Praxiswissen · PG 04

Sturzprävention im Bad – Leitfaden für Sanitätshäuser

Das Badezimmer ist der gefährlichste Raum im Haushalt für sturzgefährdete Menschen. Nasse Böden, enge Räume und häufige Positionswechsel machen es zum Unfallschwerpunkt. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sanitätshäuser eine systematische Sturzprävention im Bad beraten und versorgen können.

Zielgruppe: Leistungserbringer und Pflegeberater PG: PG 04 · Badehilfen Lesezeit: ca. 7 Minuten Stand: Mai 2026
Kurzantwort

Sturzprävention im Bad umfasst drei Säulen: Hilfsmittel (Haltegriffe, Duschhocker, rutschfeste Matten), bauliche Anpassung (bodenebene Dusche, Schwellenabbau) und Verhaltensschulung (sichere Transfertechniken, Schuhwerk). Sanitätshäuser beraten ganzheitlich und versorgen die Hilfsmittel über PG 04.

Quelle: GKV-Hilfsmittelverzeichnis PG 04
01

Sturzprävention systematisch beraten

Ein strukturiertes Vorgehen hilft, die individuellen Sturzrisiken im Bad zu erkennen und gezielt zu adressieren.

  1. 1

    Sturzrisiko erfassen

    Fragen Sie gezielt nach: Sind schon Stürze im Bad passiert? Bestehen Gleichgewichtsstörungen, Sehprobleme oder Medikamentennebenwirkungen? Wird ein Gehilfsmittel genutzt? Der Sturz-Score gibt die Basis für die Beratung.

    Im Erstgespräch
  2. 2

    Häusliche Situation analysieren

    Idealerweise mit Hausbesuch: Dusche oder Badewanne? Bodenbelag? Vorhandene Griffe? Platzverhältnisse? Schwellen am Eingang? Beleuchtung? Jede Schwachstelle ist ein potenzieller Sturzpunkt.

    Hausbesuch empfohlen
  3. 3

    Maßnahmenpaket zusammenstellen

    Kombinieren Sie Hilfsmittel gezielt: Haltegriffe an allen Transferpunkten, Duschsitz bei eingeschränkter Stehfähigkeit, rutschfeste Matten am Boden, ggf. Badewannenlifter oder -sitz.

    Individuelle Kombination
  4. 4

    Verordnung koordinieren

    Besprechen Sie das Maßnahmenpaket mit dem Arzt und lassen Sie alle benötigten Hilfsmittel auf einer oder mehreren Verordnungen erfassen. Manche Kassen akzeptieren Sammelverordnungen.

    In Abstimmung mit Arzt
  5. 5

    Umsetzung und Nachkontrolle

    Liefern und montieren Sie alle Hilfsmittel. Führen Sie nach 4-6 Wochen eine Nachkontrolle durch: Werden die Hilfsmittel genutzt? Gibt es neue Sturzrisiken?

    Follow-up nach 4-6 Wochen
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Häufige Fehler bei der Sturzprävention

Diese Versäumnisse erhöhen das Sturzrisiko trotz Versorgung und sollten aktiv vermieden werden.

  • 1

    Nur ein Hilfsmittel statt Gesamtkonzept

    Ein einzelner Haltegriff nützt wenig, wenn der Boden rutschig ist und kein Duschsitz vorhanden ist. Sturzprävention funktioniert nur als Gesamtkonzept.

  • 2

    Haltegriffe an falscher Position

    Ein Griff in der falschen Höhe oder Position wird nicht genutzt. Die Montage muss auf die Körpergröße und die tatsächlichen Bewegungsabläufe der Patient:in abgestimmt sein.

  • 3

    Rutschfeste Matten vergessen

    Der Boden ist die häufigste Sturzursache. Ohne rutschfeste Matten bleiben Haltegriffe und Duschsitze eine halbe Maßnahme. Matten gehören in die Dusche, vor die Dusche und vor die Wanne.

