Nach einem Schlaganfall mit Hemiparese wird ein höhenverstellbarer Gehstock mit anatomischem Spezialgriff eingesetzt. Er stützt die gesunde Seite, kompensiert die Schwäche der betroffenen Seite und verbessert das Gangbild in der Rehabilitation.
Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 10Die Diagnose — kurz erklärt
Ein Schlaganfall (Apoplex) führt häufig zu einer Halbseitenlähmung (Hemiparese) — eine Körperhälfte ist in Kraft und Koordination eingeschränkt. In der Rehabilitation ist ein Gehstock auf der gesunden Seite ein wichtiges Hilfsmittel, um das Gehen schrittweise wiederzuerlernen und das Sturzrisiko zu reduzieren.
Passende Gehhilfe
Die Auswahl richtet sich nach der Therapie-Phase. In jeder Phase gibt es Kassen-übliche Versorgungstypen mit definierter Wirkung und Tragezeit.
| Phase | Versorgungstyp | Wirkung | Tragezeit |
|---|---|---|---|
| Akutphase | Vierfußgehstütze (Quadripod) | Maximale Standfläche für erste Gehversuche nach dem Schlaganfall, hohe Kippstabilität. | Stationäre Reha, mehrmals täglich |
| Frührehabilitation | Dreipunktgehstütze mit breiter Basis | Sichere Stütze beim Übergang von stationärer zu ambulanter Rehabilitation. | Ganztags bei allen Gehstrecken |
| Ambulante Rehabilitation | Gehstock mit anatomischem Fritz-Griff | Einseitige Stütze auf der gesunden Seite, ergonomische Griffform für festen Halt. | Ganztags, schrittweise Reduktion |
| Langzeitversorgung | Carbon-Gehstock mit Softgriff | Leichte Dauerstütze für verbleibende Gangschwäche, minimales Gewicht für ermüdungsfreies Tragen. | Bei Bedarf, v. a. außer Haus |
Versorgungswahl bleibt ärztliche Entscheidung
Die Tabelle zeigt typische Versorgungsmuster. Die konkrete Auswahl trifft die behandelnde Ärzt:in in Abstimmung mit der Operateurin oder Physiotherapeut:in.
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Versorgungsweg — von Diagnose bis Gehhilfe
- 1
Neurologische Beurteilung
Neurologe oder Rehabilitationsarzt beurteilt Hemiparese-Grad, Gangbild und Hilfsmittelbedarf.
In der Reha-Klinik - 2
Rezept ausstellen
Verordnung per Muster-16-Rezept mit ICD-10 G81.9 und Hilfsmittelnummer (PG 10). Spezialgriff separat verordnen.
HMV-Nummer angeben - 3
Sanitätshaus aufsuchen
Beratung mit Fokus auf die betroffene Seite: Griffform, Stocklänge und Gummipuffer werden individuell bestimmt.
20 – 30 Minuten - 4
Anpassung & Gehtraining
Gehstock wird auf die korrekte Länge eingestellt, Dreipunktgang und Treppensteigen werden mit Physiotherapeut:in geübt.
In Abstimmung mit Physiotherapie - 5
Nachkontrolle
Regelmäßige Kontrolle während der Rehabilitation: Anpassung an Fortschritte, ggf. Wechsel auf leichteren Stock.
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Tipps für Patient:innen
Stock immer auf der gesunden Seite
Der Gehstock wird auf der nicht betroffenen Seite geführt — er kompensiert die Schwäche der gegenüberliegenden Seite und stabilisiert das Gangbild.
Dreipunktgang üben
Gehstock und betroffenes Bein gleichzeitig vorsetzen, dann das gesunde Bein nachziehen. Dieses Muster mit der Physiotherapie intensiv trainieren.
Treppe: gesund hoch, krank runter
Treppauf mit dem gesunden Bein zuerst, treppab mit dem betroffenen Bein zuerst. Diese Regel immer einhalten — Sturzgefahr!
Gummipuffer regelmäßig wechseln
Abgenutzte Gummipuffer am Stockende verlieren ihre Rutschfestigkeit. Alle 3–6 Monate prüfen und bei Verschleiß austauschen.
Häufige Fragen
Welcher Gehstock eignet sich nach einem Schlaganfall?
In der Frühphase eine Vierfußgehstütze (Quadripod) für maximale Stabilität. Im Verlauf der Rehabilitation wird auf einen Gehstock mit anatomischem Fritz-Griff oder Derby-Griff umgestellt.
Bezahlt die Krankenkasse einen Gehstock nach Schlaganfall?
Ja, bei ärztlicher Verordnung übernimmt die GKV die Kosten abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung (10 %, mind. 5 €, max. 10 €). Spezialgriffe werden bei Begründung ebenfalls übernommen.
Auf welcher Seite trage ich den Gehstock bei Hemiparese?
Der Gehstock wird auf der gesunden (nicht betroffenen) Seite geführt. So wird die Schwäche der gegenüberliegenden Seite kompensiert und das Gangbild stabilisiert.
Brauche ich nach der Reha dauerhaft einen Gehstock?
Das hängt vom Rehabilitationserfolg ab. Viele Patient:innen können den Gehstock schrittweise reduzieren. Bei bleibender Hemiparese ist eine Langzeitversorgung mit leichtem Gehstock üblich.
Was ist ein Fritz-Griff?
Ein Fritz-Griff ist ein anatomisch geformter, breiter Gehstockgriff, der das Gewicht gleichmäßig auf die Handfläche verteilt. Er ist besonders bei eingeschränkter Griffkraft nach Schlaganfall geeignet.