Bei Beinlängendifferenz kommen Beinlängenausgleichseinlagen mit Fersenerhöhung, Bettungseinlagen mit integriertem Höhenausgleich und bei größerer Differenz orthopädische Schuhzurichtungen zum Einsatz. Sie stellen das Becken gerade und verhindern aufsteigende Beschwerden.
Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 08Die Diagnose — kurz erklärt
Eine Beinlängendifferenz (BLD) kann anatomisch (echter Längenunterschied der Knochen) oder funktionell (durch Muskelverkürzung, Beckenverwringung oder Fußfehlstellung) bedingt sein. Bereits ab 5 mm kippt das Becken messbar, und die Wirbelsäule kompensiert mit einer funktionellen Skoliose. Langfristig führt die einseitige Belastung zu Knieschmerzen, Hüftarthrose und chronischen Rückenschmerzen — Beschwerden, die durch einen einfachen Beinlängenausgleich oft vermeidbar wären.
Passende Einlagen
Die Auswahl richtet sich nach der Therapie-Phase. In jeder Phase gibt es Kassen-übliche Einlagentypen mit definierter Wirkung und Tragezeit.
| Phase | Einlagentyp | Wirkung | Tragezeit |
|---|---|---|---|
| Sofortversorgung | Fersenerhöhungseinlage (3–10 mm) | Schneller Ausgleich der Beinlängendifferenz, Beckengeradstellung. | Ganztags in geschlossenen Schuhen |
| Vollausgleich | Bettungseinlage mit integrierter Fersenerhöhung (10–15 mm) | Vollständiger Ausgleich mit zusätzlicher Fußbettung und Gewölbestütze. | Ganztags |
| Größere Differenz (> 15 mm) | Einlage + orthopädische Schuhzurichtung | Kombination aus Einlagen-Höhenausgleich und Sohlenerhöhung am Schuh. | Ganztags in zugerichteten Schuhen |
Einlagenwahl bleibt ärztliche Entscheidung
Die Tabelle zeigt typische Versorgungsmuster. Die konkrete Auswahl trifft die behandelnde Ärzt:in in Abstimmung mit der Operateurin oder Physiotherapeut:in.
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Versorgungsweg — von Diagnose bis Einlage
- 1
Diagnose & Messung
Orthopäd:in bestimmt die Beinlängendifferenz durch klinische Untersuchung (Brettchentest, Beckenstandmessung) und ggf. Röntgen-Ganzbeinaufnahme.
1 Termin - 2
Rezept ausstellen
Verordnung per Muster-16-Rezept mit ICD-10 M21.7 und HMV-Nummer (PG 08). Angabe der Differenz in mm empfohlen.
HMV-Nummer angeben - 3
Sanitätshaus aufsuchen
Fußvermessung und exakte Beinlängenmessung. Abstimmung des Ausgleichs (Einlage, Schuhzurichtung oder Kombination).
30 – 45 Minuten - 4
Fertigung & Anpassung
Individuelle Einlage mit Höhenausgleich. Anprobe mit Beckenstandkontrolle und Gangprüfung.
5 – 10 Werktage - 5
Nachkontrolle
Kontrolle nach 4 Wochen. Beckenstand und Beschwerden werden bewertet. Ggf. schrittweise Anpassung des Höhenausgleichs.
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Tipps für Patient:innen
Schrittweiser Ausgleich
Bei langjähriger Beinlängendifferenz empfiehlt es sich, den Ausgleich schrittweise aufzubauen (z. B. erst 50 %, nach 4 Wochen voll). Die Muskulatur muss sich an die neue Beckenstellung anpassen.
Beide Seiten versorgen
Auch das ‚längere' Bein profitiert von einer Einlage (ohne Erhöhung), die den Fuß stützt und das Gangbild symmetrischer macht.
Funktionelle vs. anatomische Differenz klären
Eine funktionelle Beinlängendifferenz (durch Muskelverkürzung oder Beckenverwringung) kann durch Physiotherapie und Dehnung reduziert werden. Eine anatomische Differenz bleibt dauerhaft und braucht einen permanenten Ausgleich.
Regelmäßig kontrollieren lassen
Besonders bei Kindern und Jugendlichen kann sich die Beinlängendifferenz im Wachstum verändern. Jährliche Kontrolle und Anpassung des Ausgleichs sind wichtig.
Häufige Fragen
Ab welcher Beinlängendifferenz brauche ich eine Einlage?
Als Faustregel: Ab 5 mm Differenz ist eine Versorgung sinnvoll, wenn Beschwerden in Knie, Hüfte oder Rücken bestehen. Auch ohne Beschwerden kann ein Ausgleich präventiv empfohlen werden, um Langzeitschäden zu vermeiden.
Kann eine Einlage die volle Beinlängendifferenz ausgleichen?
Bis ca. 15 mm ja — über eine integrierte Fersenerhöhung in der Einlage. Bei größerer Differenz wird zusätzlich eine Sohlenerhöhung am Schuh (orthopädische Schuhzurichtung) benötigt.
Muss ich die Einlage lebenslang tragen?
Bei anatomischer Beinlängendifferenz ja, da der Knochenunterschied dauerhaft besteht. Bei funktioneller Differenz kann der Ausgleich nach erfolgreicher Physiotherapie ggf. reduziert werden.
Zahlt die Krankenkasse den Beinlängenausgleich?
Ja. Einlagen mit Fersenerhöhung werden als Bettungs- oder Korrektureinlage über PG 08 abgerechnet. Orthopädische Schuhzurichtungen laufen über PG 31. Es fällt die gesetzliche Zuzahlung an.
Kann eine Beinlängendifferenz Rückenschmerzen verursachen?
Ja, das ist einer der häufigsten Zusammenhänge. Die Differenz kippt das Becken, und die Wirbelsäule kompensiert mit einer funktionellen Skoliose. Einlagen als Basistherapie werden bei Rückenschmerzen leider oft erst spät in Betracht gezogen.