Praxiswissen · PG 10

Rezeptprüfung Gehhilfen — Leitfaden für Sanitätshäuser

Wie Sanitätshäuser Rezepte für Gehhilfen systematisch prüfen — von den Pflichtangaben über häufige Ablehnungsgründe bis zur vollständigen Checkliste.

Zielgruppe: Leistungserbringer im Sanitätshaus PG: PG 10 · Gehhilfen Lesezeit: ca. 7 Minuten Stand: Mai 2026
Kurzantwort

Die Rezeptprüfung bei Gehhilfen (PG 10) stellt sicher, dass alle Pflichtangaben vorhanden sind, bevor die Versorgung eingeleitet wird. Unvollständige oder fehlerhafte Verordnungen sind der häufigste Grund für Absetzungen durch die Krankenkassen.

Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 10
01

Prüfschritte bei Rezepteingang

Jedes Rezept für Gehhilfen muss vor der Versorgung systematisch geprüft werden.

  1. 1

    Formale Vollständigkeit prüfen

    Verordnung auf Muster 16 oder gleichwertigem Formular? Datum, Arztstempel, Unterschrift und Versichertendaten vollständig vorhanden?

  2. 2

    Diagnose und ICD-10-Code prüfen

    Diagnose muss die medizinische Notwendigkeit der Gehhilfe begründen. ICD-10-Code muss zur verordneten Produktgruppe passen (z. B. M16 bei Coxarthrose, S82 bei Unterschenkelfraktur).

  3. 3

    Produktbezeichnung validieren

    Die Verordnung muss die Art der Gehhilfe eindeutig benennen — z. B. 'Unterarmgehstütze', 'Rollator' oder 'Gehgestell'. Unspezifische Angaben wie 'Gehhilfe' reichen nicht aus.

  4. 4

    Verordnungsfrist kontrollieren

    Das Rezept darf bei Einlösung nicht älter als 28 Tage (bei Kassenrezepten) sein. Abgelaufene Rezepte müssen vom Arzt neu ausgestellt werden.

  5. 5

    Genehmigungspflicht klären

    Standard-Gehstützen und einfache Rollatoren sind genehmigungsfrei. Spezialversorgungen (z. B. Leichtgewicht-Rollatoren mit Sonderzubehör) erfordern ggf. Kostenvoranschlag und Kassengenehmigung.

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02

Häufige Rezeptfehler

Diese Fehler führen am häufigsten zu Absetzungen bei Gehhilfen-Verordnungen.

  • 1

    Fehlender ICD-10-Code

    Diagnose ist im Freitext angegeben, aber der ICD-10-Code fehlt. Viele Kassen setzen die Abrechnung ohne codierten Diagnoseschlüssel ab.

  • 2

    Unspezifische Produktbezeichnung

    'Gehhilfe' oder 'Mobilitätshilfe' statt konkreter Bezeichnung wie 'Unterarmgehstütze' oder 'Rollator'. Die Kasse kann die HMV-Zuordnung nicht nachvollziehen.

  • 3

    Abgelaufenes Rezept eingelöst

    Rezept ist älter als 28 Tage — die Abrechnung wird von der Kasse abgelehnt. Lösung: Vor der Versorgung immer das Ausstellungsdatum prüfen.

  • 4

    Mengenangabe fehlt

    Bei Gehstützen fehlt die Stückzahl (1× oder 2×). Ohne klare Mengenangabe kann die Kasse die Versorgung von zwei Gehstützen auf eine reduzieren.

  • 5

    Arztstempel unleserlich oder unvollständig

    BSNR oder LANR nicht erkennbar — die Kasse kann den verordnenden Arzt nicht zuordnen und lehnt die Abrechnung ab.

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Pflichtangaben-Checkliste

Alle Pflichtfelder einer Gehhilfen-Verordnung auf einen Blick.

PflichtangabeBeispielHäufiger Fehler
VersichertendatenName, Geburtsdatum, KassennummerAlte Versichertenkarte, Kassenwechsel
Diagnose + ICD-10Coxarthrose (M16.1)Nur Freitext, Code fehlt
ProduktbezeichnungUnterarmgehstütze (2×)'Gehhilfe' ohne Spezifikation
Mengenangabe1 Stück / 1 PaarFehlt komplett
Ausstellungsdatum25.04.2026Rezept abgelaufen (>28 Tage)
Arztstempel + UnterschriftBSNR, LANR, UnterschriftUnleserlicher Stempel
SonderkennzeichenUnfallkasse, BG-NummerBG-Verordnung auf Kassenrezept
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Praxistipp

Rezeptprüfung standardisieren: Legen Sie eine laminierte Checkliste an der Annahme aus. Jedes eingehende Rezept wird vor der Versorgung dagegen geprüft — das reduziert Absetzungen um bis zu 30 %. Unvollständige Rezepte sofort an den Arzt zurückgeben, nicht erst nach der Versorgung klären.

Digitale Rezeptprüfung: Moderne Warenwirtschaftssysteme bieten automatische Plausibilitätschecks (ICD-10 vs. HMV-Nummer, Rezeptalter). Nutzen Sie diese Funktionen aktiv — sie fangen die häufigsten Fehler bereits bei der Erfassung ab.

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Häufige Fragen aus der Praxis

Muss auf dem Rezept für Gehstützen ein ICD-10-Code stehen?

Ja. Seit 2017 ist der ICD-10-Code auf Hilfsmittelverordnungen Pflicht. Ohne codierten Diagnoseschlüssel können Kassen die Abrechnung absetzen.

Wie lange ist ein Rezept für Gehhilfen gültig?

Kassenrezepte müssen innerhalb von 28 Tagen nach Ausstellung eingelöst werden. Danach ist eine Neuausstellung durch den Arzt erforderlich.

Darf ich ein unvollständiges Rezept selbst ergänzen?

Nein. Fehlende Angaben dürfen nur vom verordnenden Arzt ergänzt werden. Das Sanitätshaus kann den Arzt kontaktieren und um Korrektur oder Neuausstellung bitten.

Was ist bei BG-Rezepten anders?

Berufsgenossenschaftliche Verordnungen haben eigene Formulare und Abrechnungswege. BG-Verordnungen dürfen nicht auf einem GKV-Kassenrezept (Muster 16) ausgestellt werden.

Brauche ich für Gehstützen eine Mengendokumentation?

Ja. Das Rezept muss angeben, ob eine oder zwei Gehstützen verordnet werden. Ohne Mengenangabe kann die Kasse die Versorgung auf ein Stück reduzieren.

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