Diabetes-Einlagen (diabetesadaptierte Fußbettungen, DAF) schützen den neuropathisch vorgeschädigten Fuß vor Druckstellen und Ulzerationen. Sie sind ein zentraler Bestandteil der Versorgung beim diabetischen Fußsyndrom und werden über HMV PG 08.03.03 abgerechnet.
Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 08Typen von Diabetes-Einlagen im Überblick
Diabetes-Einlagen werden nach ihrer Wirkungsweise unterschieden. Entscheidend für die Auswahl sind Indikation, Heilungsphase und das gewünschte Aktivitätsniveau.
| Typ | Wirkung | Typische Indikation | HMV-Untergruppe |
|---|---|---|---|
| DAF Typ 1 (diabetesadaptierte Fußbettung Grundversorgung) Weichbettungseinlage aus mehrschichtigem EVA/Plastazote mit individueller Fußbettung. | Großflächige Druckverteilung, Vermeidung von Druckspitzen unter dem Fuß | Diabetisches Fußsyndrom ohne Ulkus, diabetische Polyneuropathie | 08.03.03 |
| DAF Typ 2 (erhöhter Schutz) Erweiterte Weichbettung mit zusätzlichen Polsterzonen und tieferer Fußfassung. | Maximale Druckentlastung und Scherungsvermeidung an gefährdeten Stellen | Diabetisches Fußsyndrom mit Z. n. Ulkus, schwere Neuropathie | 08.03.03 |
| DAF mit Rezidivprophylaxe Einlage mit gezielten Freistellungen (Hohllegungen) an ehemaligen Ulkusstellen. | Druckfreie Lagerung von Narbengewebe und gefährdeten Arealen zur Ulkusprävention | Zustand nach Ulcus, Rezidivprophylaxe, Charcot-Fuß | 08.03.03 |
| Weichbettungseinlage (Shore-A-angepasst) Einlage aus Materialien mit definierten Shore-A-Härtegraden, individuell auf den Patientenfuß abgestimmt. | Anpassbare Druckentlastung durch Materialkombinationen unterschiedlicher Härte | Diabetische Neuropathie, Druckstellen bei pAVK, empfindliche Haut | 08.03.03 |
| Silikoneinlage (Diabetes) Vollkontakteinlage aus medizinischem Silikon für maximale Druckverteilung. | Gleichmäßige Druckverteilung über die gesamte Fußsohle, hohe Stoßabsorption | Schweres diabetisches Fußsyndrom, postoperativ, Teilamputationen | 08.03.03 |
| Interimsversorgung (Übergangsbettung) Temporäre Weichbettung zur Sofortversorgung, bis die definitive DAF gefertigt ist. | Kurzfristiger Schutz vor Druckstellen in der Übergangszeit | Akute Versorgung nach Ulkusabheilung, Wartezeit auf definitive Versorgung | 08.03.03 |
Auszug. Vollständige Einordnung inkl. Herstellerartikel im GKV-Hilfsmittelverzeichnis.
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Aufbau und Wirkprinzip — Diabetes-Einlage
Diabetes-Einlagen: Mehrere funktionale Elemente erzeugen zusammen Stützung, Korrektur und Druckentlastung.
Mehrschichtige Weichbettung
Zwei- bis dreischichtiger Aufbau aus Materialien unterschiedlicher Shore-A-Härte (z. B. weich 15 Shore-A oben, mittelfest 35 Shore-A als Kern) für optimale Druckverteilung.
Individuelle Freistellungen
Hohllegungen an druckgefährdeten Stellen (Metatarsalköpfchen, Ferse, Narbenareale), die den Kontaktdruck auf unter 200 kPa senken.
Tiefe Fußfassung
Schalenförmige Bauweise, die den Fuß allseitig fasst und seitliches Verrutschen verhindert — wichtig bei eingeschränkter Sensibilität.
Diabetesgerechter Bezug
Nahtfreier, reibungsarmer Bezug aus weichem Leder oder speziellem Textil, der keine Scheuerstellen verursacht.
Ziel: Korrektur und Entlastung
Häufige Indikationen
Die folgenden Diagnosen führen in der Praxis am häufigsten zu einer Verordnung. Die Auswahl des Einlagentyps hängt von Schweregrad, Heilungsphase und Aktivitätsniveau ab.
-
Diabetisches Fußsyndrom (DFS)Kombination aus Neuropathie und/oder Durchblutungsstörung mit erhöhtem Risiko für Fußulzerationen.
-
Diabetische PolyneuropathieNervenschädigung mit Sensibilitätsverlust an den Füßen — Druckstellen werden nicht mehr wahrgenommen.
-
Zustand nach Ulcus (Rezidivprophylaxe)Abgeheiltes Fußgeschwür mit hohem Rezidivrisiko — bis zu 70 % Rezidivrate ohne adäquate Versorgung.
-
Charcot-Fuß (DNOAP)Diabetische neuroosteoarthropathische Fußdeformität mit veränderter Druckverteilung.
-
pAVK mit FußbeteiligungPeriphere arterielle Verschlusskrankheit mit vulnerabler Haut und erhöhtem Ulkusrisiko.
