Bei diabetischer Polyneuropathie kommen Weichbettungseinlagen mit druckverteilender Lagerung und nahtfreiem Bezug zum Einsatz. Sie schützen den Fuß vor Druckschäden, die aufgrund des Sensibilitätsverlusts nicht wahrgenommen werden.
Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 08Die Diagnose — kurz erklärt
Die diabetische Polyneuropathie (PNP) ist eine Nervenschädigung als Folge von Diabetes mellitus. Sie betrifft typischerweise zunächst die Füße (strumpfförmig) und führt zu Sensibilitätsverlust, Taubheit und Missempfindungen. Druckstellen und Verletzungen werden nicht mehr wahrgenommen.
Passende Einlagen
Die Auswahl richtet sich nach der Therapie-Phase. In jeder Phase gibt es Kassen-übliche Einlagentypen mit definierter Wirkung und Tragezeit.
| Phase | Einlagentyp | Wirkung | Tragezeit |
|---|---|---|---|
| Prävention | Weichbettungseinlage (Shore-A-angepasst) | Großflächige Druckverteilung, Schutz vor Druckspitzen an empfindlichen Stellen. | Ganztags in geeignetem Schuh |
| Bei nachgewiesener Gefährdung | DAF Typ 1 (diabetesadaptierte Fußbettung) | Mehrschichtige Weichbettung mit individueller Druckanpassung. | Ganztags im Diabetesschutzschuh |
| Nach Ulkus | DAF mit Freistellungen und Rezidivschutz | Druckfreie Lagerung vulnerabler Areale, Narbengewebeschutz. | Dauerhaft |
Einlagenwahl bleibt ärztliche Entscheidung
Die Tabelle zeigt typische Versorgungsmuster. Die konkrete Auswahl trifft die behandelnde Ärzt:in in Abstimmung mit der Operateurin oder Physiotherapeut:in.
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Versorgungsweg — von Diagnose bis Einlage
- 1
Ärztliche Diagnose
Diabetolog:in oder Neurolog:in diagnostiziert die Polyneuropathie (Stimmgabeltest, NLG) und dokumentiert den Schweregrad.
1 Termin - 2
Rezept ausstellen
Verordnung per Muster-16-Rezept mit ICD-10 G63.2 und HMV-Nummer (PG 08.03.03 bei DFS-Risiko).
HMV-Nummer angeben - 3
Sanitätshaus aufsuchen
Fußabdruck, Sensibilitätsprüfung und Dokumentation der Risikostellen.
45 – 60 Minuten - 4
Fertigung & Anpassung
Weichbettungseinlage oder DAF wird individuell gefertigt und im Schuh angepasst.
7 – 14 Werktage - 5
Regelmäßige Nachkontrolle
Kontrolle alle 3–6 Monate: Fußzustand, Einlage und Druckstellen prüfen.
alle 3–6 Monate
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Tipps für Patient:innen
Füße täglich kontrollieren
Bei Polyneuropathie spürt man Verletzungen nicht. Jeden Tag die Füße visuell auf Rötungen, Blasen und Druckstellen inspizieren.
Temperatur prüfen
Badewasser immer mit dem Ellenbogen testen — die Füße können die Temperatur nicht mehr zuverlässig wahrnehmen. Verbrühungsgefahr!
Nahtfreie Socken tragen
Socken ohne Nähte und ohne enges Gummiband reduzieren die Reibung und Einschnürung am sensibilitätsgestörten Fuß.
Podologie regelmäßig nutzen
Podologische Behandlung bei diabetischer PNP wird von der GKV übernommen und ist ein wichtiger Baustein der Fußpflege.
Häufige Fragen
Brauche ich bei Polyneuropathie spezielle Einlagen?
Ja, bei diabetischer Polyneuropathie mit Fußgefährdung sind Weichbettungseinlagen oder diabetesadaptierte Fußbettungen (DAF) empfohlen, um Druckschäden vorzubeugen.
Bezahlt die Kasse Einlagen bei Polyneuropathie?
Ja, bei dokumentiertem DFS-Risiko übernimmt die GKV die Kosten für DAF (HMV 08.03.03). Auch Weichbettungseinlagen sind Kassenleistung bei ärztlicher Verordnung.
Wie merke ich, ob meine Einlage noch passt?
Da die Sensibilität eingeschränkt ist, sollten Sie die Einlage regelmäßig im Sanitätshaus kontrollieren lassen (alle 3–6 Monate). Achten Sie auf sichtbare Druckstellen an den Füßen.
Kann Polyneuropathie rückgängig gemacht werden?
Eine bestehende Nervenschädigung ist meist nicht reversibel. Eine gute Blutzuckereinstellung kann das Fortschreiten verlangsamen. Einlagen und Fußpflege schützen den bereits geschädigten Fuß.
Welche Schuhe sind bei Polyneuropathie geeignet?
Schuhe mit weichem Obermaterial, ausreichend Platz und herausnehmbarer Innensohle. Ab DFS-Risikoklasse 1 kommen Diabetesschutzschuhe (PG 31) infrage.