  • 4

    Keine Einweisung in Transfertechniken

    Patient:innen nutzen neue Hilfsmittel oft falsch. Zeigen Sie bei der Lieferung die korrekten Transfertechniken: Wie setze ich mich sicher hin? Wie stehe ich auf? Wo greife ich hin?

  • 5

    Beleuchtung nicht berücksichtigt

    Schlechte Beleuchtung im Bad erhöht das Sturzrisiko enorm. Weisen Sie Patient:innen und Angehörige auf eine ausreichende, blendfreie Beleuchtung hin - auch nachts (Nachtlicht).

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Sturzpräventions-Maßnahmen nach Bereich

Übersicht der empfohlenen Maßnahmen für jeden Bereich im Badezimmer.

BereichRisikoEmpfohlene MaßnahmenPG 04 Hilfsmittel
DuscheAusrutschen, GleichgewichtsverlustDuschsitz + Haltegriff + Matte04.40.01, 04.40.05
BadewanneSturz beim Ein-/AusstiegWannensitz/Lifter + Wannengriff + Matte04.40.02, 04.40.03, 04.40.05
ToiletteSturz beim Aufstehen/HinsetzenKlappgriff + Sitzerhöhung04.40.05 (+ PG 33)
BodenAusrutschen auf nassen FliesenRutschfeste Matten, Anti-Rutsch-BeschichtungZubehör
ZugangStolpern über SchwellenSchwellenabbau, Rampe, TürverbreiterungBauliche Anpassung
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Praxistipp

Bieten Sie eine 'Bad-Sicherheitsberatung' als eigenständige Dienstleistung an. Viele Patient:innen kommen mit einem Einzelrezept (z. B. nur Haltegriff), brauchen aber ein Gesamtkonzept. Eine strukturierte Beratung deckt den vollständigen Bedarf auf und führt zu einer umfassenderen Versorgung - gut für die Patient:in und gut für Ihr Haus.

Dokumentieren Sie die Beratung mit Fotos vorher/nachher und einer schriftlichen Empfehlung. Das hilft dem Arzt bei der Verordnung und der Kasse bei der Genehmigung.

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Häufige Fragen aus der Praxis

Wer bezahlt die Sturzprävention im Bad?

Hilfsmittel (Haltegriffe, Duschhocker, Lifter) übernimmt die Krankenkasse bei ärztlicher Verordnung. Bauliche Maßnahmen (Schwellenabbau, bodenebene Dusche) können über den Zuschuss der Pflegekasse (bis 4.000 Euro) finanziert werden. Rutschfeste Matten sind in der Regel selbst zu finanzieren.

Wie erkenne ich ein erhöhtes Sturzrisiko?

Warnsignale sind: Frühere Stürze, Nutzung von Gehhilfen, Gleichgewichtsstörungen, Sehprobleme, Einnahme von Blutdrucksenkern oder Schlafmitteln, und fortgeschrittenes Alter (über 70). Bereits ein Faktor reicht für eine Beratung.

Reichen Haltegriffe für die Sturzprävention?

Haltegriffe sind ein wichtiger Baustein, aber allein nicht ausreichend. Eine wirksame Sturzprävention kombiniert Griffe mit rutschfestem Bodenbelag, Duschsitz und guter Beleuchtung.

Kann ich einen Hausbesuch abrechnen?

Das hängt vom Kassenvertrag ab. Einige Kassen vergüten Hausbesuche im Rahmen der Hilfsmittelberatung separat. Prüfen Sie die Vertragsbedingungen. Auch ohne separate Vergütung lohnt sich der Hausbesuch, da er zu einer umfassenderen Versorgung führt.

Was empfehle ich bei einer Badewanne ohne Dusche?

In diesem Fall ist die Kombination aus Badewannensitz oder -brett, Wannengriff und rutschfester Matte die Basislösung. Für Patient:innen, die baden möchten, kommt ein Badewannenlifter hinzu. Langfristig kann ein Umbau zur bodenebenen Dusche sinnvoll sein.

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