10Typen von Rollatoren im Überblick
Rollatoren werden nach ihrer Wirkungsweise unterschieden. Entscheidend für die Auswahl sind Indikation, Heilungsphase und das gewünschte Aktivitätsniveau.
| Typ | Wirkung | Typische Indikation | HMV-Untergruppe |
|---|---|---|---|
| Standard-Rollator Klassischer Rollator mit Stahlrahmen, vier Rädern, Feststellbremse und klappbarer Sitzfläche. Robust und preisgünstig. | Stabile Gehhilfe mit Sitz- und Abstellmöglichkeit für alltägliche Wege | Allgemeine Gangstörungen, altersbedingte Mobilitätseinschränkung | 10.50.04 |
| Leichtgewicht-Rollator Rollator mit Aluminium- oder Carbonrahmen, Gewicht unter 7 kg. Leicht zu manövrieren und zu transportieren. | Erleichterte Handhabung, geringere Kraftanforderung beim Schieben und Anheben | Reduzierte Armkraft, Arthrose, Einsatz im öffentlichen Nahverkehr | 10.50.04 |
| Indoor-Rollator Schmalerer Rollator mit kleinen, wendigen Rädern, optimiert für enge Räume und Türdurchgänge. | Hohe Wendigkeit in der Wohnung, geringes Gewicht, schmale Abmessungen | Mobilitätseinschränkung in der häuslichen Umgebung, kleine Wohnungen | 10.50.04 |
| Outdoor-Rollator Robuster Rollator mit großen, luftbereiften Rädern und verstärktem Rahmen für unebene Untergründe. | Stabile Fortbewegung auf Kopfsteinpflaster, Schotter und Waldwegen | Aktive Patient:innen mit Außenmobilität auf unebenem Gelände | 10.50.04 |
| Faltbarer Reise-Rollator Kompakt faltbarer Rollator mit Schnellfaltsystem, passend für Kofferraum und Flugzeug. | Maximale Mobilität unterwegs, einfacher Transport, geringes Packmaß | Reiseaktive Patient:innen, Nutzung in öffentlichen Verkehrsmitteln | 10.50.04 |
Auszug. Vollständige Einordnung inkl. Herstellerartikel im GKV-Hilfsmittelverzeichnis.
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Aufbau und Wirkprinzip — Rollator
Rollatoren bestehen aus mehreren funktionalen Elementen, die zusammen Stabilität und Mobilität gewährleisten.
Rahmen & Gestell
Leichtmetall- oder Stahlrahmen mit höhenverstellbaren Griffen. Entscheidet über Gewicht, Stabilität und maximale Belastbarkeit (80–180 kg je nach Modell).
Bremssystem (Feststellbremse)
Handbremsen an beiden Griffen mit Feststellfunktion zum sicheren Abstellen. Ergonomische Bremshebel ermöglichen auch bei eingeschränkter Handkraft eine sichere Bedienung.
Sitzfläche & Rückengurt
Integrierte Sitzfläche mit Rückengurt oder Rückenlehne für Pausen unterwegs. Wichtig für Patient:innen mit eingeschränkter Gehstrecke.
Räder & Bereifung
Je nach Einsatzbereich PU-Bereifung (pannensicher, Indoor/Stadtgebrauch) oder Luftbereifung (komfortabel, Outdoor). Durchmesser zwischen 15 und 25 cm.
Ziel: Sichere Mobilität im Alltag
Häufige Indikationen
Die folgenden Diagnosen führen in der Praxis am häufigsten zu einer Verordnung. Die Auswahl des Versorgungstyps hängt von Schweregrad, Heilungsphase und Aktivitätsniveau ab.
-
GangstörungenUnsicherer, verlangsamter Gang mit erhöhtem Sturzrisiko — häufigste Indikation für Rollatoren.
-
Arthrose (Hüfte/Knie)Degenerative Gelenkerkrankung mit Belastungsschmerz und eingeschränkter Gehstrecke.
-
SturzgefährdungErhöhtes Sturzrisiko durch Gleichgewichtsdefizite, Muskelschwäche oder Medikamentennebenwirkungen.
-
Neurologische ErkrankungenParkinson, Multiple Sklerose oder Schlaganfallfolgen mit beeinträchtigter Gehfähigkeit und Gleichgewicht.
-
Postoperative MobilisationWiederherstellung der Gehfähigkeit nach Hüft- oder Kniegelenks-OP, wenn Unterarmgehstützen nicht ausreichen.
-
Altersbedingte MobilitätseinschränkungAllgemeiner Kräfteverfall (Sarkopenie) und nachlassende Kondition im höheren Lebensalter.
