Indikations-Match · Diabetes

Diabetisches Fußsyndrom — welche Einlage?

Beim diabetischen Fußsyndrom schützt eine diabetesadaptierte Fußbettung (DAF) mit Weichbettung und Druckentlastung vor Ulzerationen. Welche Einlagentypen eingesetzt werden und worauf Patient:innen achten müssen.

ICD-10: E11.74 (Typ 2) / E10.74 (Typ 1) PG: PG 08 · Einlagen Lesezeit: ca. 8 Minuten Stand: Mai 2026
Kurzantwort

Beim diabetischen Fußsyndrom kommen diabetesadaptierte Fußbettungen (DAF) mit mehrschichtiger Weichbettung und individuellen Freistellungen zum Einsatz. Sie schützen den neuropathisch vorgeschädigten Fuß vor Druckstellen und Ulzerationen.

Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 08
01

Die Diagnose — kurz erklärt

Das diabetische Fußsyndrom (DFS) entsteht durch die Kombination aus diabetischer Polyneuropathie und/oder peripherer Durchblutungsstörung (pAVK). Durch den Sensibilitätsverlust werden Druckstellen nicht mehr wahrgenommen — es drohen Ulzerationen mit hohem Amputationsrisiko.

ICD-10
E11.74 / E10.74
DFS bei Typ-2- bzw. Typ-1-Diabetes
Rezidivrisiko
Bis zu 70 % ohne Versorgung
Risiko eines erneuten Ulkus innerhalb von 5 Jahren
Therapieziel
Ulkusprävention & Druckschutz
DAF + Diabetesschutzschuh + Podologie
Risikoklassen
Wagner/Armstrong 0–5
Einlagenversorgung ab Risikoklasse 1
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Passende Einlagen

Die Auswahl richtet sich nach der Therapie-Phase. In jeder Phase gibt es Kassen-übliche Einlagentypen mit definierter Wirkung und Tragezeit.

PhaseEinlagentypWirkungTragezeit
GrundversorgungDAF Typ 1 (Weichbettung)Großflächige Druckverteilung, Vermeidung von Druckspitzen unter dem Fuß.Ganztags im Diabetesschutzschuh
Erhöhter SchutzDAF Typ 2 (erweiterte Weichbettung mit Freistellungen)Maximale Druckentlastung an gefährdeten Stellen, Hohllegung an Narbenarealen.Ganztags
RezidivprophylaxeDAF mit gezielten Freistellungen und RezidivschutzDruckfreie Lagerung ehemaliger Ulkusstellen, Schutz des Narbengewebes.Dauerhaft
ÜbergangInterimsversorgung (temporäre Weichbettung)Sofortschutz nach Ulkusabheilung bis zur Fertigung der definitiven DAF.Übergangsweise

Einlagenwahl bleibt ärztliche Entscheidung

Die Tabelle zeigt typische Versorgungsmuster. Die konkrete Auswahl trifft die behandelnde Ärzt:in in Abstimmung mit der Operateurin oder Physiotherapeut:in.

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Versorgungsweg — von Diagnose bis Einlage

  1. 1

    Ärztliche Diagnose & Risikoklassifikation

    Diabetolog:in oder Orthopäd:in klassifiziert das DFS nach Wagner/Armstrong und dokumentiert die Risikogruppe.

    1 Termin
  2. 2

    Rezept ausstellen

    Verordnung per Muster-16-Rezept mit ICD-10 E11.74/E10.74 und HMV-Nummer 08.03.03.

    HMV 08.03.03
  3. 3

    Sanitätshaus mit DFS-Qualifikation

    Zertifiziertes Sanitätshaus aufsuchen: Fußabdruck, Pedografie und Dokumentation aller Risikostellen.

    45 – 60 Minuten
  4. 4

    Fertigung & Anpassung

    Individuell gefertigte DAF mit mehrschichtigem Aufbau. Sorgfältige Anprobe im Diabetesschutzschuh.

    7 – 14 Werktage
  5. 5

    Regelmäßige Nachkontrolle

    Kontrolle alle 3–6 Monate: Druckstellencheck, Materialkontrolle und ggf. Nachanpassung.

    alle 3–6 Monate
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Tipps für Patient:innen

Füße täglich inspizieren

Jeden Tag die Füße auf Rötungen, Druckstellen und Verletzungen kontrollieren. Bei eingeschränkter Beweglichkeit einen Spiegel nutzen.

Niemals barfuß laufen

Bei diabetischem Fußsyndrom niemals barfuß laufen — auch nicht in der Wohnung. Verletzungen werden nicht wahrgenommen.

Schuhe vor dem Anziehen prüfen

Vor dem Anziehen in den Schuh fassen und auf Fremdkörper (Steine, Falten im Futter) prüfen.

Podologie regelmäßig wahrnehmen

Regelmäßige podologische Behandlung (auf Kassenkosten bei DFS) ergänzt die Einlagenversorgung und schützt die Haut.

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Häufige Fragen

Was ist eine diabetesadaptierte Fußbettung (DAF)?

Eine speziell für Diabetiker:innen gefertigte Einlage mit mehrschichtiger Weichbettung, die den Fuß druckfrei lagert und Ulzerationen vorbeugt. Sie wird nach Maß gefertigt und passt in Diabetesschutzschuhe.

Bezahlt die Kasse Einlagen beim diabetischen Fußsyndrom?

Ja, DAF sind bei diagnostiziertem DFS Regelversorgung (HMV 08.03.03). Die gesetzliche Zuzahlung beträgt 10 % (mind. 5 €, max. 10 €).

Kann ich DAF in normalen Schuhen tragen?

DAF sind für Diabetesschutzschuhe konzipiert. Normale Schuhe bieten meist nicht genügend Volumen für die dickere Weichbettung.

Wie oft werden DAF erneuert?

Alle 6–12 Monate, bei starker Beanspruchung auch häufiger. Regelmäßige Kontrollen alle 3–6 Monate im Sanitätshaus sind empfohlen.

Was ist der Unterschied zwischen DAF und normalen Einlagen?

DAF verwenden weichere Materialien (Shore-A 15–35), haben Freistellungen an gefährdeten Stellen und einen nahtfreien Bezug. Normale Einlagen korrigieren die Fußstatik, DAF priorisieren den Schutz vor Druckverletzungen.

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