Gehstöcke sind einhändig geführte Gehhilfen, die bei leichten Gangstörungen und einseitiger Entlastung Stabilität bieten. Sie werden als einfache Stöcke, Vierpunktstöcke oder mit ergonomischen Griffen über PG 10 verordnet.
Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 10Typen von Gehstöcke im Überblick
Gehstöcke werden nach ihrer Wirkungsweise unterschieden. Entscheidend für die Auswahl sind Indikation, Heilungsphase und das gewünschte Aktivitätsniveau.
| Typ | Wirkung | Typische Indikation | HMV-Untergruppe |
|---|---|---|---|
| Einfacher Gehstock Klassischer einbeiniger Gehstock aus Aluminium mit höhenverstellbarem Schaft und Gummipuffer. | Einseitige Entlastung und leichte Stabilisierung des Gangbildes | Leichte Gangstörungen, einseitige Gelenkbeschwerden | 10.39.01 |
| Vierpunktstock (Quad Cane) Gehstock mit vier kleinen Standfüßen am unteren Ende. Steht selbstständig und bietet erhöhte Standsicherheit. | Deutlich erhöhte Standfläche und freistehende Abstellmöglichkeit | Hemiparese nach Schlaganfall, stärkere Gleichgewichtsunsicherheit | 10.39.02 |
| Fritz-Griff-Stock Gehstock mit flachem, anatomisch geformtem Griff (Fritz-Griff), der eine großflächige Auflagefläche bietet. | Druckverteilung auf die gesamte Handinnenfläche, entlastet das Handgelenk | Arthrose im Handgelenk, Karpaltunnelsyndrom, Rheuma der Hand | 10.39.01 |
| Anatomischer Gehstock Gehstock mit ergonomisch geformtem Softgriff, der sich der Handform anpasst. Rechts-/Links-Ausführung. | Optimale Kraftübertragung und Druckentlastung bei langem Gebrauch | Langzeit-Gehstocknutzung, empfindliche Hände, Arthritis | 10.39.01 |
| Faltstock Gehstock mit Faltmechanismus (3–5 Segmente), der in der Tasche verstaut werden kann. | Kompakte Mitnahme auf Reisen und im Alltag, wenn der Stock nur zeitweise benötigt wird | Intermittierende Gangstörungen, Reisebedarf, situativer Einsatz | 10.39.01 |
Auszug. Vollständige Einordnung inkl. Herstellerartikel im GKV-Hilfsmittelverzeichnis.
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Aufbau und Wirkprinzip — Gehstock
Gehstöcke bestehen aus mehreren funktionalen Elementen, die zusammen Stabilität und Mobilität gewährleisten.
Schaft (Aluminium/Carbon)
Höhenverstellbarer Schaft aus eloxiertem Aluminium oder Carbon. Leichtgewicht-Modelle wiegen ab 200 g. Stufenlose oder Druckknopf-Verstellung.
Griffform (Fritz/Derby/Anatomisch)
Der Fritz-Griff verteilt das Gewicht auf die Handfläche, der Derby-Griff eignet sich zum Einhängen am Arm. Anatomische Griffe werden individuell rechts/links gefertigt.
Gummipuffer
Austauschbare Gummikappe am Stockende für Rutschhemmung auf glatten Böden. Für Eis und Schnee gibt es Eispickel-Aufsätze als Zubehör.
Handschlaufe
Verstellbare Schlaufe am Griff, die ein versehentliches Fallenlassen verhindert. Bei ergonomischen Stöcken mit gepolsterter Ausführung.
Ziel: Sichere Mobilität im Alltag
Häufige Indikationen
Die folgenden Diagnosen führen in der Praxis am häufigsten zu einer Verordnung. Die Auswahl des Versorgungstyps hängt von Schweregrad, Heilungsphase und Aktivitätsniveau ab.
-
Leichte GangstörungenUnsicherer Gang mit leichtem Schwankungsrisiko, der durch einseitige Abstützung ausreichend stabilisiert werden kann.
-
Hemiparese nach SchlaganfallEinseitige Lähmung mit eingeschränkter Beinfunktion — der Gehstock unterstützt die betroffene Seite.
-
Arthrose Hüfte/KnieDegenerative Gelenkerkrankung mit Belastungsschmerz — der Stock entlastet das betroffene Gelenk um bis zu 25 %.
