Produktart-Guide · Diabetes

Diabetes-Einlagen im Sanitätshaus — Ratgeber & Übersicht

Diabetesadaptierte Fußbettungen (DAF), Weichbettungseinlagen und druckverteilende Sohlen — Überblick über Typen, Indikationen und die Abrechnung bei diabetischem Fußsyndrom.

Produktgruppe: PG 08 · Einlagen Lesezeit: ca. 9 Minuten Stand: Mai 2026 Zielgruppe: Fachpersonal & Patient:innen
Kurzantwort

Diabetes-Einlagen (diabetesadaptierte Fußbettungen, DAF) schützen den neuropathisch vorgeschädigten Fuß vor Druckstellen und Ulzerationen. Sie sind ein zentraler Bestandteil der Versorgung beim diabetischen Fußsyndrom und werden über HMV PG 08.03.03 abgerechnet.

Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 08
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Typen von Diabetes-Einlagen im Überblick

Diabetes-Einlagen werden nach ihrer Wirkungsweise unterschieden. Entscheidend für die Auswahl sind Indikation, Heilungsphase und das gewünschte Aktivitätsniveau.

TypWirkungTypische IndikationHMV-Untergruppe
DAF Typ 1 (diabetesadaptierte Fußbettung Grundversorgung)
Weichbettungseinlage aus mehrschichtigem EVA/Plastazote mit individueller Fußbettung.
Großflächige Druckverteilung, Vermeidung von Druckspitzen unter dem FußDiabetisches Fußsyndrom ohne Ulkus, diabetische Polyneuropathie08.03.03
DAF Typ 2 (erhöhter Schutz)
Erweiterte Weichbettung mit zusätzlichen Polsterzonen und tieferer Fußfassung.
Maximale Druckentlastung und Scherungsvermeidung an gefährdeten StellenDiabetisches Fußsyndrom mit Z. n. Ulkus, schwere Neuropathie08.03.03
DAF mit Rezidivprophylaxe
Einlage mit gezielten Freistellungen (Hohllegungen) an ehemaligen Ulkusstellen.
Druckfreie Lagerung von Narbengewebe und gefährdeten Arealen zur UlkuspräventionZustand nach Ulcus, Rezidivprophylaxe, Charcot-Fuß08.03.03
Weichbettungseinlage (Shore-A-angepasst)
Einlage aus Materialien mit definierten Shore-A-Härtegraden, individuell auf den Patientenfuß abgestimmt.
Anpassbare Druckentlastung durch Materialkombinationen unterschiedlicher HärteDiabetische Neuropathie, Druckstellen bei pAVK, empfindliche Haut08.03.03
Silikoneinlage (Diabetes)
Vollkontakteinlage aus medizinischem Silikon für maximale Druckverteilung.
Gleichmäßige Druckverteilung über die gesamte Fußsohle, hohe StoßabsorptionSchweres diabetisches Fußsyndrom, postoperativ, Teilamputationen08.03.03
Interimsversorgung (Übergangsbettung)
Temporäre Weichbettung zur Sofortversorgung, bis die definitive DAF gefertigt ist.
Kurzfristiger Schutz vor Druckstellen in der ÜbergangszeitAkute Versorgung nach Ulkusabheilung, Wartezeit auf definitive Versorgung08.03.03

Auszug. Vollständige Einordnung inkl. Herstellerartikel im GKV-Hilfsmittelverzeichnis.

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Aufbau und Wirkprinzip — Diabetes-Einlage

Diabetes-Einlagen: Mehrere funktionale Elemente erzeugen zusammen Stützung, Korrektur und Druckentlastung.

Mehrschichtige Weichbettung

Zwei- bis dreischichtiger Aufbau aus Materialien unterschiedlicher Shore-A-Härte (z. B. weich 15 Shore-A oben, mittelfest 35 Shore-A als Kern) für optimale Druckverteilung.

Individuelle Freistellungen

Hohllegungen an druckgefährdeten Stellen (Metatarsalköpfchen, Ferse, Narbenareale), die den Kontaktdruck auf unter 200 kPa senken.

Tiefe Fußfassung

Schalenförmige Bauweise, die den Fuß allseitig fasst und seitliches Verrutschen verhindert — wichtig bei eingeschränkter Sensibilität.

Diabetesgerechter Bezug

Nahtfreier, reibungsarmer Bezug aus weichem Leder oder speziellem Textil, der keine Scheuerstellen verursacht.

Ziel: Korrektur und Entlastung

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Häufige Indikationen

Die folgenden Diagnosen führen in der Praxis am häufigsten zu einer Verordnung. Die Auswahl des Einlagentyps hängt von Schweregrad, Heilungsphase und Aktivitätsniveau ab.

  • Diabetisches Fußsyndrom (DFS)Kombination aus Neuropathie und/oder Durchblutungsstörung mit erhöhtem Risiko für Fußulzerationen.
  • Diabetische PolyneuropathieNervenschädigung mit Sensibilitätsverlust an den Füßen — Druckstellen werden nicht mehr wahrgenommen.
  • Zustand nach Ulcus (Rezidivprophylaxe)Abgeheiltes Fußgeschwür mit hohem Rezidivrisiko — bis zu 70 % Rezidivrate ohne adäquate Versorgung.
  • Charcot-Fuß (DNOAP)Diabetische neuroosteoarthropathische Fußdeformität mit veränderter Druckverteilung.
  • pAVK mit FußbeteiligungPeriphere arterielle Verschlusskrankheit mit vulnerabler Haut und erhöhtem Ulkusrisiko.
  • Zustand nach Vorfuß-TeilamputationVeränderte Fußstatik nach Amputation von Zehen oder Mittelfußanteilen mit Druckumverteilung.
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Versorgungsweg — von Rezept bis Anpassung

Der typische Weg vom ärztlichen Befund bis zur fertig angepassten Diabetes-Einlage dauert in Deutschland zwischen 3 und 14 Tagen.

