Eine Handgelenkbandage entlastet und stabilisiert das Handgelenk durch Kompression oder integrierte Schienen — insbesondere bei Sehnenscheidenentzündung, Karpaltunnelsyndrom (CTS) oder Rhizarthrose.
Die Verordnung erfolgt per Muster-16-Rezept unter den HMV-Produktgruppen 05.07.01 (ohne Schiene) bzw. 05.07.02 (mit Schiene). Die Krankenkasse übernimmt die Kosten abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung.
Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis, PG 05 · § 139 SGB V · Stand 04/2026Typen von Handgelenkbandagen im Überblick
Handgelenkbandagen werden nach ihrer Wirkungsweise unterschieden. Entscheidend für die Auswahl sind Indikation, Heilungsphase und das gewünschte Aktivitätsniveau.
| Typ | Wirkung | Typische Indikation | HMV-Untergruppe |
|---|---|---|---|
| Kompressionsbandage Elastischer Gestrickkörper ohne Schiene | Leichte Kompression, Wärme und propriozeptive Stimulation; volle Beweglichkeit. | Leichte Reizzustände, Schwellungen, Prävention | 05.07.01 |
| Stabilbandage (mit Schiene) Gestrickkörper mit palmarer Aluminiumschiene | Teilimmobilisation des Handgelenks in leichter Dorsalextension; Entlastung der Sehnen und des Nervus medianus. | CTS, Sehnenscheidenentzündung, postoperativ | 05.07.02 |
| Daumenbandage (Rhizarthrose) Gestrickkörper mit Daumeneinschluss und Sattelgelenkstabilisierung | Stabilisierung des Daumensattelgelenks bei erhaltener Fingerbeweglichkeit. | Rhizarthrose, Daumengelenkinstabilität, Skidaumen (konservativ) | 05.07.01 |
| Aktivbandage Anatomisches Gestrick mit Silikonpelotte und Handballenpolster | Intermittierende Kompression und Massage bei Bewegung; Schmerzlinderung bei Belastung. | Belastungsabhängige Beschwerden, Handgelenkarthrose | 05.07.01 |
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Aufbau und Wirkprinzip — Handgelenkbandage
Handgelenkbandagen: Mehrere funktionale Elemente erzeugen zusammen Kompression, Führung und Schutz.
Gestrickkörper
Anatomisch geformtes Kompressionsgestrick, das Handgelenk und distalen Unterarm umschließt. Dünnes, hautfreundliches Material für Tragekomfort unter Handschuhen.
Palmare Schiene
Herausnehmbare Aluminiumschiene auf der Handinnenseite stellt das Gelenk in leichter Dorsalextension (ca. 15 – 20°) ruhig und entlastet Sehnen und Nervus medianus.
Daumenstabilisierung
Bei Rhizarthrose-Bandagen umschließt ein separater Daumeneinschluss das CMC-I-Gelenk, ohne die Langfinger einzuschränken.
Ziel: Stabilisierung ohne Muskelabbau
Häufige Indikationen
Die folgenden Diagnosen führen in der Praxis am häufigsten zu einer Verordnung. Die Auswahl des Bandagetyps hängt von Schweregrad, Heilungsphase und Aktivitätsniveau ab.
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Karpaltunnelsyndrom (CTS)Stabilbandage mit Schiene, insbesondere nachts
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SehnenscheidenentzündungStabilbandage mit Schiene zur Ruhigstellung
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RhizarthroseDaumenbandage mit Sattelgelenkstabilisierung
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HandgelenkarthroseKompressionsbandage oder Aktivbandage
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Postoperativ (Handgelenk-OP)Stabilbandage nach ärztlicher Maßgabe
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ÜberlastungssyndromeKompressions- oder Aktivbandage
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Distorsion HandgelenkStabilbandage mit Schiene
Versorgungsweg — von Rezept bis Anpassung
Der typische Weg vom ärztlichen Befund bis zur fertig angepassten Handgelenkbandage dauert in Deutschland zwischen 3 und 14 Tagen.
