Bei Multipler Sklerose kommen höhenverstellbare Gehstöcke mit ergonomischem Griff zum Einsatz. Sie gleichen die schwankende Gangsicherheit aus und ermöglichen ein längeres, selbstständiges Gehen. Bei fortschreitender Erkrankung wird häufig auf einen Rollator umgestellt.
Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 10Die Diagnose — kurz erklärt
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem die Myelinschicht der Nervenfasern angreift. Die daraus resultierende Gangstörung verläuft schubförmig oder progredient und führt zu Gleichgewichtsproblemen, Muskelschwäche und Fatigue — die Mobilität kann von Tag zu Tag unterschiedlich sein.
Passende Gehhilfe
Die Auswahl richtet sich nach der Therapie-Phase. In jeder Phase gibt es Kassen-übliche Versorgungstypen mit definierter Wirkung und Tragezeit.
| Phase | Versorgungstyp | Wirkung | Tragezeit |
|---|---|---|---|
| EDSS 3–4 (leichte Gangstörung) | Leichtmetall-Gehstock, höhenverstellbar | Zusätzlicher Stützpunkt bei Unsicherheit, Entlastung des schwächeren Beins. | Bei Bedarf, v. a. längere Strecken |
| EDSS 4–5 (moderate Einschränkung) | Gehstock mit ergonomischem Softgriff | Dauerhafte Stabilisierung des Gangbilds, Reduktion des Sturzrisikos. | Ganztags bei Mobilität |
| EDSS 5–6 (schwere Gangstörung) | Zwei Gehstöcke oder Unterarmgehstützen | Beidseitige Abstützung für kurze Gehstrecken, Übergangslösung zum Rollator. | Bei jeder Gehaktivität |
| Schub-Phase (akut) | Rollator oder Rollstuhl (temporär) | Maximale Sicherheit und Entlastung während des Schubs, Sturzprävention. | Während des Schubs, ärztliche Rücksprache |
Versorgungswahl bleibt ärztliche Entscheidung
Die Tabelle zeigt typische Versorgungsmuster. Die konkrete Auswahl trifft die behandelnde Ärzt:in in Abstimmung mit der Operateurin oder Physiotherapeut:in.
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Versorgungsweg — von Diagnose bis Gehhilfe
- 1
Neurologische Beurteilung
Neurologe oder Neurologin bestimmt den EDSS-Wert und beurteilt den aktuellen Mobilitätsgrad.
1 Termin - 2
Rezept ausstellen
Verordnung per Muster-16-Rezept mit ICD-10 G35 und Angabe der gewünschten Gehhilfe (PG 10).
HMV-Nummer angeben - 3
Sanitätshaus aufsuchen
Individuelle Beratung zur passenden Gehhilfe — Griffform, Höheneinstellung und Gewicht werden angepasst.
20 – 30 Minuten - 4
Anpassung & Einweisung
Gehstock wird auf Körpergröße eingestellt, korrekter Einsatz wird demonstriert.
Im Sanitätshaus - 5
Verlaufskontrolle
Regelmäßige Überprüfung, ob die Gehhilfe noch zum aktuellen Mobilitätsgrad passt — bei Verschlechterung Umstieg prüfen.
Alle 6–12 Monate
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Tipps für Patient:innen
Höhe regelmäßig prüfen
Bei MS kann sich die Körperhaltung verändern. Die Stockhöhe sollte regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf angepasst werden.
Fatigue einplanen
An Tagen mit starker Fatigue kann ein Rollator sinnvoll sein, auch wenn der Gehstock sonst ausreicht. Flexibilität ist wichtig.
Sturzrisiko nicht unterschätzen
Bei Schüben oder an schlechten Tagen auf keinen Fall ohne Gehhilfe gehen — das Sturzrisiko ist bei MS deutlich erhöht.
Ergänzende Physiotherapie
Gezieltes Gleichgewichtstraining und Gangschule ergänzen die Gehhilfe und helfen, die Gehfähigkeit länger zu erhalten.
Häufige Fragen
Welche Gehhilfe ist bei Multipler Sklerose am besten?
Das hängt vom EDSS-Wert ab. Bei leichter Gangstörung reicht ein Gehstock, bei stärkerer Einschränkung sind Unterarmgehstützen oder ein Rollator besser geeignet. Die Versorgung sollte flexibel angepasst werden.
Bezahlt die Krankenkasse einen Gehstock bei MS?
Ja, bei ärztlicher Verordnung übernimmt die GKV die Kosten abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung (10 %, mind. 5 €, max. 10 €).
Wann sollte ich bei MS auf einen Rollator umsteigen?
Wenn der Gehstock nicht mehr ausreichend Sicherheit bietet — typischerweise ab EDSS 5–6 oder wenn die Gehstrecke unter 100 Meter fällt. Der Neurologe berät individuell.
Brauche ich bei MS zwei Gehstöcke?
Bei beidseitiger Schwäche oder starker Gangunsicherheit können zwei Gehstöcke sinnvoll sein. Alternativ bieten Unterarmgehstützen mehr Halt und entlasten die Handgelenke.
Kann ich bei MS zwischen Gehstock und Rollator wechseln?
Ja, das ist bei MS sogar empfehlenswert. Viele Betroffene nutzen an guten Tagen den Gehstock und an schlechteren Tagen den Rollator. Beide können gleichzeitig verordnet werden.