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    Ärztliche Diagnose & Risikoklassifikation

    Diabetolog:in oder Orthopäd:in klassifiziert das DFS nach Wagner/Armstrong und dokumentiert die Risikogruppe.

    1 Termin
  2. 2

    Rezept ausstellen

    Verordnung per Muster-16-Rezept mit ICD-10-Codes (z. B. E11.74 DFS, G63.2 Polyneuropathie) und HMV 08.03.03.

    HMV-Nummer 08.03.03
  3. 3

    Sanitätshaus mit DFS-Qualifikation

    Aufsuchen eines zertifizierten Sanitätshauses: Fußabdruck, Druckmessung (Pedografie) und Dokumentation aller Risikostellen.

    45 – 60 Minuten
  4. 4

    Fertigung & Anpassung

    Individuell gefertigte DAF mit mehrschichtigem Aufbau. Sorgfältige Anprobe im Diabetesschutzschuh bei Abholung.

    7 – 14 Werktage
  5. 5

    Regelmäßige Nachkontrolle

    Kontrolle alle 3–6 Monate: Druckstellencheck, Materialkontrolle und ggf. Nachanpassung. Bei DFS engmaschiger als bei Regelversorgung.

    alle 3–6 Monate
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Abrechnung und Kosten

Grundlage jeder Abrechnung ist der Vertrag zwischen Leistungserbringer und Krankenkasse. Die folgenden Werte sind Orientierungswerte — verbindliche Preise ergeben sich aus den Kassenverträgen.

EinlagentypHMV-Nr. (Beispiel)Richtwert GKVZuzahlungGenehmigungspflicht
DAF Grundversorgung (Typ 1)08.03.03.0150 – 250 €10 % (mind. 5, max. 10 €)Nein (Regelversorgung bei DFS)
DAF erhöhter Schutz (Typ 2)08.03.03.1250 – 400 €10 % (mind. 5, max. 10 €)Einzelfallprüfung möglich
DAF Rezidivprophylaxe08.03.03.2200 – 350 €10 % (mind. 5, max. 10 €)Nein bei dokumentiertem Z. n. Ulkus
Silikoneinlage (Diabetes)08.03.03.3300 – 500 €10 % (mind. 5, max. 10 €)Einzelfallprüfung
Interimsversorgung (temporäre Bettung)08.03.03.080 – 120 €10 % (mind. 5, max. 10 €)Nein (akute Versorgung)
Zweitversorgung DAF (zweiter Schutzschuh)08.03.03.0150 – 250 €10 % (mind. 5, max. 10 €)Einzelfallprüfung

Hinweis zur Zuzahlungsbefreiung

Versicherte unter 18 Jahren, chronisch Kranke mit Befreiungsbescheid sowie Personen mit überschrittener Belastungsgrenze sind von der Zuzahlung befreit. Den Nachweis erbringt die Krankenkasse.

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Häufige Fragen

Was ist eine diabetesadaptierte Fußbettung (DAF)?

Eine DAF ist eine speziell für Diabetiker:innen gefertigte Einlage mit mehrschichtiger Weichbettung, die den Fuß druckfrei lagert und Ulzerationen vorbeugt. Sie wird nach Maß gefertigt und passt in spezielle Diabetesschutzschuhe.

Bezahlt die Krankenkasse Diabetes-Einlagen?

Ja, bei diagnostiziertem diabetischem Fußsyndrom (DFS) übernimmt die GKV die Kosten für DAF abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung. Die Verordnung muss die ICD-10-Codes und die HMV-Nummer 08.03.03 enthalten.

Wie oft werden Diabetes-Einlagen erneuert?

In der Regel alle 6–12 Monate, bei hoher Beanspruchung auch häufiger. Eine regelmäßige Kontrolle alle 3–6 Monate im Sanitätshaus ist empfohlen, um den Zustand der Einlage zu prüfen.

Kann ich Diabetes-Einlagen in normalen Schuhen tragen?

DAF sind für Diabetesschutzschuhe (Verbandsschuhe, Therapieschuhe) konzipiert. In normalen Schuhen passen sie meist nicht, da sie dicker sind und der Schuh ausreichend Volumen bieten muss.

Was ist der Unterschied zwischen DAF und normalen Einlagen?

DAF verwenden weichere Materialien (Shore-A 15–35), haben Freistellungen an gefährdeten Stellen und einen nahtfreien Bezug. Normale Einlagen sind oft härter und korrigieren die Fußstatik, während DAF primär den Schutz vor Druckverletzungen priorisieren.

Muss ich zur Fußpflege, wenn ich DAF trage?

Ja, regelmäßige podologische Behandlung ist bei DFS essenziell und wird von der GKV übernommen. DAF und Podologie ergänzen sich: Die Einlage schützt vor Druck, die Podologie pflegt die Haut und Nägel.

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