-
Zustand nach Vorfuß-TeilamputationVeränderte Fußstatik nach Amputation von Zehen oder Mittelfußanteilen mit Druckumverteilung.
Versorgungsweg — von Rezept bis Anpassung
Der typische Weg vom ärztlichen Befund bis zur fertig angepassten Diabetes-Einlage dauert in Deutschland zwischen 3 und 14 Tagen.
- 1
Ärztliche Diagnose & Risikoklassifikation
Diabetolog:in oder Orthopäd:in klassifiziert das DFS nach Wagner/Armstrong und dokumentiert die Risikogruppe.
1 Termin - 2
Rezept ausstellen
Verordnung per Muster-16-Rezept mit ICD-10-Codes (z. B. E11.74 DFS, G63.2 Polyneuropathie) und HMV 08.03.03.
HMV-Nummer 08.03.03 - 3
Sanitätshaus mit DFS-Qualifikation
Aufsuchen eines zertifizierten Sanitätshauses: Fußabdruck, Druckmessung (Pedografie) und Dokumentation aller Risikostellen.
45 – 60 Minuten - 4
Fertigung & Anpassung
Individuell gefertigte DAF mit mehrschichtigem Aufbau. Sorgfältige Anprobe im Diabetesschutzschuh bei Abholung.
7 – 14 Werktage - 5
Regelmäßige Nachkontrolle
Kontrolle alle 3–6 Monate: Druckstellencheck, Materialkontrolle und ggf. Nachanpassung. Bei DFS engmaschiger als bei Regelversorgung.
alle 3–6 Monate
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Abrechnung und Kosten
Grundlage jeder Abrechnung ist der Vertrag zwischen Leistungserbringer und Krankenkasse. Die folgenden Werte sind Orientierungswerte — verbindliche Preise ergeben sich aus den Kassenverträgen.
| Einlagentyp | HMV-Nr. (Beispiel) | Richtwert GKV | Zuzahlung | Genehmigungspflicht |
|---|---|---|---|---|
| DAF Grundversorgung (Typ 1) | 08.03.03.0 | 150 – 250 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) | Nein (Regelversorgung bei DFS) |
| DAF erhöhter Schutz (Typ 2) | 08.03.03.1 | 250 – 400 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) | Einzelfallprüfung möglich |
| DAF Rezidivprophylaxe | 08.03.03.2 | 200 – 350 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) | Nein bei dokumentiertem Z. n. Ulkus |
| Silikoneinlage (Diabetes) | 08.03.03.3 | 300 – 500 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) | Einzelfallprüfung |
| Interimsversorgung (temporäre Bettung) | 08.03.03.0 | 80 – 120 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) | Nein (akute Versorgung) |
| Zweitversorgung DAF (zweiter Schutzschuh) | 08.03.03.0 | 150 – 250 € | 10 % (mind. 5, max. 10 €) | Einzelfallprüfung |
Hinweis zur Zuzahlungsbefreiung
Versicherte unter 18 Jahren, chronisch Kranke mit Befreiungsbescheid sowie Personen mit überschrittener Belastungsgrenze sind von der Zuzahlung befreit. Den Nachweis erbringt die Krankenkasse.
Häufige Fragen
Was ist eine diabetesadaptierte Fußbettung (DAF)?
Eine DAF ist eine speziell für Diabetiker:innen gefertigte Einlage mit mehrschichtiger Weichbettung, die den Fuß druckfrei lagert und Ulzerationen vorbeugt. Sie wird nach Maß gefertigt und passt in spezielle Diabetesschutzschuhe.
Bezahlt die Krankenkasse Diabetes-Einlagen?
Ja, bei diagnostiziertem diabetischem Fußsyndrom (DFS) übernimmt die GKV die Kosten für DAF abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung. Die Verordnung muss die ICD-10-Codes und die HMV-Nummer 08.03.03 enthalten.
Wie oft werden Diabetes-Einlagen erneuert?
In der Regel alle 6–12 Monate, bei hoher Beanspruchung auch häufiger. Eine regelmäßige Kontrolle alle 3–6 Monate im Sanitätshaus ist empfohlen, um den Zustand der Einlage zu prüfen.
Kann ich Diabetes-Einlagen in normalen Schuhen tragen?
DAF sind für Diabetesschutzschuhe (Verbandsschuhe, Therapieschuhe) konzipiert. In normalen Schuhen passen sie meist nicht, da sie dicker sind und der Schuh ausreichend Volumen bieten muss.
Was ist der Unterschied zwischen DAF und normalen Einlagen?
DAF verwenden weichere Materialien (Shore-A 15–35), haben Freistellungen an gefährdeten Stellen und einen nahtfreien Bezug. Normale Einlagen sind oft härter und korrigieren die Fußstatik, während DAF primär den Schutz vor Druckverletzungen priorisieren.
Muss ich zur Fußpflege, wenn ich DAF trage?
Ja, regelmäßige podologische Behandlung ist bei DFS essenziell und wird von der GKV übernommen. DAF und Podologie ergänzen sich: Die Einlage schützt vor Druck, die Podologie pflegt die Haut und Nägel.