Versorgungsweg — von Rezept bis Anpassung
Der typische Weg vom ärztlichen Befund bis zur fertig angepassten Rollator dauert in Deutschland zwischen 3 und 14 Tagen.
- 1
Ärztliche Verordnung
Hausärzt:in oder Fachärzt:in stellt ein Muster-16-Rezept mit Diagnose, ICD-10-Code und Angabe der PG 10 aus.
1 Termin - 2
Sanitätshaus aufsuchen
Beratung im Sanitätshaus: Auswahl des passenden Rollator-Typs anhand von Körpergröße, Gewicht, Einsatzbereich und individuellen Anforderungen.
30 – 45 Minuten - 3
Kostenvoranschlag & Genehmigung
Das Sanitätshaus erstellt einen Kostenvoranschlag und reicht diesen bei der Krankenkasse ein. Standard-Rollatoren werden meist ohne Einzelgenehmigung bewilligt.
3 – 5 Werktage - 4
Anpassung & Einweisung
Individuelle Einstellung der Griffhöhe, Bremskraft und ggf. Zubehör. Einweisung in Bedienung, Bremstechnik und sicheres Aufstehen/Hinsetzen.
30 Minuten - 5
Nachkontrolle & Service
Kontrolle nach 2–4 Wochen: Prüfung der Einstellungen, Bremsen und Räder. Regelmäßige Wartung (Bremsen, Bereifung) empfohlen.
1 Termin jährlich
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Abrechnung und Kosten
Grundlage jeder Abrechnung ist der Vertrag zwischen Leistungserbringer und Krankenkasse. Die folgenden Werte sind Orientierungswerte — verbindliche Preise ergeben sich aus den Kassenverträgen.
| Versorgungstyp | HMV-Nr. (Beispiel) | Richtwert GKV | Zuzahlung | Genehmigungspflicht |
|---|---|---|---|---|
| Standard-Rollator (Kassenmodell) | 10.50.04.0 | 60 – 150 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) | Nein (Regelversorgung) |
| Leichtgewicht-Rollator | 10.50.04.1 | 150 – 350 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) + Aufzahlung | Einzelfallprüfung bei Aufpreis |
| Indoor-Rollator (schmal) | 10.50.04.0 | 80 – 180 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) | Nein (Regelversorgung) |
| Outdoor-Rollator (Sonderausstattung) | 10.50.04.2 | 200 – 500 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) + Aufzahlung | Einzelfallprüfung möglich |
| Faltbarer Reise-Rollator | 10.50.04.1 | 180 – 400 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) + Aufzahlung | Einzelfallprüfung bei Aufpreis |
Hinweis zur Zuzahlungsbefreiung
Versicherte unter 18 Jahren, chronisch Kranke mit Befreiungsbescheid sowie Personen mit überschrittener Belastungsgrenze sind von der Zuzahlung befreit. Den Nachweis erbringt die Krankenkasse.
Häufige Fragen
Zahlt die Krankenkasse einen Rollator?
Ja, bei ärztlicher Verordnung übernimmt die GKV die Kosten für einen Standard-Rollator (Kassenmodell). Es fällt die gesetzliche Zuzahlung von 10 % (mind. 5 €, max. 10 €) an. Wer ein höherwertiges Modell wählt, zahlt die Differenz als Aufzahlung selbst.
Wie schwer sollte ein Rollator sein?
Standard-Rollatoren wiegen 8–12 kg, Leichtgewicht-Modelle 5–7 kg. Für den Transport im ÖPNV oder Auto empfiehlt sich ein leichtes Modell. Entscheidend ist, dass der Patient den Rollator selbstständig anheben und falten kann.
Kann ich Indoor- und Outdoor-Rollator gleichzeitig bekommen?
Grundsätzlich ja, wenn die medizinische Notwendigkeit nachgewiesen wird. Die Krankenkasse kann eine Zweitversorgung genehmigen, wenn Indoor- und Outdoor-Bedarf deutlich voneinander abweichen. Ärztliche Begründung erforderlich.
Wie stelle ich die richtige Griffhöhe ein?
Aufrecht stehen, Arme locker hängen lassen — die Griffe sollten auf Höhe der Handgelenke sein. Die Ellbogen sind beim Greifen leicht gebeugt (ca. 15–20°). Das Sanitätshaus stellt die Höhe bei der Erstversorgung korrekt ein.
Wie oft muss der Rollator gewartet werden?
Mindestens einmal jährlich sollten Bremsen, Räder und Schraubverbindungen geprüft werden. Das Sanitätshaus bietet in der Regel einen kostenlosen Wartungsservice an. Bei täglicher Nutzung empfiehlt sich eine halbjährliche Kontrolle.