-
GleichgewichtsunsicherheitLeichte bis mittlere Gleichgewichtsdefizite, bei denen ein zusätzlicher Bodenkontaktpunkt ausreicht.
-
Entlastung einer KörperseiteGezielte Entlastung eines Beines nach Verletzung, OP oder bei chronischen Schmerzen — kontralaterale Nutzung.
Versorgungsweg — von Rezept bis Anpassung
Der typische Weg vom ärztlichen Befund bis zur fertig angepassten Gehstock dauert in Deutschland zwischen 3 und 14 Tagen.
- 1
Ärztliche Verordnung
Hausärzt:in oder Orthopäd:in stellt ein Muster-16-Rezept mit Diagnose und PG 10-Angabe aus.
1 Termin - 2
Sanitätshaus aufsuchen
Beratung zur Griffform und Stocktyp. Auswahl anhand der Indikation, Handgröße und Nutzungshäufigkeit.
15 – 20 Minuten - 3
Kostenvoranschlag
Einfache Gehstöcke sind Regelversorgung und benötigen keine Einzelgenehmigung. Bei Sonderausstattung wird ein Kostenvoranschlag eingereicht.
Entfällt bei Standardversorgung - 4
Anpassung & Einweisung
Höheneinstellung auf Handgelenksniveau bei aufrechtem Stand. Einweisung in die korrekte Stockseite (kontralateral zum betroffenen Bein) und Gangtechnik.
10 – 15 Minuten - 5
Nachkontrolle
Prüfung nach 2–4 Wochen: Griffhöhe korrekt, Gummipuffer intakt, Gangtechnik sicher? Ggf. Griffwechsel.
1 Termin
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Abrechnung und Kosten
Grundlage jeder Abrechnung ist der Vertrag zwischen Leistungserbringer und Krankenkasse. Die folgenden Werte sind Orientierungswerte — verbindliche Preise ergeben sich aus den Kassenverträgen.
| Versorgungstyp | HMV-Nr. (Beispiel) | Richtwert GKV | Zuzahlung | Genehmigungspflicht |
|---|---|---|---|---|
| Einfacher Gehstock (Standard) | 10.39.01.0 | 10 – 25 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) | Nein (Regelversorgung) |
| Vierpunktstock (Quad Cane) | 10.39.02.0 | 30 – 60 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) | Nein (Regelversorgung) |
| Anatomischer Gehstock (Softgriff) | 10.39.01.1 | 20 – 45 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) | Nein (Regelversorgung) |
| Faltstock | 10.39.01.2 | 20 – 40 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) | Nein (Regelversorgung) |
| Eispickel-Aufsatz (Zubehör) | 10.99.01.0 | 8 – 15 € | Keine (Zubehör) | Nein |
Hinweis zur Zuzahlungsbefreiung
Versicherte unter 18 Jahren, chronisch Kranke mit Befreiungsbescheid sowie Personen mit überschrittener Belastungsgrenze sind von der Zuzahlung befreit. Den Nachweis erbringt die Krankenkasse.
Häufige Fragen
Auf welcher Seite trage ich den Gehstock?
Der Gehstock wird kontralateral geführt — also auf der gesunden Seite. Wenn das linke Knie schmerzt, gehört der Stock in die rechte Hand. So wird das betroffene Bein beim Auftreten optimal entlastet.
Zahlt die Kasse einen Gehstock?
Ja, bei ärztlicher Verordnung übernimmt die GKV die Kosten für einen Standard-Gehstock. Die gesetzliche Zuzahlung beträgt 10 % (mind. 5 €, max. 10 €). Höherwertige Griffe oder Faltstöcke können eine geringe Aufzahlung verursachen.
Wann brauche ich einen Vierpunktstock statt eines einfachen Stocks?
Ein Vierpunktstock empfiehlt sich bei stärkerer Gleichgewichtsunsicherheit, z. B. nach einem Schlaganfall. Die vier Standfüße bieten deutlich mehr Stabilität und der Stock steht selbstständig — das erleichtert das Aufstehen und Hinsetzen.
Wie oft muss der Gummipuffer gewechselt werden?
Bei täglicher Nutzung alle 3–6 Monate. Ein abgenutzter Puffer erkennt man am glatten Profil — dann wird der Stock auf glatten Böden zur Rutschgefahr. Ersatzpuffer gibt es im Sanitätshaus für wenige Euro.