- 1
Diagnose und Verordnung
Ärzt:in stellt die Indikation und verordnet die Bandage per Muster-16-Rezept mit 7-stelliger HMV-Nummer und Diagnose (ICD-10).
Dauer: 1 Arztbesuch - 2
Kostenvoranschlag & Genehmigung
Das Sanitätshaus prüft die Verordnung und erstellt ggf. einen Kostenvoranschlag. Die meisten Bandagen sind nicht genehmigungspflichtig — die Versorgung kann direkt erfolgen.
Dauer: 0 – 5 Tage - 3
Anmessung im Sanitätshaus
Fachpersonal misst die relevanten Körperumfänge an festgelegten Messpunkten und bestimmt die passende Bandagengröße und -variante.
Dauer: 15 – 30 Minuten - 4
Anprobe & Einweisung
Kontrolle von Sitz, Kompression und Funktion. Patient:in erhält eine Einweisung in korrektes Anlegen, Tragedauer und Pflege der Bandage.
Dauer: 15 – 20 Minuten - 5
Abgabe & Abrechnung
Abgabe gegen Unterschrift auf Empfangsbestätigung. Das Sanitätshaus rechnet die Leistung direkt mit der Krankenkasse ab; Patient:in zahlt die gesetzliche Zuzahlung (5 – 10 €, max. 10 % des Preises).
Direktabrechnung über ONE.assist - 6
Kontrolltermin
Ein Nachsorgetermin nach 2 – 4 Wochen prüft Passform und Tragekomfort. Bei Druckstellen, Hautreizungen oder verändertem Umfang wird nachjustiert oder eine neue Größe angepasst.
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Abrechnung und Kosten
Grundlage jeder Abrechnung ist der Vertrag zwischen Leistungserbringer und Krankenkasse. Die folgenden Werte sind Orientierungswerte — verbindliche Preise ergeben sich aus den Kassenverträgen.
| Bandagetyp | HMV-Nr. (Beispiel) | Richtwert GKV | Zuzahlung | Genehmigungspflicht |
|---|---|---|---|---|
| Kompressionsbandage (ohne Schiene) | 05.07.01.0001 | 20 – 45 € | 5 – 10 € | Nein |
| Stabilbandage (mit Schiene) | 05.07.02.0001 | 35 – 75 € | 5 – 10 € | Nein |
| Daumenbandage | 05.07.01.1001 | 30 – 60 € | 5 – 10 € | Nein |
Hinweis zur Zuzahlungsbefreiung
Versicherte unter 18 Jahren, chronisch Kranke mit Befreiungsbescheid sowie Personen mit überschrittener Belastungsgrenze sind von der Zuzahlung befreit. Den Nachweis erbringt die Krankenkasse.
Häufige Fragen
Soll ich die Handgelenkbandage auch nachts tragen?
Bei CTS wird das nächtliche Tragen ausdrücklich empfohlen, da die Symptome häufig nachts auftreten. Die Schiene verhindert eine starke Beugung im Schlaf und entlastet den Nervus medianus. Bei anderen Indikationen richtet sich die Tragezeit nach der ärztlichen Verordnung.
Kann ich mit einer Handgelenkbandage arbeiten?
Kompressionsbandagen ohne Schiene erlauben nahezu uneingeschränktes Arbeiten. Stabilbandagen mit Schiene eignen sich für leichte Bürotätigkeiten, schränken aber feinmotorische Arbeiten ein. Für manuelle Tätigkeiten kann eine schmalere Aktivbandage die bessere Wahl sein.
Was ist der Unterschied zwischen HMV 05.07.01 und 05.07.02?
05.07.01 umfasst Bandagen ohne Schiene (rein kompressiv oder mit Pelotten). 05.07.02 umfasst Bandagen mit Schiene, die das Handgelenk teilimmobilisieren. Die richtige Untergruppe bestimmt der Verordner auf dem Rezept.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Ja, bei ärztlicher Verordnung trägt die GKV die Kosten bis zum Vertragspreis. Patient:innen ab 18 Jahren zahlen die gesetzliche Zuzahlung von 5 – 10 € (max. 10 % des Preises). Mehrkosten für höherwertige Materialien müssen schriftlich vereinbart werden.