Praxiswissen · PG 10

Rollator Anpassung — Einstellung, Sicherheit & Zubehör

Wie Sanitätshäuser Rollatoren fachgerecht anpassen — von der Höheneinstellung über die Bremsenprüfung bis zum Sicherheitscheck und Zubehör.

Zielgruppe: Leistungserbringer im Sanitätshaus PG: PG 10 · Gehhilfen Lesezeit: ca. 7 Minuten Stand: Mai 2026
Kurzantwort

Die fachgerechte Anpassung eines Rollators umfasst Höheneinstellung, Bremsenprüfung, Zubehörauswahl und einen Sicherheitscheck. Eine korrekte Anpassung ist Voraussetzung für die sichere Nutzung und gehört zur Dokumentationspflicht des Sanitätshauses.

Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 10, Leitlinien der DGIHV
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Anpassungsschritte

Die Rollator-Anpassung folgt einem standardisierten Ablauf — jeder Schritt muss dokumentiert werden.

  1. 1

    Griffhöhe einstellen

    Patient stellt sich aufrecht neben den Rollator, Arme hängen locker. Griffhöhe auf Höhe des Handgelenks (Processus styloideus ulnae) einstellen. Leichte Beugung im Ellenbogen (ca. 15–20°) kontrollieren.

    Wichtigster Einstellungsparameter
  2. 2

    Bremsen prüfen und einstellen

    Feststellbremse und Handbremse testen. Bremszüge auf korrekte Spannung prüfen — die Bremse muss mit normaler Handkraft betätigt werden können. Bremsbeläge auf Verschleiß prüfen.

  3. 3

    Räder und Bereifung kontrollieren

    Alle vier Räder auf Leichtgängigkeit und Geradeauslauf prüfen. Reifenprofil und Luftdruck (bei Luftbereifung) kontrollieren. Schwenkräder auf einwandfreie Funktion testen.

  4. 4

    Zubehör montieren und anpassen

    Tablett, Korb, Rückengurt oder Stockhalter je nach Bedarf montieren. Zubehör darf die Standsicherheit und das Fahrverhalten nicht beeinträchtigen.

  5. 5

    Sicherheitscheck und Einweisung

    Gesamtcheck: Klappmechanismus, Standsicherheit, Kippgefahr. Patienten in die korrekte Benutzung einweisen — Bremstechnik, Aufstehen/Hinsetzen, Bordsteinkanten. Einweisung dokumentieren.

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Häufige Anpassungsfehler

Diese Fehler gefährden die Sicherheit des Patienten und können haftungsrechtliche Folgen haben.

  • 1

    Griffhöhe zu hoch eingestellt

    Patient zieht die Schultern hoch und verkrampft — Nacken- und Schulterschmerzen, unsicherer Gang. Die Griffhöhe muss mit locker hängenden Armen eingestellt werden.

  • 2

    Griffhöhe zu niedrig eingestellt

    Patient beugt sich nach vorn und verlagert den Schwerpunkt über den Rollator — erhöhte Sturzgefahr, Rückenschmerzen. Kontrolle: Ellenbogenwinkel ca. 15–20°.

  • 3

    Bremsen nicht geprüft

    Rollator mit schlecht eingestellten Bremsen abgegeben — Patient kann den Rollator an Gefälle nicht kontrollieren. Feststellbremse und Handbremse müssen bei jeder Anpassung getestet werden.

  • 4

    Keine Einweisung dokumentiert

    Patient wurde mündlich eingewiesen, aber die Einweisung nicht dokumentiert. Bei einem Unfall fehlt der Nachweis der fachgerechten Versorgung.

  • 5

    Zubehör beeinträchtigt Standsicherheit

    Schwere Einkaufstasche am Rollator verlagert den Schwerpunkt — Kippgefahr nach hinten. Zubehör muss auf Kompatibilität und Standsicherheit geprüft werden.

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Einstellungsparameter im Überblick

Alle relevanten Einstellungsparameter für die Rollator-Anpassung.

ParameterRichtwertPrüfmethodeDokumentation
GriffhöheHandgelenkshöhe, 15–20° EllenbogenbeugungAufrechter Stand, Arme lockerHöhe in cm notieren
HandbremskraftBetätigung mit normaler HandkraftFunktionstest, BremszugspannungFunktionsfähig: ja/nein
FeststellbremseSicherer Stand bei angezogener BremseRollator auf ebenem Boden fixierenFunktionsfähig: ja/nein
Räder/BereifungLeichtgängig, gerader LaufSichtprüfung, RolltestZustand notieren
KlappmechanismusEinwandfreie Funktion, kein SpielAuf- und Zuklappen testenFunktionsfähig: ja/nein
Gesamtgewicht mit ZubehörStandsicher, kein KippenBelastungstest mit ZubehörStandsicher: ja/nein
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Praxistipp

Probelauf im Geschäft: Lassen Sie den Patienten nach der Anpassung mindestens 10 Meter im Sanitätshaus gehen — geradeaus und um eine Kurve. So erkennen Sie sofort, ob die Griffhöhe stimmt und der Patient sicher bremst. Das dauert zwei Minuten und verhindert Rückrufe.

Anpassungsprotokoll standardisieren: Nutzen Sie ein Formular, das alle Einstellungsparameter, die Patienteneinweisung und die Unterschrift des Patienten erfasst. Das Protokoll ist bei Kassenprüfungen und im Haftungsfall Ihre Absicherung.

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Häufige Fragen aus der Praxis

Auf welche Höhe stelle ich einen Rollator ein?

Die Griffhöhe wird auf Höhe des Handgelenks (Processus styloideus ulnae) eingestellt. Der Patient steht aufrecht mit locker hängenden Armen neben dem Rollator. Im Ergebnis sollte der Ellenbogen ca. 15–20° gebeugt sein.

Muss ich die Rollator-Anpassung dokumentieren?

Ja. Die fachgerechte Anpassung und die Einweisung des Patienten müssen dokumentiert werden. Das Anpassungsprotokoll ist bei Kassenprüfungen und im Haftungsfall erforderlich.

Wie oft sollten die Bremsen geprüft werden?

Bei jeder Anpassung und Abgabe. Danach empfiehlt sich eine halbjährliche Kontrolle — viele Sanitätshäuser bieten einen kostenlosen Bremscheck an, was auch die Kundenbindung stärkt.

Welches Zubehör ist über die Kasse abrechenbar?

Medizinisch notwendiges Zubehör (z. B. Rückengurt bei Sturzgefahr) ist über HMV 10.51 abrechenbar. Komfortzubehör (z. B. Getränkehalter) trägt der Patient selbst.

Was mache ich, wenn der Rollator nach der Anpassung nicht passt?

Nachjustierung ist Teil der Versorgung. Laden Sie den Patienten zur erneuten Anpassung ein. Dokumentieren Sie die Änderungen im Anpassungsprotokoll. Dauerhaft unpassende Modelle können ggf. gegen ein besser geeignetes Modell getauscht werden.

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